Dienstag, 27. September 2016

Der Meilenstein an der Leipziger Straße

An der Leipziger Straße auf dem Marion-Gräfin-Dönhoff-Platz steht ein Meilenstein und das im ganz wortwörtlichen Sinne: Der preußische Nullmeilenstein war Startpunkt der Entfernungsmessung von der Berliner Mitte bis nach Potsdam.
Der Nullmeilenstein gilt als erster Meilenstein Berlins. Aber der Obelisk, der heute auf dem Platz steht, ist nicht mehr das Original, das 1730 aufgestellt wurde. Denn der musste im 19. Jahrhundert einem Denkmal weichen. Im Zuge einer neuen Ausgestaltung des Platzes in den 70er Jahren entschlossen die Stadtherren dem Platz etwas historische Atmosphäre zu verpassen mit einer Replik dieses Meilensteins. Der Obelisk ist fast fünf Meter hoch und passt sich gut in den kleinen Platz mit den Spittelkolonnaden ein. Die Kolonnaden wiederum sind ebenfalls keine Originale mehr. Sie dienten zu ihrer Erbauungszeit als Einfassung einer Brücke und es gab zwei. Die Brücke ist weg und nur die südlichen Kolonnaden wurden rekonstruiert. 
Wie auch beim Meilenstein fielen die echten Bauwerke der wachsenden Stadt und Kriegsschäden zum Opfer, präziser gesagt einer Straßenerweiterung. Wie beim Meilenstein hatten sie neben der schmucken Optik einfach die Funktion verloren. In Berlin gibt es noch 18 Meilensteine – aber keiner steht mehr an seinem ursprünglichen Platz. Wer braucht denn heutzutage noch einen Meilenstein? Zumal in Deutschland in Kilometern gemessen wird und die frühen Meilensteine eine Meile mit mehr als sieben Kilometern maßen. Das verwirrt doch … Dennoch geben die Kolonnaden und der Meilenstein einen kleinen Einblick in die Architektur Berlins im 18. Jahrhundert. Nicht gerade schlicht, sondern barock pompös reichte nicht ein einfaches Schild, es musste schon ein Obelisk sein, Symbol für Standhaftigkeit und Tugend … 

Mittwoch, 21. September 2016

Kunst im Besselpark

Der Besselpark ist ein kleines Stückchen Grün zwischen Friedrichstraße und Besselstraße. Neben Bänken, Bäumen und ein paar Sträuchern steht hier auch eine Skulptur aus Stahl. Ein auseinandergenommener übergroßer Kompass? Ein Kunstwerk mit politischem Hintergrund? Nein, es ist ein Donut mit Kugeln …
Die Stahlkonstruktion Tilted Donut Wedge with two Balls ist ein Geschenk an die Stadt Berlin vom Künstler Fletcher Benton. Die Großskulptur wurde 2011 aufgestellt und verdeutlicht das, was den amerikanischen Neokonstruktivismus ausmacht: geometrische Grundformen in einer ausgewogenen Kombination. Zumindest erweckt diese Zusammenstellung aus Kreisen, Kugeln, Quadern und Zylindern durchaus den Eindruck von Balance und Leichtigkeit. Aber ist sie ansprechend? Das ist wohl eindeutig eine Geschmacksfrage. Was will sie uns sagen? Das weiß wohl nur der Künstler. Schade ist jedoch, dass direkt vor Ort keinerlei Informationen auf den Künstler oder über das Kunstwerk gegeben werden …

Donnerstag, 15. September 2016

Es war einmal: Ein Punker und ein preußischer Prinz

Wo Kohlfurter Straße und Admiralsstraße aufeinandertreffen, steht eine sieben Meter hohe Sanduhr aus Stein. Zwei Figuren stehen auf der Sanduhr Rücken an Rücken und schauen durch ein Fernrohr. Ein Denkmal für ein längst vergangenes Ereignis? Diesmal nicht. Das Ensemble nennt sich Doppelgängeradmiral und ist ein Kunstwerk der tschechischen Künstlerin Ludmila Seefried-Matejkova.
Manch einem Kreuzberger ist das Kunstwerk auch als Doppelter Admiral bekannt. Das erklärt sich durch die beiden Figuren auf der Sanduhr, die eigentlich eine Person sind: Prinz Heinrich Wilhelm Adalbert von Preußen. Als Admiral der Marine und Neffe des preußischen Königs sind die Admirals- und die Adalbertstraße nach ihm benannt. Während auf der Sanduhr die preußische Vergangenheit Berlins steht und in die Ferne schaut, sitzt unten die Gegenwart. Zumindest die von 1985, als das Kunstwerk aus Naturstein, Bronze und Eisen entstand. 
Am Fuß der Uhr sitzen zwei Figuren. Ein Punk und eine Mundharmonika spielende Figur. Ein Kunstwerk über den zeitlichen Wandel also, an dem aber das Verrinnen der Zeit auch nicht spurlos vorbeigegangen ist. Angeblich drehen sich die Admirale alle fünfzehn Minuten und sind mit ihren Fernrohren auf der Suche nach der früheren Admiralsstraße, die in den 70er Jahren verlagert wurde. Wer also mal in der Nähe ist, kann das ja überprüfen.

Dienstag, 13. September 2016

Die älteste Eisdiele Berlins

Die Wetterfrösche munkeln ja, dass diese Woche vielleicht die letzte warme Woche wird. Also die perfekte Gelegenheit um mal eine neue Eisdiele auszuprobieren.
Die älteste Eisdiele Berlins liegt in Wilmersdorf in der Blissestraße. Auf dem ersten Blick gibt es in der Umgebung des Eiscafé Monheims leider nichts Spannendes. In der Nähe liegt der Volkspark Wilmersdorf, aber ansonsten ist die Blissestraße eine nicht wirklich beeindruckende und sehenswerte Straße. Nicht mal ihre Geschichte ist sonderlich spektakulär: Der Name Blisse geht auf einen cleveren Grundbesitzer zurück, der mit dem Verkauf seiner Felder wartete, bis er damit richtig Geld machen konnte, weil im wachsenden Berlin mehr Bauland gebraucht wurde. Im 19. Jahrhundert lagen hier also Felder. Heute sind es Wohnhäuser und Geschäfte. Das Eis muss also die etwas triste Umgebung ausbügeln. Seit 1928 gibt es hier Eis und das Café ist nach der Gründerin Erna Monheim benannt. Und ist es die Anfahrt wert? Nun, die Preise für eine Kugel sind mit 1,10 Euro durchaus moderat. Die Auswahl reicht von klassischen Sorten, Fruchteis bis hin zu ausgefalleneren Kreationen wie gebrannte Mandel oder Zimt. Alles selbst hergestellt. Mich haben Rumtraube und Pina Colada begeistert. Wem es mehr nach Vanille und Erdbeere gelüstet, braucht dafür nicht den Weg anzutreten. Aber für alle anderen Experimentierfreudigeren lohnt sich der Besuch.

Donnerstag, 8. September 2016

Denkmal für Lebensretter in Kreuzberg

Letztens war ich auf dem Mariannenplatz. Üblicherweise bin ich hier nur zum Myfest, aber diesmal war der Platz frei von Buden und Menschen und mir ist zum ersten Mal der Brunnen aufgefallen.
Der Feuerwehrbrunnen ergänzt das Gedenkrelief auf der gegenüberliegenden Seite zu Ehren der im Dienst gestorbenen Feuerwehrleute. Im Gegensatz zum schlichten Relief widmet sich der Brunnen der Feuerwehr eher auf humoristische Weise. Der Künstler Kurt Mühlenhaupt hat die Skulpturen auf dem Brunnen entworfen und wollte mit diesen auch Kinder ansprechen. Auf dem Brunnen befinden sich drei Feuerwehrleute von denen zwei mit Schläuchen dastehen, während der andere als Kommandeur Anweisungen gibt. Die entspannte Darstellung lässt sich auch an den übergroßen Nasen erkennen, die der Künstler damit begründet hat, dass Feuerwehrleute gewissermaßen den Rauch vor allen anderen riechen müssen. 
Wer sich auf den Brunnenrand setzt und auf die andere Seite schaut, sieht dann auch das fast zwei Meter hohe Gedenkrelief aus Granit. In das Relief sind geschwungene Linien eingearbeitet, die Flammen darstellen. Vor dem Relief gibt es eine im Boden eingelassene Platte, die auf das Gedenken an die im Dienst gestorbenen Feuerwehrleute Berlins hinweist. Da Berlin die älteste Berufsfeuerwehr Deutschlands hat, waren diese beiden Bauten nicht die ersten Denkmäler. Ursprünglich entstand schon 1902 ein Denkmal mit Brunnen für die Feuerwehr. Pompös und monumental mit einem Sarkophag, Säulen und aus Marmor. Es wurde allerdings im Zweiten Weltkrieg beschädigt und in den 50ern abgerissen. Für mich scheint das kein großer Verlust zu sein, denn der heutige Springbrunnen und das elegante, bescheidene Gedenkrelief übernehmen die Funktion des Erinnerns an die Leistungen und Opfer der Feuerwehr auch so ganz gut.