Donnerstag, 31. März 2016

Streifzug durch Bernau - Erster Stopp: Lecker essen im Hofgeflüster

Ein Katzensprung von Berlin entfernt und mit der S-Bahn erreichbar liegt Bernau. Die Stadt ist nicht unbedingt ein Touristenhotspot, hat aber mit seiner mehr als 700jährigen Geschichte einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Noch dazu gibt es im Restaurant Hofgeflüster feines Essen zu probieren.
Das Restaurant liegt direkt an der Stadtmauer in einem Gebäudekomplex, das mehr als 300 Jahre auf dem Buckel hat. Das Haus ist weitestgehend original erhalten und denkmalgerecht saniert worden. Das Ergebnis ist ein modernes Ambiente mit den Spuren der alten Gemäuer. Ich mag diese Kombination aus Stahl und Stein. Im Wintergarten hat man einen schönen Blick auf das Fachwerkhaus und den Innenhof. Aber abgesehen von der modernen und stilvollen Einrichtung ist das Essen auch sehr lecker. Nach eigenen Angaben liegt der Schwerpunkt der Küche auf regionale, traditionelle Gerichte. Nun meine Vorspeise war Aioli und mein Hauptgericht ein Veggieburger. Dass das traditionell brandenburgische Gerichte sind, ist mir neu. Allerdings habe ich auch keinen genaueren Blick auf die Fleisch- und Fischauswahl geworfen. Vielleicht zeigt sich hier eher die traditionelle Ausrichtung auf deutsche Küche. Ob das Konzept nun durchdacht ist, ist für die Qualität des Essens nicht wirklich ausschlaggebend. Denn das Essen war wirklich sehr lecker. Selbst gemachte Aioli, selbst gemachtes Brot und dann noch einen unglaublich großen sehr gut gewürzten Veggieburger – wirklich alles hat geschmeckt. Die Preise sind nicht günstig, aber für die Qualität und die Größe der Portionen durchaus angemessen. Wer Fleisch und Fisch mag, findet auf der Karte eine große Auswahl, Vegetarier und Veganer sollten aber nicht allzu wählerisch sein. Wie gut die Desserts sind, kann ich nicht beurteilen, denn alle an unserem Tisch waren so glücklich gesättigt, dass es beim Hauptgericht blieb. Der Eingang zum Restaurant liegt direkt an der Stadtmauer und sie liefert bei gutem Wetter einen optimalen Anlass für einen Verdauungsspaziergang.

Montag, 21. März 2016

Orientalischer Märchenbrunch im Madi

Das Madi, oder auch Zelt der Sinne, lädt die Besucher ein, am Rande Berlins in das Morgenland einzutauchen. Mit verschiedenen Veranstaltungen sollen die Gäste verzaubert werden. Der orientalische Märchenbrunch findet sonntags statt.
Der erste Eindruck ist gemischt. Das Innere des Zeltes ist orientalisch geschmückt und Musik verkürzt die Wartezeit. Dass die Musik eher an ein chinesisches Restaurant erinnert, mag auf meine mangelnden musischen Kenntnisse zurückzuführen sein. Aber das Warten ist doch etwas nervend, denn zunächst gilt es darauf zu warten, gegen ein kleines Entgelt seine Jacken und Mäntel abzugeben, dann bildet sich die nächste Schlange vor einer Fotostation, wo Willige mit Turban und Tüchern ausgestattet ein Erinnerungsfoto machen lassen können und letztendlich heißt es warten, bis der Platz zugewiesen wird. Leider ist das Fotografieren verboten, ob es daran liegt, dass die Gäste nicht gestört werden sollen oder die Veranstalter Geld mit ihrem eigenen Fotografen machen wollen, kann ich nicht sagen …

Dann am Platz angelangt, kann man erst richtig das Ambiente auf sich wirken lassen. Tücher, Kissen und Schnörkel, alles an der Dekoration ist durchdacht. Bei der Reservierung kann man leider nicht entscheiden, wo und an welcher Art von Tisch man sitzt. Wir landeten in der ersten Reihe. Dort stehen tiefe Bänke. Das ist nichts für Leute mit Handicap und auf Dauer irgendwann ungemütlich. Das Programm setzt sich aus einer Märchenerzählung, Bauchtänzen, einem Puppenspiel und einer Artistikeinlage zusammen. Die Bauchtänzerin ist beeindruckend, die Artistik bezaubernd und die Märchenerzählungen langatmig. Wer die orientalischen Märchen kennt, weiß, dass die Erzählungen immer etwas anders sind als klassische europäische Märchen. Aber das sie so langweilig sind, daran kann ich mich nicht erinnern. Das Ganze wird nur dadurch aufgelockert, dass ab und an die Zuschauer Rollen der Figuren übernehmen dürfen/müssen. Das Puppenspiel ist schön für Kinder anzusehen, aber auch nicht aus jeder Position heraus zu sehen.

Der Brunch ist gut. Alles was Liebhaber der orientalischen Küche mögen, wird geboten. Lecker gewürzt, eine gute Auswahl und auch mal richtig scharf. Sattessen lässt es sich auf jeden Fall. Für das Dessert sollte man übrigens nur dann Platz lassen, wenn man ein Fan von Baklava ist, mehr gibt es zum Nachtisch, der stilecht mit einer Mokkazeremonie kombiniert ist, nämlich auch nicht. Alles in allem ist der Märchenbrunch am besten für Familien mit kleinen Kindern geeignet, und auch wenn für Kinder der Preis halbiert wird, ist es immer noch ein Preis, den eine größere Familie nicht ganz so leicht stemmen kann. Für alle, die im Madi gern mal ohne Märchen vorbeischauen würden, sind eher die Abendveranstaltungen zu empfehlen.

Donnerstag, 17. März 2016

Berliner Küche in charmanter Atmosphäre

Es gibt Restaurants, die überzeugen nicht mit der Erlesenheit ihrer Speisen, sondern mit einem ganz besonderen Ambiente. Das Restaurant Mutter Hoppe gehört dazu.

Das Essensangebot ist bunt gemischt und wird als altdeutsche Küche deklariert. Liebhaber der deftigen Küche werden hier auf jeden Fall fündig: Schnitzel, Sülze und allerlei andere Arten an Fleischzubereitung lassen sich auf der Karte finden. Für Vegetarier gibt es auch eine kleine Auswahl, die über klassischen Salat hinausgeht. Der Salat ist übrigens überraschend lecker. Allerdings braucht man eigentlich keinen Salat, da die Gemüsedekoration auf den Tellern durchaus üppig ist. Dosenerbsen und Fertigcamembert machen die Gerichte nicht unbedingt zu einem kulinarischen Highlight, aber die Preise sind dafür in Ordnung. 
Was Mutter Hoppe reizvoll macht, ist die Lage direkt am Nikolaiviertel und die urige Inneneinrichtung. Denn die Tische verteilen sich auf kleine Räume wie das Hochzeitszimmer, die alle individuell dekoriert sind mit Fotos, alten Reklametafeln und allerlei Schnickschnack. Im Sommer ist die Terrasse unbedingt empfehlenswert für alle, die gern vorüberziehende Touristen beobachten.  Freitags und samstags gibt es Livemusik mit alten aber zeitlosen Schlagern. Allerdings ist eine Reservierung gerade in den Abendstunden ratsam. Wer Wert auf feine Küche liegt, wird hier etwas suchen müssen, wer aber in der Nähe ist und rustikales Essen und Ambiente mag, ist bei Mutter Hoppe richtig.

Dienstag, 15. März 2016

16 Bäume gegen Gewalt und Krieg

Der Reichstag gehört zum klassischen Programm für alle Touristen. Mich schreckt immer die unglaubliche Menschenschlange davor ab. Bestimmt ist die Kuppel sehenswert, aber Sehenswertes gibt es auch direkt auf der anderen Seite der Spree am Schiffbauerdamm mit dem Parlament der Bäume und ein wenig Politik ist auch dabei …
Das Parlament der Bäume ist eine Installation, die aus Bäumen, Gedenksteinen, Bildern und Texten besteht. Sie geht auf eine Idee von Ben Wagin zurück, der selbst ungern als Künstler bezeichnet wird, sich in Berlin aber immer wieder mit Kunstaktionen für die Umwelt und den Frieden einsetzt. Die einzelnen Stücke sind von verschiedenen Künstlern gestaltet. Das Parlament der Bäume erinnert mit Gedenksteinen, authentischen Überresten der Maueranlagen und Texten an die Toten der Berliner Mauer, und dabei nicht nur an diejenigen, die versuchten, aus der DDR zu fliehen. 258 Namen der Mauertoten erinnern an ein inhumanes System und sollen damit ein Bewusstsein für Ungerechtigkeit schaffen. Die Bäume stehen für die 16 Bundesländer, eigenhändig gepflanzt von Ministerpräsidenten und anderen Vertretern der Länder. Die ganze Anlage wirkt wie ein kleiner sorgsam gestalteter Naturgarten und lässt einem kurz innehalten. Der Eintritt ist frei und die Anlage ist von 11 bis 17 Uhr zugänglich.

Donnerstag, 10. März 2016

Gefahr aus der Luft - Die gemeine Berliner Nebelkrähe

Die Gefahren der Großstadt sind vielfältig. Und eine war mir bisher gar nicht bewusst, bis ich am Park am Deutschen Theater vorbeikam. Denn da werden Passanten von brütenden Nebelkrähen angegriffen.
Die Gefahren, die von den Berlinern Vögeln ausgehen, beschränkten sich für mich bisher immer darauf, bei großen Schwärmen aus Sorge um mögliche Ausscheidungen in Deckung zu gehen oder vorzeitig durch Gezwitscher geweckt zu werden. Aber tatsächlich gibt es Vogelarten, die sich in der Brutzeit von vorbeikommenden Menschen gestört fühlen und diese aggressiv anfliegen. Eine fast ein Kilogramm schwere Nebelkrähe kann für den einen oder anderen schon sehr unangenehm werden. Daher sind in den Gebieten Berlins, wo diese cleveren Federviecher brüten, Warnschilder verteilt. Eigentlich zeigen die vielen Vogelarten in Berlin aber, dass die Stadt neben Beton und Smog noch allerlei Rückzugsorte für Tiere zu bieten hat. An die 186 verschiedene Vogelarten gibt es in Berlin. Neben den üblichen Verdächtigen wie Spatz, Taube, Möwe und Co sind darunter auch einige seltener in der Stadt anzutreffende Exemplare wie Turmfalken oder Habichte zu entdecken. Zweimal im Jahr lädt der NABU auch Laien zur Zählung ein. Mir reichen aber die Amseln, Nachtigallen und all das Gezwitscher vom nahe gelegenen Friedhof. Da gibt es auch keine Warnschilder wegen angreifender Krähen.

Dienstag, 8. März 2016

Das würgende Pferd am Hauptbahnhof

Pferde können sich aufgrund ihrer Anatomie nur sehr schwer übergeben. Wenn sie es dann doch tun, würden sie vielleicht so aussehen, wie das Rolling Horse am Hauptbahnhof. Der Hauptbahnhof ist ein Berliner Kapitel für sich mit seinen Bauverzögerungen, Fehlkonstruktionen, abstürzenden Stahlträgern und zu kurzem Dach, aber trotz aller Kritik, finde ich das Rolling Horse durchaus sehenswert.
Die Skulptur des Bildhauers Jürgen Goertz steht auf der Terrasse am Europaplatz und ist mit einer Höhe von fast zehn Metern gut zu sehen. Aus Edelstahl, Aluminium, Kunststoff, Glas und Stein gemacht, glänzt das Pferd im Sonnenlicht und wirkt kühl-modern. Die Skulptur soll eine Brücke zwischen den Anfängen der Mobilität hin zum neuen Hauptbahnhof darstellen. In Bullaugen unter der Skulptur sind einige Stücke des früheren Lehrter Bahnhofs zu sehen. Wer das riesige Schaukelpferd, das eine Mischung aus Pferd und Rad ist, nicht mag, befindet sich in guter Gesellschaft. Denn die Kritik bezeichnet dieses Kunstwerk als provinziell, und dass das Rolling Horse einem Stück des Künstlers in Heidelberg sehr ähnelt, scheint nicht unbedingt von Kreativität zu zeugen. Aber in diesem Niemandsland rund um den Hauptbahnhof kann ein wenig öffentliche Kunst eigentlich nicht schaden.