Mittwoch, 31. Mai 2017

Tschechisches Bier und Knödel in der Prager Hopfenstube

Zu DDR-Zeiten galt die Karl-Marx-Allee in Friedrichshain als Prachtstraße. Heute ist sie nicht mehr ganz so beeindruckend im Vergleich zu anderen Berliner Straßen, aber für Architekturbegeisterte immer noch einen Besuch wert. Abgesehen von der jährlich stattfindenden Biermeile und dem Computermuseum gibt es hier aber auch die Prager Hopfenstube, in der sich nicht nur ein kühles tschechisches Bier trinken, sondern auch lecker essen lässt.
Das Restaurant kommt ohne viel Chichi aus und wer gehobene Küche erwartet ist hier falsch. Die Einrichtung ist rustikal und das Essen deftig. Die Ausrichtung der Speisekarte ist böhmisch: Knödel, Braten und Gulasch erwarten den Fleischesser. Vegetarier können sich an Salat oder Käse halten. Der frittierte oder gebratene Käse mit Remoulade ist ein typisches tschechisches Gericht und magenfüllend lecker. Die Portionen sind für die fairen Preise um die zehn bis fünfzehn Euro angemessen groß. Wer nach der Hauptspeise und möglichen Bieren noch Platz im Magen hat, sollte unbedingt einen Nachtisch probieren. Der Klassiker ist Palatschinken, also einfach eine tschechische dünnere Variante des Eierkuchens. Wie auch immer der Zimt in die tschechische Küche gelangte, er ist fast überall zu finden und schmeckt nicht nur nach Weihnachten. Wer also offen für was Neues ist, probiert am besten den Topfen mit Zimt und Beeren, schmeckt frisch und gar nicht weihnachtlich. Im Sommer gibt es draußen genügend Tische und man kann hier auch gut bei moderaten Preisen ein Feierabendbier trinken oder nach dem deftigen Essen einen Becherovka. Der schmeckt auch nach Zimt und hilft angeblich bei der Verdauung …

Mittwoch, 24. Mai 2017

Jetzt aber noch schnell ins The Haus

Zehn Minuten Fußweg vom Bahnhof Zoo entfernt liegt die momentan spannendste Berliner Kunstausstellung: The Haus. Während die Werke Monets, Picassos und Warhols in Museen und Hinterzimmern der Nachwelt erhalten bleiben, gibt es hier auf fünf Stockwerken Urban Art zu entdecken. Aber nur bis zum 31. Mai, denn dann wird das Gebäude abgerissen.
Wer sich nur ansatzweise für Street Art begeistern kann, sollte sich aufraffen und sich an die lange Schlange anstellen, die sich alltäglich vor dem Gebäude in der Nürnbergerstraße bildet. Tatsächlich liegen die Spitzenwartezeiten bei vier Stunden. Aber wer früh kommt, hat die Chance beim ersten Rutsch reinzukommen. Die Ausstellung öffnet um 10 Uhr. In das Gebäude dürfen nur 199 Personen gleichzeitig. So erklären sich die langen Schlangen. Dazwischen kommen dann auch Gruppen, die Touren gebucht haben. Diese Touren werden von den Künstlern selbst durchgeführt und kosten 10 Euro. Wer jetzt noch einen freien Platz in so einer Tour findet, sollte zugreifen. Denn zum einen sind manche Kunstwerke doch recht speziell und zum anderen brauchen die Tour-Teilnehmer nicht zu warten. Wir haben uns fürs Warten entschieden. Selbst um halb neun sind schon die ersten Wartenden da, aber erst mal drin, hat sich die Wartezeit wirklich gelohnt. Jeder Zentimeter des Hauses ist bemalt, beklebt oder besprayt. Die Flure und Toiletten sind ebenso Kunstwerke wie die einzelnen Zimmer. Mehr als 100 Räume gibt es zu entdecken, mehr als 100 Künstler aus 20 Nationen haben sich dort ohne Gage ausgelassen. Leider sind Fotos nicht erlaubt, um für eine bewusstere Wahrnehmung zu sorgen. Es gab so viel, was mich begeistert hat: der geklebte Fuchs im Flur zum fünften Stock, die detailreichen Zeichnungen der Künstlerin Masha im dritten Stock. Stundenlang muss sie daran gearbeitet haben und mit jeder Drehung lassen sich neue Details entdecken. Wer entdeckt die Katze und wer findet den Igel? Im zweiten Stock führt ein Kampf durch schwarze Fetzen in völliger Dunkelheit in eine Art Schwarzlichtwald voller bunter Fabelwesen. Ein paar Zimmer weiter hat Kaleido aus Baumwollfäden Bilder geschaffen und im fünften Stock könnte man stundenlang die Notes of Berlin lesen. Über die Stockwerke verteilt gibt es unterschiedlichste Stilrichtungen zu entdecken. Nur in den wenigsten Räumen gibt es Erklärungen und manches macht ratlos. Aber auf jedem Flur gibt es Künstler, die bereit sind, Fragen zu beantworten. Das Ganze ist kostenfrei, aber wer dieses Projekt und die Künstler unterstützen möchte, kann beim Verlassen eine Spende hinterlassen.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Ein Kriegshelm im Gebüsch

An der Otto-Braun-Straße Ecke Prenzlauer Berg und Friedrichshain liegt eine kleine Grünanlage. Zwei Bänke, eine kleine Grünfläche und Sträucher und Büsche bilden eine Art Vorhof für die Bartholomäuskirche. Zwischen dem Grün steht ein Denkmal, das von einem antik anmutenden Helm abgeschlossen wird und an Alexander von Blomberg erinnert.
Die Inschrift offenbart, dass Alexander von Blomberg in der Nähe dieses Ortes, am Königstor, als erstes Opfer der deutschen Freiheitskämpfe im Februar 1813 fiel. Freiheitskämpfe – das ist für mich ein dunkles Kapitel aus dem Geschichtsunterricht. Und warum sollte eine einzelne Person so geehrt werden? Die Phase der Freiheitskämpfe oder auch die Befreiungskriege bezeichnet das Beenden der napoleonischen und französischen Herrschaft in Europa. Vielmehr als die einzelne Person wird mit dem Denkmal eher an die Einsatzbereitschaft von Soldaten gedacht. Schon kurz nach dem Tod des Freiherrn von Blomberg erinnerten Freunde an seinen Tod. Der war recht unglücklich: In der Hoffnung Berlin in einem kurzen Kampf von den französischen Besetzern zu befreien, wurden er und weitere Kämpfer einfach niedergeschossen. Seine Begleiter jedoch waren Russen, da er sich einer Einheit Kosaken angeschlossen hatte. Daher gilt er als das erste Opfer der „deutschen“ Freiheitskämpfe, obwohl auch vor ihm deutschstämmige Soldaten im Dienst der Russen im Kampf gegen die Franzosen fielen. Letztendlich sahen sich die französischen Besetzer in ihrer Position geschwächt, sodass die Truppen im März aus Berlin abzogen. Im Zuge der Heldenverehrung wurde der von Freunden gestiftete Gedenkstein 1913 durch ein Denkmal vom Bildhauer Otto Kuhlmann ersetzt. Dieses hat sich in seiner Form bis heute gehalten. Wurde im 20. Jahrhundert vor allem der Einsatzbereitschaft Alexander von Blombergs für das Vaterland gedacht, verschob sich im 21. der Schwerpunkt auf die deutsch-russische Waffenbrüderschaft. Immerhin kämpften Russen und Preußen gemeinsam gegen Napoleon. Und Alexander von Blomberg? Er war erst 25 Jahre alt, als er starb, war ein preußischer Offizier und verfasste einige patriotische Gedichte und wird wohl dank des Denkmals unvergessen bleiben, allerdings nur aufgrund der Begleitumstände seines Todes … 

Mittwoch, 10. Mai 2017

Spaziergang um den Dammsmühler Mühlenteich

Ob Mühlenbecker See oder Gorinsee - Seen und Natur gibt es rund um Schönwalde genug. Aber der Mühlenteich am Schloss Dammsmühle bietet mit dem verfallenen Herrenhaus nicht nur ein besonderes Panorama, sondern mit dem Uferweg durch das verwilderte Areal auch eine schöne Gelegenheit für den Sonntagsspaziergang.

Nur wenige Autominuten von Berlin entfernt liegt das Spinnerdorf Schönwalde. Ein kleines nettes Dörfchen, dessen Gründung auf die Ansiedlung von Spinnern, also denen, die spinnen, weben und anderweitig Textilien herstellen, zurückgeht. Versteckt in den Wäldern abseits des Dorfes steht das Schloss Dammsmühle, dessen Mühlenteich zu einer entspannten Umrundung einlädt. Die Geschichte des Schlosses ist geradezu tragisch: In regelmäßigen Abständen wechselten seit dem Bau die Besitzer. Stand auf dem Areal im 16. Jahrhundert noch eine Mühle ließ Peter Damm dort im 18. Jahrhundert ein Schloss erbauen, dessen Bezeichnung sich aus der ursprünglichen Mühle und den Namen des ersten Besitzers ableitet. Parkanlagen und Zusatzgebäude entstanden im Laufe der Zeit. Seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde es dann Sperrgebiet, verwaltet von der SS, dann von der Roten Armee und letztendlich bis in die 90er hinein vom Ministerium für Staatssicherheit. Erst mit dem Fall der Mauer stand das Gelände den Anwohnern für einen Spaziergang wieder offen. 

Aus dem Schloss wurde ein Hotel, eine Eventlocation und ein Restaurant und dann ging es bergab. Seit mehreren Jahren ist es dem Verfall preisgegeben. Die angeblich von Erich Mielke gewünschte Kegelbahn ist nur noch in Grundzügen zu erkennen, die Metallgeländer an Treppen und Balkonen sind abmontiert und das Gebäude schon seit Langem vergittert. In gewisser Weise macht das aber auch den Charme aus. Von der anderen Seite des Mühlenteiches wirkt das Gebäude mit seinem Zwiebelturm mehr wie in einem Winterschlaf als völlig verrottet. Der ursprüngliche Glanz lässt sich noch erahnen. Angeblich soll das Schloss im Laufe der nächsten Jahre als Eventlocation wiederauferstehen, denn der momentane Eigentümer warte nur noch auf Baugenehmigungen. Dafür ist die Natur fast unberührt und der kurze Weg rund um den Teich gleicht einer Entdeckungstour. Angeblich soll es hier, wie fast in jedem Örtchen Brandenburgs auch einen versteckten Nazischatz geben …