Mittwoch, 30. August 2017

Im Traditionsbus durch Charlottenburg

Die Lange Nacht der Museen ist in Berlin vor allem für diejenigen spannend, die keine Angst vor Menschenmassen haben. Dieses Jahr gab es allerdings einen besonderen Programmpunkt, der mich auch nächstes Jahr wieder dazu verleiten könnte, an der Massenwanderung teilzunehmen: die Kieztouren mit Oldtimer-Bussen.
Diese Kieztouren wurden dieses Jahr zum ersten Mal angeboten und dementsprechend war auch der Andrang. Einerseits war es gut, dass die Karten für die Touren nicht im Voraus abgeholt werden konnten. So hatte jeder Interessierte eine Chance auf einen Platz. Andererseits war es auch ein beeindruckendes Schauspiel, welche Drängeleien und Unhöflichkeiten sich auf dem Kulturforum abspielten, als die Platzkarten vergeben wurden. Letztendlich bekamen wir trotz zivilisiertem Verhalten und ohne Beleidigungen Platzkarten für die Kieztour durch Charlottenburg. Und die hat sich gelohnt. Mit einem Oldtimer und einem Guide ging es durch Charlottenburg und Wilmersdorf, Stadteile, die mir fast fremd sind. Wir erfuhren, dass der Fehrbelliner Platz und die Bismarckstraße Beispiele für die Überreste der NS-Architektur in Berlin sind oder dass die Goldelse vermutlich Schuhgröße 96 hat. Mit dem Traditionsbus durch die Straßen zu wanken, verpasste der Tour dann noch einen besonderen Charme.

Zwischenstopp war in der Villa Oppenheim, die sich der Charlottenburger Stadtgeschichte widmet. Hierher verirren sich wahrscheinlich nur Charlottenburger. Dabei ist der Eintritt frei, die Ausstellung zwar klein, aber motiviert zusammengestellt. Die Ausstellung gibt einen Überblick der Entwicklung von Charlottenburg mit Karten und Grafiken. Tatsächlich war der Stadtteil, wie so viele andere, lange Zeit eine selbstständige Ortschaft, die sich in ständiger Konkurrenz zu Berlin befand. Im oberen Stock gibt es eine kleine Kunstausstellung mit Objekten der ehemaligen Bewohner, die die Villa als Sommerresidenz nutzten. Zum Bildungsprogramm des Museums gehören regelmäßige Führungen auch im Kiez. Wer nichts vom Laufen hält, kriegt im Medienraum mit verschiedenen Videos auch eine Übersicht über die Geschichte von Charlottenburg. Anschließend kann man sich dann draußen im Café was zu trinken gönnen und das denkmalgeschützte Gebäude in Ruhe wirken lassen. Gleich nebenan ist der Schustehruspark und so lässt sich der Museumsbesuch gleich mit einem Spaziergang kombinieren.

Donnerstag, 17. August 2017

Ein Gartendenkmal in Neukölln

Jeder Berliner Bezirk hat sein eigenes grünes Highlight und der Körnerpark zählt für mich zu den schöneren grünen Oasen in Neukölln, wobei ich mich gerne eines Besseren belehren lasse. Der sehr kleine Park ist über hundert Jahre alt und dient vor allem den Nachbarn als Ruheort, wenn nicht gerade der Rasen von G-20-Gegnern verätzt wird.
Ein Ausflug in den Körnerpark lohnt sich wohl am meisten für Anwohner, Gartenfreunde und Hobbyfotografen, denn eine Runde durch den Park dauert selbst bei gemächlichstem Tempo nur zehn Minuten. Besondere Hingucker gibt es nicht zu entdecken, es sei denn, man begeistert sich für Skulpturen und Stauden, wobei aber die Anlage durch ihre Symmetrie und Gepflegtheit schon meine Sympathien gewonnen hat. Der Park liegt in einer ehemaligen Kiesgrube. Von der ist nichts mehr zu erkennen außer, dass die Anlage tiefer als die umliegenden Straßen und umgeben von Mauern ist. Dementsprechend geht es über breite Treppen in den Park hinab, von denen es einen Rundumblick gibt. Die ganze Anlage mutet eher wie ein Schlosspark an, nur eben ohne Schloss. Auf der einen Seite gibt es ein Café, von dem sich ein guter Ausblick auf die andere Seite des Parks mit den Wasserkaskaden bietet. Gleich neben dem Café werkeln bei gutem Wetter Künstler an ihren Statuen. Bei einem Käffchen lässt sich so gut beobachten, was für harte Arbeit es ist, aus einem Stück Stein eine Figur zu machen. Reichlich Figuren stehen dann auch im Park selbst. Der ist relativ ruhig und nicht überlaufen. Liegt vielleicht auch daran, dass Ballspielen und Grillen verboten sind. Das Liegen auf dem Rasen gehört zu den weiteren Verboten, woran sich aber die wenigen Besucher nicht halten. Abgesehen vom Mittelteil des Parks gibt es zwei durch kleine Alleen abgetrennte Grünbereiche, der eine dunkel und düster, der andere hell und voller Blumen. Wer denn genau den Park entworfen hat, ist nicht ganz sicher. Wahrscheinlich geht der Entwurf auf Hans-Richard Küllenberg zurück. Sicher ist aber, dass der Park seit 1916 existiert, im neobarocken Stil angelegt und für einen Berliner Park überraschend gepflegt und ruhig ist.