Mittwoch, 28. Dezember 2016

Für Fans von irischem Bier und Whisky

Mehr als 1000 Iren leben in Berlin und bereichern die Stadt mit ihren kulinarischen Errungenschaften. Wer Lust auf ein irisches Bier mit Kleeblatt in der Blume hat, sollte mal im Cliffs of Dooneen in der Husemannstraße vorbeischauen.
Für Pubs und Sportsbars bin ich nicht wirklich zu haben. Mein Glück, dass wir an einem fußballfreien Tag im Cliffs of Dooneen vorbeischauten. Wie lecker Stout und Ale sind, wage ich nicht einzuschätzen, aber sie stehen auf der Getränkekarte. Zu meinem Glück aber auch Cider und der ist lecker. Wer unbedingt Stew mag, kann es dort essen. Viel besser zum Bier passen meiner Meinung nach die leckeren Wedges. Der Wirt ist freundlich und die Gäste sind bereit zusammenzurücken, wenn mal eine größere Gruppe kommt. Das hat einen gewissen Charme, der durch die rustikale Einrichtung mit allerlei Tinnef, der sich in irgendeiner Form auf Irland bezieht, noch verstärkt wird. Für Raucher gibt es einen Extraraum, in dem auch ein Kicker steht und eine Dartscheibe hängt. Für Prenzlauer Berg sind die Preise moderat und hier lässt sich ein ganz angenehmer Abend verbringen.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Für Rätselfreunde: Final Escape

Wer mit Point and Click Adeventures wie Secret of Monkey Island oder Day of the Tentacle was anfangen kann, sollte auch mal im echten Leben rätseln gehen. Escape Games gibt es seit Anfang der 2000er und sind auch zahlreich in Berlin zu finden. Das Spielprinzip ist einfach: Eine kleine Gruppe kommt in einen Raum und muss Rätsel lösen, um aus diesem wieder rauszukommen. In der Prenzlauer Allee bietet Final Escape vier verschiedene Varianten und wir haben "The Gallerist" ausprobiert.
Vorab wohl das Wichtigste: Wer eher ungern mit anderen kommuniziert, kommt bei diesem Spiel nicht weit, denn selbst die verrückteste Idee kann hier weiterhelfen, sofern sie auch ausgesprochen wird. Es geht darum, gemeinsam mitunter ungewöhnliche Lösungswege für ein Rätsel zu finden. Dabei ist es nicht so, dass man einfach in einen Raum gesteckt wird und los geht’s. Viel mehr gibt es zu jeder Spielvariante eine kleine Geschichte. In „The Gallerist“ geht es darum ein in einer Galerie verstecktes, gestohlenes Gemälde zu finden. Das Spiel verteilt sich auf drei Räume und alle sind authentisch wie in einer Galerie eingerichtet und dekoriert. Um die Hinweise zu entdecken und dem Gemälde näherzukommen, reicht nicht nur Wissen. Man braucht auch einen Blick für Details, ein gutes Ohr und vor allem kreative Ideen. Wenn die Gruppe gar nicht mehr weiter weiß, gibt es zur Not Tipps vom Gamemaster. Um die Aufgabe zu erfüllen, hatten wir eine Stunde Zeit und sind am letzten Rätsel gescheitert. Macht aber nichts, schließlich gibt es noch weitere drei Escape Rooms zu entdecken. Als Gruppe haben wir 99 Euro bezahlt und bekamen dafür eine sehr nette Gamemasterin und sechzig Minuten Spaß, die wie im Flug vergingen.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Gedenken an die Gründungsväter der U-Bahn

Wer regelmäßig durch die Tunnel am Alexanderplatz hastet, dem sind sie bestimmt schon aufgefallen: drei bronzene Tafeln im Zwischengeschoss. Sie sind drei Männern gewidmet, die von großer Bedeutung für die Berliner U-Bahn waren.
Ab 1930 hingen zwei Gedenktafeln zu Ehren von Paul Wittig und Max Steinthal im U-Bahnhof Alexanderplatz. Paul Wittig war einer der Leiter und Mitbegründer der Berliner Hochbahngesellschaft und dementsprechend federführend bei der Entscheidung, Untergrundbahnen zu bauen. Steinthal hingegen arbeitete bei der Deutschen Bank. Heutzutage ist er eher durch seine umfangreiche Kunstsammlung bekannt, aber als es um die Finanzierung der Hochbahnen und Untergrundbahnen ging, unterstützte er die Hochbahngesellschaft als Aufsichtsratsvorsitzender. Zwei Jahre später starb Gustav Kemmann, dessen Leistungen in der grundlegenden wissenschaftlichen Ausarbeitung zum U-Bahnbau lagen. Neben praktischen Umsetzungsfragen schaffte er es jedoch auch, für das erste Betriebsjahr die genaue Fahrgastzahl zu berechnen. Damit hatte er sich eine Gedenktafel verdient, die posthum neben den anderen beiden angebracht wurde. Die Originaltafeln hielten jedoch nicht lange. Da Steinthal jüdischer Herkunft war, wurde seine unter der nationalsozialistischen Herrschaft entfernt. Die anderen beiden wurden dann während des Krieges eingeschmolzen und weiterverwertet. Anlässlich des 100. Betriebsjubiläums der U-Bahn beschloss die BVG, Repliken anzubringen, die den Originalen nachempfunden sind. So wirken die Tafeln auch ein wenig aus der Zeit gefallen, aber erinnern daran, was so manch Berliner Pendler diesen Männern zu verdanken hat …

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Eine Brücke für einen Feldherren

Die Moltkebrücke verbindet das Regierungs- mit dem Parlamentsviertel und den Tiergarten mit Moabit. Aber schon der erste Blick auf diese mit Sandstein verkleidete Brücke und ihren vielen Details zeigt, dass es bei ihrer Erbauung nicht nur darum ging, mal schnell eine praktische Verbindung über die Spree hinweg zu schaffen.
Wie der Name es schon sagt, wurde diese Brücke dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke gewidmet, der mit seinem Leitspruch „Erst wägen, dann wagen“ auch heute noch manchen bekannt ist. Er konnte deren Fertigstellung nicht mehr lebend miterleben und die Brücke wurde 1891 mit seinem Leichenzug eingeweiht. Der gesamte Dekor der Brücke steht ganz in seinem Zeichen und in der Anerkennung seiner militärischen Leistungen. Die Brücke ist bewacht von Greifen, die das Wappen der Familie von Moltke, das von Preußen, von Berlin und von Parchim, dem Geburtsort von Moltkes tragen. Auf den Balustraden befinden sich Sockel mit Kindergruppen, die die Heldentugenden verkörpern.  Auf den Schlusssteinen der Brückenbögen befinden sich neben einer Skulptur von Moltkes Kopf noch weitere bekannte militärische Feldherren wie Athene, Cäsar oder Blücher. Selbst das kleinste Detail war von Künstlern und Architekten durchdacht. Wer will, kann die Brücke als Sinnbild eines militaristischen Preußens deuten. Ich betrachte sie eher als Bauwerk, das man plötzlich mit ganz anderen Augen sieht, wenn man sich erst einmal mit dessen Geschichte auseinandergesetzt hat. Aber die Eule, die für Moltkes Weisheit stehen soll, konnte ich nicht entdecken. Im Zweiten Weltkrieg und der Besetzung Berlins war die Moltkebrücke dann hart umkämpft und wurde anschließend nur behelfsmäßig repariert. Vollständig saniert und restauriert wurde sie dann in den 80er Jahren. Als Mahnung zu Frieden und Verständigung steht einer der zerstörten Originalgreife auf der einen Seite der Brücke.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Einmal um den Weißen See

Lust auf einen Herbst- oder mittlerweile eher Winterspaziergang mit streitenden Enten und Blätterrascheln? Dann lohnt sich ein Abstecher nach Weißensee.
Seit dem 13. Jahrhundert siedelten schon Menschen in der Nähe des Weißen Sees, ein Teil Berlins wurde er erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Er gehört nun wahrlich nicht zu den größten, aber zu den tiefsten Seen Berlins. Der Weg um den See herum ist nur knapp anderthalb Kilometer lang, aber dafür gibt es eine schöne Aussicht und allerlei Bäumchen und Figuren am Wegesrand. Die Bäume sind teilweise über 150 Jahre alt und wer ab und an etwas genauer hinschaut, entdeckt Informationstafeln an den ältesten Bäumen. Neben einer Blumenuhr säumen zahlreiche kleine Blumengärten die Anlage um den See und auch einige Skulpturen wie die für die Trümmerfrauen oder die Widerstandskämpfer lassen sich entdecken. Für eine Kaffeepause eignen sich das Milchhäuschen oder das Strandbad, die auch jetzt außerhalb der Saison warme Getränke anbieten. 

Dienstag, 29. November 2016

Tauts Erbe und ein Schelm in der Buschallee

Weißensee ist jetzt nicht unbedingt der Bezirk, den ich mit beeindruckenden Sehenswürdigkeiten verbinde. Hier entscheidet das Auge des Betrachters eher über das Schöne und Sehenswerte. Wer aber offenen Auges die Buschallee entlanggeht, kann dennoch einiges entdecken.
Für Architekturbegeisterte sind wohl die wenig verschnörkelten und geradlinigen Bauten von Bruno Taut in der Buschallee einen näheren Blick wert. Denn er und seine vom ihm entworfenen Gebäude verkörpern eine wichtige Epoche der Berliner Architekturgeschichte, in der der soziale Wohnungsbau im Mittelpunkt stand. Freunde des Schalks und der Literatur hingegen können sich an der Eulenspiegel-Figur von Stephan Horota erfreuen. Warum sie hier 1975 aufgestellt wurde? Ich konnte es nicht rausfinden – vielleicht inspirierte eine in der Nähe liegende Schule zu der Figur … Aber dem Possenreißer wurde hier mit der Figur auf einer Stele ein Denkmal gesetzt. Eine ungepflegte, mit Graffiti überzogene Skulptur, zugegeben, aber immerhin. Die literarische Figur hat eigentlich wenig mit Berlin zu tun, nur zwei der vielen Streiche, von denen der Eulenspiegel berichtet, spielen in Berlin. Wer an die Stele tritt, sieht 12 einzelne Relieftafeln, die anscheinend wichtige Stationen von Till Eulenspiegel erzählen. Da lohnt es sich doch mal die Sammlung der Streiche und Episode rund um den Till aufzuschlagen und nachzulesen, welche auf den Tafeln abgebildet sind …

Dienstag, 22. November 2016

Der Hausvogteiplatz - erst gemieden, dann Modezentrum

Kaum vorzustellen, aber Berlin galt mal was in der Modewelt. Lange vor der Fashion Week im 19. Jahrhundert und vor allem in den Goldenen Zwanzigern verkörperte die Berliner Textilbranche auch international eine tragbare und bezahlbare Mode. Zentrum der Berliner Konfektionsindustrie war der Hausvogteiplatz.
Seinen Namen hat der Platz von der Hausvogtei, dem Untersuchungsgefängnis, das bis 1891 an der Nordseite des Platzes stand. Aber seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert siedelten sich rund um den Platz bedeutende Konfektionshäuser an. Die Ideen zu Mänteln, Hüten und anderen Kleidungsstücken waren hier zu Hause. Gefertigt wurden sie dann wiederum an anderen Orten, in Heimarbeit in Mietskasernen, von schwindsüchtigen Frauen – aber das ist eine andere Geschichte. Viele der damals international bekannten Modehäuser am Platz sind heute verschwunden. Das liegt vor allem daran, dass ein Großteil von jüdischen Unternehmern geführt wurde. Ab 1933 hatten diese nach nationalsozialistischer Vorstellung arisiert zu werden. Jüdische Eigentümer und Mitarbeiter wurden verfolgt, die Unternehmen arisiert und selbst das Wort Konfektion wurde 1936 für verboten erklärt. War die Berliner Konfektionsindustrie in Bestzeiten mal der zweitgrößte Industriezweig der Stadt, bedeuteten diese Arisierungen und Schließungen das Ende des Hausvogteiplatzes als Modezentrum.
 An diese Zeit und an die schleichende Enteignung und Verfolgung erinnert das „Denkzeichen Modezentrum Hausvogteiplatz“. Wer die Treppen vom U-Bahn-Ausgang zum Hausvogteiplatz hochsteigt, kann die auf den Stufen eingelassenen Namen der jüdischen Modehäuser leicht übersehen. Aber die drei mehr als zwei Meter hohen Spiegel sind dann doch recht auffällig. Sie bilden ein Dreieck und in ihrer Mitte befinden sich jeweils drei Gedenkplatten. Das Denkmal ist von Rainer Görß entworfen worden und erinnert an Ankleidespiegel. Wer vor den Spiegeln steht oder dazwischen schlüpft, kann den gesamten Hausvogteiplatz überblicken. Von den Hochzeiten des Platzes als Modezentrum ist nach Umbau und etlichen Sanierungen jedoch nur noch das Haus zur Berolina mit der Hausnummer 12 erhalten geblieben.  

Donnerstag, 17. November 2016

Auf einen Spaziergang durch den Wildpark Schorfheide

In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben … Wer die und andere einheimische Tiere wie Otter, Wildschweine und Rehe auf dem letzten Waldspaziergang nicht entdecken konnte, kann sie sich im Wildpark Schorfheide in natürlicher Umgebung ganz in Ruhe anschauen.
Gut, natürlich ist vielleicht übertrieben, immerhin sind die Tiergehege eingezäunt. Aber die Gehege sind riesig und mitten in der natürlichen Landschaft angelegt, sodass die Tiere fast wie in freier Wildbahn leben. Für den Besucher bedeuten die großen Gehege aber auch, dass ein Fernglas und etwas Geduld nicht schaden können. Neben einheimischen Wildtieren und solchen, die es früher mal gab wie das Przewalski-Pferd oder der Wisent gibt es auch vom Aussterben bedrohte Haustierrassen zu entdecken. Rinder mit langen Wimpern und Wollschweine, die so knuffig aussehen mit ihren Zotteln. An jedem Gehege lässt sich irgendwo eine Informationstafel entdecken, aber wer das Angenehme mit dem Lehrreichen verbinden will, kommt am besten früh. Denn um 11 Uhr gibt es die Schaufütterung bei den Luchsen und um 11. 30 die bei den Ottern. Die Otter lassen sich auch ohne Fütterung entdecken. Das Luchsgehege allerdings besteht vor allem aus Wald und wer die Katzen nicht verpassen will, bekommt sie wohl nur mit Glück zu sehen oder eben bei der Fütterung. Die Wölfe sind tagsüber fast nicht zu sehen. Wer einen Hundehalter sieht, der zum Gehege geht, sollte sich an diesen ranhängen, denn dann kommen sie, um die Lage zu klären. Ansonsten gibt es noch die Wolfsvollmondnächte, für die man sich anmelden muss. Bei diesen gibt es eine Schaufütterung der Wölfe, aber eben erst abends. Insgesamt gestaltet sich der Besuch vor allem als längerer Spaziergang mit reichlich entspannten Tieren am Wegesrand. Der Eintritt kostet für Erwachsene moderate 7 Euro und wer sich ein oder zwei Snacks eingepackt hat, kann hier schon einige Stunden verbringen.

Dienstag, 15. November 2016

Meeresgott und vier deutsche Ströme auf dem Großfürstenplatz

Im Tiergarten könnte man problemlos Stunden mit der Besichtigung von Denkmälern verbringen, das ein oder andere Kaninchen beobachten oder beim Spaziergang einfach das Herbstlaub rascheln lassen. Ein guter Startpunkt für einen Spaziergang ist der älteste Brunnen des Tiergartens auf dem Großfürstenplatz.
Wenn man es genau nimmt, ist es nicht mehr der älteste Brunnen, sondern vielmehr eine Kopie desselben. Das Original entwarf Josef von Kopf 1888, die Kopie, die 1987 das Original ersetzte, stammt von Harald Haacke. Die Figur des Tritons, der einen Fisch in den Händen hält, ist so klassisch für einen Brunnen, dass die dahinter stehenden Figuren viel spannender sind.
Die vier Figuren sind ein Ensemble verschiedener Künstler, das den Namen „Die vier deutschen Ströme“ trägt. Ursprünglich sollten die Allegorien von deutschen Flüssen auf einer Brücke in der Nähe des Alexanderplatzes stehen. Aber die Brücke wurde abgerissen und so fanden die Figuren ihren Platz auf dem Großfürstenplatz. Die Sandsteinplastiken entstanden von 1860 bis 1870, zu einer Zeit also, wo Deutschland gebietstechnisch etwas anders als heute aussah. Daher ist einer der deutschen vier Ströme auch die Weichsel. Die anderen Figuren verkörpern die Elbe, den Rhein und die Oder. Um den jeweiligen Fluss zu erkennen, braucht es dann ein wenig Kenntnis der Landschaften an den Flüssen. Die Oder, die Weichsel und der Rhein sind leicht zu identifizieren. Ihnen zugeordnet sind ein Bergmann, eine Ährenleserin und die Weinlese. Aber wie ist die Elbe von Alexander Calandrelli zu deuten? Sie wird von Merkur personifiziert. Dem Gott des Handels und der Nachricht. Neben ihm steht ein Knabe mit seiner Börse in der Hand. Aber was hat der sitzende Mann in der Hand?

Dienstag, 8. November 2016

Ein Denkmal der Hoffnung und Verzweiflung am Bahnhof Friedrichstraße

Am Südausgang des Bahnhofs Friedrichstraße steht das Denkmal „Züge in das Leben – Züge in den Tod“ und erinnert an eine Rettungsaktion, die Tausende Kinder vor dem Tod bewahrte.
Wer nicht gerade gestresst auf dem Weg zur nächsten Bahn ist, dem fallen die Kinderfiguren in der Nähe des Eingangs in den Blick. Die Plastik erinnert an die Kindertransporte mit denen Minderjährige, die nach nationalsozialistischer Vorstellung jüdisch waren, in England Obdach fanden. Die Pogromnacht am 9. November machte nicht nur vielen jüdischen und christlichen Gemeinden deutlich, dass jüdische Kinder in Deutschland nicht mehr sicher waren. Verschiedene Länder lockerten die Einreisebestimmungen und so konnten 10.000 jüdische Kinder gerettet werden. In Erinnerung an diese Kindertransporte stehen auch Denkmale in London und Danzig.
Die Plastik von Frank Meisler, selbst eines der geretteten Kinder, ist zweigeteilt. Denn es erinnert sowohl an die Rettungsaktion als auch an das, was mit den anderen geschah … Diese Zweiteilung zeigt sich in zwei Kindergruppen, die sich den Rücken zuwenden und mit unterschiedlicher Patina überzogen sind. Während zwei Kinder in hellem Bronzeton einer mehr oder weniger sicheren Zukunft entgegenreisen, blicken die anderen fünf in grau gehaltenen zur Seite und stehen für die fast zwei Millionen Kinder, die in den Konzentrationslagern starben.
Standort und Ausführung des Denkmals waren und sind nicht unumstritten. So argumentierte die zuständige Senatsverwaltung, dass die Darstellung zu kitschig und undidaktisch sei. Zeitzeugen und Historiker hingegen bemängelten, dass die Transporte überwiegend vom Anhalter Bahnhof aus starteten. Um den Kritikern gerecht zu werden, sind gegenüber dem Denkmal Informationstafeln mit Erläuterungen angebracht. Kitschig mag die Skulptur sein, in der selbst in den Koffern Details herausgearbeitet sind. Aber mangelnde Didaktik würde ich dem Ensemble nicht unterstellen, denn im Gegensatz zu manch abstrakten Klötzen lässt sich klar erkennen, worum es geht. Dass der Ort trotz all der Hektik zum Erinnern einlädt, zeigen die frischen Blumen, die in den Händen oder zu Füßen der Figuren zu finden sind. 

Donnerstag, 3. November 2016

Zwei Kinder unterm Regenschirm

Es regnet, es regnet, die Erde wird nass … An der Danziger Straße macht das schlechte Wetter zwei Kindern nichts aus. Na gut, es sind ja auch keine echten Kinder, sondern Figuren eines Tröpfelbrunnens, der zwischen Bäumen und gelbem Herbstlaub leicht zu übersehen ist.


Es muss nicht immer eine meterhohe Fontäne oder ein spektakuläres Wasserspiel sein, um das Auge zu erfreuen. Kinder unterm Regenschirm, so wie der Brunnen auch offiziell heißt, reichen schon aus. Der Brunnen ist vom Künstler Stefan Horota und wurde 1974 aufgestellt. Angeblich hat er diesen Brunnen als Denkmal für die Kinder des Prenzlauer Bergs geschaffen. Ein Mädchen und ein kleiner Junge stehen unter einem Regenschirm und das vom Schirm herabtropfende Wasser fängt der Junge mit seinen Händen auf. Entspannt und gelassen trotzen sie dem ewig tröpfelnden Wasser. Nachgüsse des Brunnens stehen auch in Schwerin unter dem Namen „Schirmkinder“ und in Fürstenwalde – wobei dort wiederum vom in Berlin stehenden Nachguss gesprochen wird. Wo nun das Original steht und ob der Brunnen einen tieferen Sinn als Wohlgefallen beim Anschauen hat, kann wohl nur der Künstler beantworten … 

Dienstag, 1. November 2016

Früher Kirche, heute Heißer Draht - Die Memoria Urbana

Auf dem Bethlehemkirchplatz steht eine Ansammlung aus Metall, die aus der Ferne wie eine Kuppel und aus der Nähe wie ein Heißer Draht aussieht. Da aber nirgendwo Stangen mit Ösen rumliegen, ist es wohl eher nicht ein Spiel, sondern irgendetwas Bedeutsames.
Neben der Metallskulptur befindet sich auf dem Platz noch ein buntes, rundes Etwas. Das ist der Houseball von Claes Oldenburg, der zusammengeknüllte Habseligkeiten eines Flüchtlings darstellen soll. Beide Installationen erinnern an die Böhmische Bethlehemskirche, die auf diesem Platz stand. Sie wurde im 18. Jahrhundert für die böhmische Gemeinde erbaut. Zu der Zeit flüchteten zahlreiche Böhmen aufgrund von religiöser Verfolgung und siedelten sich in Berlin an. Daher galt die Kirche als Symbol der Toleranz und Einwanderung.  Während der Ball sich nicht ganz so leicht der Kirche zuordnen lässt, ist auf dem zweiten Blick die Metallinstallation als Rekonstruktion des Gebäudes zu erkennen. Sie ist ein Geschenk des Künstlers Juan Garaizabal. Seine Installationen in verschiedenen Städten thematisieren leere Räume in der Stadt. Angeblich soll die Memoria Urbana des Nachts sogar beleuchtet sein. Den Platz aber als leeren Raum im wortwörtlichen Sinne zu bezeichnen, erscheint mir dann aber übertrieben, den abgesehen vom Ball und den Metallpfeilern zeichnet auch ein Mosaik im Boden die Umrisse des Kirchengrundrisses nach. Gedenken und Erinnern im öffentlichen Raum sind wichtig, aber auf dem Bethlehemkirchplatz erscheint es mir etwas zu viel des Guten … 

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Drei Klöster auf einem Berg - Der Puig de Randa

Das Inselinnere Mallorcas ist eine fruchtbare Ebene, auf der Mandeln, Oliven und Getreide angebaut werden. Als klassisches Symbol der Insel gilt daher auch die Windmühle, die früher zum Mahlen des Getreides, zur Ölherstellung oder zur Förderung des Grundwassers fungierte. Wer schon einmal in der Ebene Es Pla ist, kann auch gleich einen Abstecher zum einzigen Tafelberg Mallorcas machen.
Der Puig de Randa bietet nicht nur auf seinem Plateau einen schönen Ausblick auf die Landschaften. Auf, im und an den Berg gebaut sind auch drei Klöster, die man besichtigen kann. Um korrekt zu sein, sind es nur zwei Klöster und eine Einsiedelei. Dennoch ist der Puig de Randa auch als Klosterberg bekannt. Wer motiviert ist, kann dem Wanderweg folgen, der an den drei historischen Orten vorbeiführt. Die Santuari de Nostra Senyora de Gracia ist das erste „Kloster“. Eigentlich ist es ursprünglich ein Wallfahrtsort. Heute gibt es dort eine Kapelle zu besichtigen und im Eingangsbereich steht ein denkmalgeschütztes Kreuz. Wer sich dafür nicht interessiert, kann sich am Ausblick ergötzen oder bewundern, wie sich die noch bestehenden Gebäude in den Berg schmiegen. Das zweite Kloster Santuari Son Honorato ist noch in Betrieb und die Mönche leben in Klausur. Hier gibt es dementsprechend auch nicht viel zu sehen, außer die Kapelle. Die Klosteranlage auf dem Berg hingegen ist mit seinem Klostergarten, Museum, Restaurant und wieder einer Kapelle einen Besuch wert. Das Museum widmet sich dem berühmtesten Bewohner der Santuari de Nostra Senyora de Gracia: Ramón Llull. 

Noch nie gehört? Naja ich auch nicht - aber tatsächlich war er ein angesehener Philosoph und Missionar und hat durch seine zahlreichen Schriften einen Beitrag zur literarischen Anerkennung der katalanischen Sprache geleistet. Das Restaurant wird jedoch nicht von Mönchen bewirtschaftet und wirkt durch gehetzte Angestellte nicht einladend. Wer jedoch Hunger verspürt, sollte, wie wir vom Plateau abziehen und dann nach Montuiri fahren. Das Dorf wird im Reiseführer als klassisches Beispiel für arabische Architektur in Mallorca beschrieben. Ist uns so jetzt nicht aufgefallen, aber mit dem Restaurant Puig de Sant Miquel haben wir ein wahres Kleinod entdeckt. Dort gibt es ein echtes mallorquinisches Menü mit Getränken und Wein zu angemessenen Preisen und Kellner, die kein Deutsch können, aber geduldig verdeutlichen, was was ist. Wer mal in der Nähe ist, dem sei ein Abstecher wärmstens empfohlen.

Dienstag, 25. Oktober 2016

Mallorca - Tagesausflug ins Unesco Weltnaturerbe

Abseits vom Pool und der Hauptstadt hat Mallorca gerade für Wanderer und Naturfreunde einige sehenswerte Landschaften zu bieten. Ein Ziel, das sich nicht nur für Wanderfreunde lohnt, ist das Gebirge Serra de Tramuntara, das die Unesco zum Weltnaturerbe erklärt hat.
Das Gebirge liegt im Nordwesten der Insel und beherbergt zahlreiche Dörfer, die mehr oder weniger pittoresk sind. Für tolle Ausblicke sorgt die Fahrt nach Sa Calobra. Aber die 14 Kilometer lange Serpentinenstraße ist nichts für Fahranfänger oder Reisekranke. Haarnadelkurven und entgegenkommende Busse machen die Anfahrt zum Erlebnis. In Sa Calobra führt dann ein Tunnel in die Bucht mit Kiesstrand. 
Das Spannende ist hier aber nicht unbedingt die Bucht, sondern vielmehr der Canyon Torrent de Pareis. Hier beginnt oder endet ein Wanderweg, der nach Escorca führt. Er gilt als einer der gefährlichsten Mallorcas und sollte nur von erfahrenen Wanderern in Angriff genommen werden. Für alle anderen gilt aber, dass ein kleiner Streifzug durch den Canyon schon eine kleine Auszeit im Grünen ist.
Auf Mallorca gibt es verschiedene Wanderwege, die auch für weniger Trainierte machbar sind. Allerdings ist es gut zu wissen, dass die Wege nicht befestigt sind, und wenn dann mit Steinen. Festes Schuhwerk ist für längere Strecken also durchaus empfehlenswert. Abgesehen davon gibt es in den seltensten Fällen Schilder. Verbreiteter sind kleine Steinmännchen, die den Weg weisen. Wer also auf der Insel wandern geht, kann von einer Karte nur profitieren. Aber eine kleine Wandertour lohnt sich, denn fast jeden Monat blühen andere Pflanzen und die Insel ist bunter, als man denkt. Gerade die Mandelblüte im Februar lockt Wanderer auch außerhalb der Badesaison.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Was ein Tourist in Mallorca sehen muss...

Auf Mallorca gibt es für jeden Urlaubstyp etwas: Der All-inclusive-Urlauber bekommt gutes Wetter und müsste nicht mal die Hotelanlage verlassen. Falls doch, gibt es zahllose weitere Strände zu entdecken. Für diejenigen, die sich gerne etwas bewegen und die einheimische Natur entdecken wollen, gibt es zahlreiche Wanderwege, Berge, Klippen und beeindruckende Landschaften.
Strand und Sonnenuntergang
Wer schon mal in Mallorca ist, sollte sich die schönen Strände mit dem klaren Wasser nicht entgehen lassen. Es gibt Sand- und Steinstrände.  Als einer der schönsten Strände mit Karibikflair gilt Es Trenc. Im Gegensatz zu manch anderen Sandstränden der Insel ist dieser Strand nicht bebaut und das Wasser ist noch wunderbar türkis und sauber. Um ganz unterzutauchen, muss man jedoch ein ganzes Stückchen laufen. Davon abgesehen ist dieser Strand wohl schon lange kein Geheimtipp mehr, denn auch außerhalb der Saison ist er gut besucht.
Mallorca hat eine beeindruckende Steilküste und viele Punkte, von denen es einen Ausblick auf das Meer gibt. Der bekannteste und beliebteste Ort, um sich den Sonnenuntergang anzuschauen, ist Cap Formentor. Wer aber keine Lust auf die lange Anfahrt hat, findet an der Küste viele schöne Flecken, an denen die Sonne malerisch im Wasser versinkt. Wann hat man schon mal die Zeit, ganz in Ruhe der untergehenden Sonne zuzusehen?

Palma
Was wäre ein Mallorca-Besuch ohne einen kleinen Spaziergang durch die Hauptstadt? Eine klassische Sightseeing-Tour beinhaltet den Hafen und die Kathedrale La Seu. Im Hafen liegen halt Schiffe jedweder Art … Die Kathedrale überragt die Stadt und ist durchaus sehenswert. Wer auf eigene Faust durch die Altstadt läuft, stößt auf kleine verwinkelte Gassen fast ohne Autos und bekommt durch die spanisch-katalanische und arabische Architektur einen Eindruck von der mehr als 2000 Jahre alten Stadt. 
Umstritten, aber dennoch einen Abstecher wert, ist das Denkmal an den Untergang des Kreuzers Baleares im Park Sa Feixina. Die 22 Meter hohe Säule und die Wasserspiele erinnern an die Opfer des Unterganges. Das Denkmal soll eigentlich abgerissen werden, da es die faschistische Diktatur Francos verherrliche. Einen schönen Ausblick auf die Stadt gibt es am Café des Kunstmuseums Es Baluard. Das Museum für zeitgenössische Kunst wurde in die Stadtmauer integriert und auch außerhalb des Museums sind einige Kunstwerke ausgestellt. Wer an einem warmen Tag durch die Stadt flaniert, sollte unbedingt eine der vielen Eiscafés ausprobieren – was bei unseren Tests besondere Begeisterung auslöste, waren die mit Schokolade umhüllten Eiswaffeln.
Abkühlung in den Höhlen

Mehr als 3000 Höhlen gibt es auf Mallorca – die perfekte Anlaufstelle, wenn es selbst zum Baden zu warm ist … Einige dieser Höhlen wurden für Touristen aufbereitet und bieten Führungen an. In Porto Christo liegen die Coves del Drach, die Drachenhöhlen. Dort befindet sich Europas größter unterirdischer See. 
Wer nach Porto Christo fährt, findet dort auch die Coves del Hams, die mit großflächiger Werbung manch einen Touristen vom Weg zu den Drachenhöhlen abbringen. So ging es auch uns. Im Vergleich zu den Drachenhöhlen ist dort der Eintritt höher und es gibt eine Führung durch die Höhlen. Wobei der Begriff Führung in diesem Fall nicht überbewertet werden sollte: Die Gruppe wird per Einspieler in verschiedenen Sprachen durch verschiedene Bereiche gelotst und bekommt verschiedene Videos zu sehen. Wer noch nie in einer Höhle war, wird es dennoch interessant finden. Andere werden hingegen von der durchkalkulierten, effekthaschenden und teilweise lieblosen Präsentation enttäuscht sein. Eine weitere Höhle, die unter Insidern noch als Geheimtipp gilt, ist die Coves d’Artà, in der es den größten Stalagmiten Europas zu bestaunen gibt.

Dienstag, 18. Oktober 2016

Urlaub auf Mallorca - Erste Lektionen

Ja, es gibt tatsächlich Deutsche, die noch nie auf Mallorca waren … Ich gehörte bisher dazu. Aber sonnige Aussichten und ein verlockend schönes Ferienhaus haben mich dann doch überzeugt, Urlaub auf Mallorca zu machen. Und die Insel hielt dann neben den typischen Klischees auch schöne Erfahrungen, beeindruckende Landschaften und entspannende Sonnenuntergänge bereit.
Essen für Jedermann
Zuallererst bestätigte sich jedoch das Klischee, dass die Insel des Deutschen liebster Urlaubsort ist. So viele deutsch redende Menschen trifft man nicht einmal in Tegel. Dementsprechend haben sich die meisten Gastronomen in den überlaufenden Urlaubsorten auf das Publikum eingestellt. Spanisch braucht hier niemand – die Speisekarten sind in Deutsch. Das kulinarische Angebot ist allerdings auch auf die Wünsche zahlungskräftiger, Hausmannskost erwartende Gäste abgestimmt. In fast jedem Restaurant gibt es Schnitzel und Co. Mallorquinische Küche ist dann nur noch in Form von ein oder zwei Alibigerichten wie etwa Fisch oder Paella vertreten. Wer echte mallorquinische Küche möchte, muss schon etwas suchen. Selbstversorger haben jedoch den Vorteil, auf die Fülle der landwirtschaftlichen Produkte der Insel zurückgreifen zu können. Jedem Grillfan kann ich nur nahelegen, das Angebot der jeweiligen Fleischtheken auszuprobieren. Die Fleischesser in unserer Urlaubsgemeinschaft waren begeistert von den gewürzten Fleischspießen und Bratwürsten. Ernüchternd hingegen war unsere Ausbeute an Oliven und Aioli aus den Supermärkten. Oliven gibt es dort in mannigfaltiger Ausführung zum Selbstabfüllen. Aber trotz mehrerer Versuche konnten wir keine schmackhaften finden. Die gab es dann wiederum in leckerer Ausführung nur im Restaurant.
Mallorquinisches Vertrauen auf den Menschen
Eine weitere Lektion für den TÜV-verwöhnten und mit Warnschildern vertrauten Deutschen ist das Vertrauen der mallorquinischen Verwaltung auf den gesunden Menschenverstand. Die Insel wartet mit zahlreichen Klippen auf, von denen man einen tollen Blick auf das Meer hat. An diesen Klippen gibt es keine lächerlichen Hinweise, wie „Vorsicht ihr Trottel, achtet darauf, wo ihr hintretet und fallt nicht hinunter!“ Ok, solche Hinweise habe ich in Deutschland auch noch nicht gesehen, aber dennoch sind Warnschilder an deutschen Küsten meinem Gefühl nach verbreiteter …
Eine Insel im Wasser ohne Wasser
Fast schon ein schlechtes Gewissen bekamen wir, wenn wir in unserem kühlen tiefen Pool planschten und über den Wassermangel auf Mallorca philosophierten. Mallorca hat hinsichtlich des Grundwasserpegels verschiedene Warnstufen. Dabei geht es nicht nur um Wasserknappheit, sondern auch darum, dass das Grundwasser bei zu niedrigem Stand durch eindringendes Meereswasser verunreinigt wird. Aber eigentlich ist alles gar nicht so schlimm. Ja die Stauseen wie der Gorg Blau sind unglaublich geschrumpft und wirken im Vergleich zu ihrer eigentlichen Größe momentan nur wie Pfützen. Andererseits versickern mehr als 25 Prozent des Wassers, das durch die Leitungsrohre kommt, durch Lecks irgendwo auf dem Weg – das Wasser gelangt also wieder in den Boden. Allerdings spürt man die Qualität der Wasserleitungen in einem Ferienhaus auch am eigenen Leib. Wer den Wasserhahn aufdrehte, bekam oft mehr Luft ab als Wasser. 

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Wenn Chuck Norris mal nur Zweiter wird

Wer sein Feierabendbier mal nicht nur mit simplen Plaudereien verbringen will, sondern die Herausforderung sucht und gleichzeitig seine Lachmuskeln trainieren will, ist beim Seitenquiz genau richtig.
Das Seitenquiz in der Alten Kantine in der Kulturbrauerei klingt zunächst wie ein klassisches Kneipenquiz. Es gibt drei Runden mit Fragen, verschiedene Teams und Schnaps. Die Themen und die Moderation sind dann aber doch etwas anders. Bilderrätsel, Geschlechtskrankheiten oder bayerische Beleidigungen – hier hilft Wissen nicht immer weiter. Aber mit einem Bier für drei Euro lässt es sich wesentlich leichter um die Ecke denken. Der Eintritt kostet günstige vier Euro und mit ein wenig Glück springt eine Runde Schnaps für das Team heraus. Das hängt vom Glücksrad ab … Wer also Lust hat, sich mal klar zu machen, wie wichtig unnützes Wissen sein kann oder herausfinden will, was es mit Sharkira auf sich hat, dem kann ich das Seitenquiz nur wärmstens empfehlen. 

Dienstag, 27. September 2016

Der Meilenstein an der Leipziger Straße

An der Leipziger Straße auf dem Marion-Gräfin-Dönhoff-Platz steht ein Meilenstein und das im ganz wortwörtlichen Sinne: Der preußische Nullmeilenstein war Startpunkt der Entfernungsmessung von der Berliner Mitte bis nach Potsdam.
Der Nullmeilenstein gilt als erster Meilenstein Berlins. Aber der Obelisk, der heute auf dem Platz steht, ist nicht mehr das Original, das 1730 aufgestellt wurde. Denn der musste im 19. Jahrhundert einem Denkmal weichen. Im Zuge einer neuen Ausgestaltung des Platzes in den 70er Jahren entschlossen die Stadtherren dem Platz etwas historische Atmosphäre zu verpassen mit einer Replik dieses Meilensteins. Der Obelisk ist fast fünf Meter hoch und passt sich gut in den kleinen Platz mit den Spittelkolonnaden ein. Die Kolonnaden wiederum sind ebenfalls keine Originale mehr. Sie dienten zu ihrer Erbauungszeit als Einfassung einer Brücke und es gab zwei. Die Brücke ist weg und nur die südlichen Kolonnaden wurden rekonstruiert. 
Wie auch beim Meilenstein fielen die echten Bauwerke der wachsenden Stadt und Kriegsschäden zum Opfer, präziser gesagt einer Straßenerweiterung. Wie beim Meilenstein hatten sie neben der schmucken Optik einfach die Funktion verloren. In Berlin gibt es noch 18 Meilensteine – aber keiner steht mehr an seinem ursprünglichen Platz. Wer braucht denn heutzutage noch einen Meilenstein? Zumal in Deutschland in Kilometern gemessen wird und die frühen Meilensteine eine Meile mit mehr als sieben Kilometern maßen. Das verwirrt doch … Dennoch geben die Kolonnaden und der Meilenstein einen kleinen Einblick in die Architektur Berlins im 18. Jahrhundert. Nicht gerade schlicht, sondern barock pompös reichte nicht ein einfaches Schild, es musste schon ein Obelisk sein, Symbol für Standhaftigkeit und Tugend … 

Mittwoch, 21. September 2016

Kunst im Besselpark

Der Besselpark ist ein kleines Stückchen Grün zwischen Friedrichstraße und Besselstraße. Neben Bänken, Bäumen und ein paar Sträuchern steht hier auch eine Skulptur aus Stahl. Ein auseinandergenommener übergroßer Kompass? Ein Kunstwerk mit politischem Hintergrund? Nein, es ist ein Donut mit Kugeln …
Die Stahlkonstruktion Tilted Donut Wedge with two Balls ist ein Geschenk an die Stadt Berlin vom Künstler Fletcher Benton. Die Großskulptur wurde 2011 aufgestellt und verdeutlicht das, was den amerikanischen Neokonstruktivismus ausmacht: geometrische Grundformen in einer ausgewogenen Kombination. Zumindest erweckt diese Zusammenstellung aus Kreisen, Kugeln, Quadern und Zylindern durchaus den Eindruck von Balance und Leichtigkeit. Aber ist sie ansprechend? Das ist wohl eindeutig eine Geschmacksfrage. Was will sie uns sagen? Das weiß wohl nur der Künstler. Schade ist jedoch, dass direkt vor Ort keinerlei Informationen auf den Künstler oder über das Kunstwerk gegeben werden …

Donnerstag, 15. September 2016

Es war einmal: Ein Punker und ein preußischer Prinz

Wo Kohlfurter Straße und Admiralsstraße aufeinandertreffen, steht eine sieben Meter hohe Sanduhr aus Stein. Zwei Figuren stehen auf der Sanduhr Rücken an Rücken und schauen durch ein Fernrohr. Ein Denkmal für ein längst vergangenes Ereignis? Diesmal nicht. Das Ensemble nennt sich Doppelgängeradmiral und ist ein Kunstwerk der tschechischen Künstlerin Ludmila Seefried-Matejkova.
Manch einem Kreuzberger ist das Kunstwerk auch als Doppelter Admiral bekannt. Das erklärt sich durch die beiden Figuren auf der Sanduhr, die eigentlich eine Person sind: Prinz Heinrich Wilhelm Adalbert von Preußen. Als Admiral der Marine und Neffe des preußischen Königs sind die Admirals- und die Adalbertstraße nach ihm benannt. Während auf der Sanduhr die preußische Vergangenheit Berlins steht und in die Ferne schaut, sitzt unten die Gegenwart. Zumindest die von 1985, als das Kunstwerk aus Naturstein, Bronze und Eisen entstand. 
Am Fuß der Uhr sitzen zwei Figuren. Ein Punk und eine Mundharmonika spielende Figur. Ein Kunstwerk über den zeitlichen Wandel also, an dem aber das Verrinnen der Zeit auch nicht spurlos vorbeigegangen ist. Angeblich drehen sich die Admirale alle fünfzehn Minuten und sind mit ihren Fernrohren auf der Suche nach der früheren Admiralsstraße, die in den 70er Jahren verlagert wurde. Wer also mal in der Nähe ist, kann das ja überprüfen.