Mittwoch, 27. Juli 2016

Ein wenig Käse zum Wein im Gugelhof

Französische Küche ist ja bekanntermaßen etwas speziell – aber im Gugelhof gibt es keine Froschschenkel und glücklicherweise auch keine Stopfleber. Aber die Klassiker Schnecken, Muscheln oder Coq au Vin werden angeboten. Im Zentrum steht elsäßisch-deutsche Küche und die Lage direkt am Kollwitzplatz macht den Besuch zu einem entspannten Abend in perfekter Umgebung um das Treiben im Prenzlauer Berg zu beobachten.
Vor gefühlten hundert und echten sechzehn Jahren hat sogar der amerikanische Präsident im Gugelhof diniert. Kein Wunder also, dass das Restaurant in fast jedem amerikanischen Berlinguide steht und an einem Samstagabend gut besucht ist. Wir waren natürlich so clever, zu reservieren und das ist für mehr als zwei Personen am Wochenende auch zu empfehlen. Die Kellner waren am Anfang beeindruckend freundlich und schnell – die Schnelligkeit ließ dann mit steigenden Gästen nach … Die Speisekarte ist übersichtlich und bietet Spezialitäten aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland, die mit Saisongerichten ergänzt werden. Die Preise sind angemessen, aber nicht günstig. Für Vegetarier gibt es ein Menü, aber ich habe mich an den Flammkuchen gehalten. 

Interessant … Vier Käsevariationen, da kann man ja eigentlich nichts falsch machen, aber Chutney ist anscheinend nichts, was meinen Gaumen erfreut. Neben feineren Hauptgerichten wie Lamm oder in Wein ertränkte Fische gibt es auch Klassiker wie das Wiener Schnitzel für 20 Euro. Für Fleisch- und Fischgerichte sollte man dann schon mal etwas mehr Geld einplanen, bekommt dafür aber auch Hauptgerichte, die satt machen. Ein Besuch lohnt sich vor allem für die, die mal etwas anderes essen wollen, einen guten Wein schätzen oder Flammkuchen mögen. Alle anderen finden sicherlich auch was, können einen Hugo schlürfen, eine klassische Crème brulée genießen und gerade bei gutem Wetter draußen sitzen und den Trubel verfolgen.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Hm, lecker - Hipsterburger im Lily Burger

Was gibt es Besseres als ein guter Burgerladen direkt um die Ecke?! Direkt gegenüber vom Volkspark Friedrichshain und dem Eingang zum Märchenbrunnen hat Lily Burger sein neues Restaurant eröffnet.
Die offizielle Bezeichnung ist Club-Restaurant. Dementsprechend ist auch die Einrichtung. Etwas lautere Musik, Neonlicht und eine bunte gemischte Einrichtung, die sich bestenfalls als postmoderner Stilmix bezeichnen lässt, erwarten den hungrigen und viele Besucher. Bei einem Spontanbesuch braucht man schon etwas Glück, um einen Tisch zu bekommen. Aber eines vorab: Wer großen Hunger hat, sollte sich vielleicht woanders einen Happen suchen, denn momentan braucht man hier Geduld. Eine Stunde Wartezeit auf die frisch gemachten Burger wurde uns bei unserem Besuch angekündigt und leider auch eingehalten. Auch die Bestellannahme und Getränke erfordern Geduld. Wer also mit Durst zu kämpfen hat, sollte gleich mal zwei Getränke bestellen, um nicht plötzlich auf dem Trockenen zu sitzen. Meine Hoffnung ist noch, dass sich das mit der Zeit und mehr Personal ändert … Das momentane Personal versprüht Berliner Charme und gibt sich wirklich Mühe. 
Aber das Wichtigste ist ja sowieso das Essen. Die Karte bietet einiges und was mich besonders begeistert: jeweils Extraseiten für Vegetarier und Veganer. Die Fleischklopsfreunde bekommen regionales Black Angus Beef. Aber es gibt das Fleisch nicht nur als Burger, sondern auch als Steak. Allerdings gibt es auch nur Rind, wer hier auf Chickennuggets hofft, muss woanders suchen. Die Kritik meiner Fleisch essenden Begleiter zu den Burgern war nicht so positiv: zu roh, zu fettig und wie wäre es mit mehr Salz? Also, dass mein vegetarischer Burger fade war, kann ich nicht sagen. Superlecker und davon gibt es so viele Variationen, dass ich unbedingt die Speisekarte durchprobieren muss. Worin sich aber alle einig waren, war die Begeisterung über die Beilagen: riesige Zwiebelringe, leckere Süßkartoffelpommes mit Knoblauch-Parmesan oder Mozzarellasticks. Die Preise sind nicht günstig, aber die großen Portionen gleichen es aus. Einen normalen Burger gibt es ab 10 Euro, die Beilagen ab 5. Also wer sich durch die langen Wartezeit und die Preisen von einem Besuch nicht abschrecken lässt, einfach Bescheid sagen – ich bin dabei …

Dienstag, 19. Juli 2016

Biotop am Thälmann-Denkmal

Wenn man an der Greifswalder Straße am Ernst-Thälmann-Denkmal vorbeikommt, sieht alles etwas verkommen und ungepflegt aus, aber gleich neben dem Riesenklotz zu Ehren des KPD-Vorsitzenden liegt ein kleines Juwel für Amphibien.
Das Ernst-Thälmann-Denkmal ist wohl das markanteste Symbol für den Ernst-Thälmann-Park. Der Park wurde 2014 als Ganzes unter Denkmalschutz gestellt. Denn das gesamte Areal, das sich von der Greifswalder Straße bis zur Prenzlauer Allee zieht, verdeutlicht, was in der DDR unter einer sozialistischen Mustersiedlung verstanden wurde: eine Kombination aus Wohn- und Erholungsgebiet. Die riesige Bronzeskulptur Thälmanns hat inzwischen, 30 Jahre nach ihrem Aufbau reichlich an Glanz eingebüßt. Nach der Wende stand zur Diskussion, sie abzureißen, letztendlich wurden jedoch nur Schrifttafeln mit Parteipropaganda entfernt. Zumal Ernst Thälmann in der DDR zwar glorifiziert wurde, aber mit den ideologischen Wucherungen des SED-Regimes nichts am Hut hatte, da er 1944 im KZ Buchenwald ermordet wurde. Das bewahrt die 14 Meter hohe Skulptur dennoch nicht davor, trotz regelmäßiger Reinigung immer voller Graffitis zu sein. Wer sich von der Figur aus nach rechts wendet, findet dann eine kleine Oase im sonst so ungepflegt wirkenden Park: den Kiezteich. Er wird von Anwohnern gepflegt, denn der Bezirk hat es zwar geschafft, Geld für eine unnütze Brücke auszugeben, kann aber leider keine regelmäßigen Gelder für das Wasser des Teiches aufbringen. Da das Grundwasser in dem Areal nicht ganz sauber sein soll, wird der Teich von einer Anwohnerinitiative mit neuem Wasser versorgt. Die Pflege und der Einsatz zeigen Wirkung. Denn die kleine Wasseransammlung hat sich zu einem Amphibienschutzgebiet entwickelt, mit Schildkröten, verschiedenen Eidechsen und dem parkeigenen Reiher. Wer mal in der Nähe ist oder Interesse für allerlei Wassergetier hat, kann sich auf den Bänken niederlassen und das Gewusel am Teich beobachten. 

Mittwoch, 13. Juli 2016

Woher der Senefelder Platz seinen Namen hat

Der Senefelder Platz ist ein guter Startpunkt für die Suche nach einem Restaurant oder einer Bar. Aber davon abgesehen gibt es direkt neben dem U-Bahn-Ausgang umrahmt von wuchernden Sträuchern und Unkraut ein Denkmal des Namensgebers für diesen Platz.
Zu einer Zeit, an die sich kein Lebender erinnern kann, hieß der Platz eigentlich Thusneldaplatz. Ein recht wohlklingender Name, der auf die Gemahlin des berühmten Arminius zurückging, der die Römer in der Varusschlacht besiegte. 1892 veranlassten Buchdrucker an diesem Ort den Bau eines Denkmals zu Ehren des Erfinders der Lithografie und letztendlich wurde der Platz dann 1896 in den Senefelder Platz umbenannt. Alois Senefelder entwickelte die Lithografie. Dieses Verfahren gehörte zu den wichtigsten des 19. Jahrhunderts um Farbiges zu drucken. Das Denkmal, das der Bildhauer Rudolf Pohle schuf, gehörte in Berlin zu den ersten, die einen Handwerker ehrten. Die Marmorfigur als gepflegt zu bezeichnen, wäre übertrieben. Vor dem auf einem Podest sitzenden Alois Senefelder sitzen zwei Putten, die Senefelders Lithografie verdeutlichen, in dem der eine Junge den Namen Senefelders in Spiegelschrift auf das Podest schreibt, während der andere diesen mit einem Spiegel entziffert. Beide Putten sind nicht mehr im Originalzustand erhalten. Dem einen Jungen fehlt ein Fuß, dem anderen der gesamten Oberkörper. Allerdings hat sich ein engagierter und talentloser Sprayer die Mühe gemacht, den fehlenden Teil der Putte nachzuzeichnen. So wichtig ist dann dieses Denkmal wohl nicht mehr, dass es auf den Sanierungslisten des Denkmalamtes steht. Aber zumindest erhalten aufmerksame Besucher durch die Marmorfigur einen Hinweis darauf, woher der Name des Platzes kommt und werden durch den Namen in Spiegelschrift dazu angeregt, darüber nachzudenken, ob das ein Fehler des Künstlers war oder etwas zu bedeuten hat.  

Mittwoch, 6. Juli 2016

Die deutsche Teilung in der Bernauer Straße - Gedenken ohne viel Chichi

Die Bernauer Straße gehört jetzt nicht unbedingt zu den Top-Straßen Berlins. Dabei befindet sich hier der zentrale Erinnerungsort an die deutsche Teilung. Die Gedenkstätte verdeutlicht auf knapp 1,5 Kilometern wie sich die Mauer quer ohne Rücksicht auf die Anwohner durch die Stadt zog.
Eine Open-Air-Ausstellung und dann noch kostenfrei – da bin ich dabei. Schon von Weitem sind die roten Stangen zu sehen, die den Verlauf der Mauer nachzeichnen. Wer einen schiefen Blickwinkel hat, denkt, dass die Stangen wie ein Zaun undurchdringlich sind, doch beim Näherkommen zeigt sich, dass sie so auseinander stehen, dass man an einzelnen Stellen durchlaufen kann. Die Gedenkstätte widmet sich dem Aufbau der Grenzanlagen, dem Alltag an der Mauer und den Opfern. 
Entgegen der bunten und durchgestylten East Side Gallery ist es hier viel leichter, einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich die Mauer wie eine Schneise durch die Stadt zog. Etwa 200 Meter der Mauer sind noch erhalten und verschiedene sogenannte archäologische Fenster geben einen Eindruck davon, wie die Grenzanlagen aufgebaut waren. Wer zusätzliche Informationen möchte, bekommt sie entweder im Besucherzentrum, im Dokumentationszentrum oder an den vielen Informationssäulen, die über die Gedenkstätte verteilt sind.
Schlicht aber dadurch beeindruckend ist das Fenster des Gedenkens. Es erinnert an die Mauertoten. Diese Wand enthält 138 Nischen für die Opfer, darunter auch 8 Grenzsoldaten. Viele enthalten Fotos. Aber es gibt auch weitere Nischen, die daran erinnern, dass vielleicht noch Opfer hinzukommen, da dieser Teil der Geschichte noch nicht vollständig aufgearbeitet ist. Umgeben von einem Kornfeld und allerlei Kunst zum Thema Einheit und Gedenken steht die Kapelle der Versöhnung, in der regelmäßig an die Opfer gedacht wird. 
Wer dem Weg weiter folgt, kommt dann in einen Bereich, wo vor allem der Alltag mit der Mauer im Zentrum steht. Die Häuser im Ostbereich zeigen Fotos aus verschiedenen Phasen des Mauerbaus, wie zum Beispiel das, des über den Stacheldraht springenden Grenzsoldaten. Auf dem Boden lassen sich Markierungen entdecken, die die verschiedenen Fluchttunnel zeigen. Wer mal in der Nähe des Nordbahnhofs ist, etwas Zeit und Interesse hat, bekommt mit diesem kleinen Spaziergang einen gut aufgearbeiteten Eindruck ohne viel Pomp und Klischee.