Mittwoch, 22. Februar 2017

Tribbles in der Klosterruine

In der Klosterruine in Berlin Mitte erinnert eine Kunstinstallation an eines der beliebtesten Alienwesen aus der Serie Raumschiff Enterprise …
©Jeffrey Hübner

Wer es über den ersten Absatz geschafft hat, wird jetzt enttäuscht: Es sind gar keine echten Tribbles. Die runden Fellbälle in der Klosterruine sind Teil einer Rauminstallation, die dem alten Kloster neues Leben einhaucht. Geschaffen wurden sie von den Künstlerinnen Maria und Natalia Petschatnikov, die Kenner der Berliner Kunstszene ihrer Malereien, Plastiken und Installationen wegen schätzen. Bis zum 2. April sind die Knuddelviecher zu sehen. Allerdings auch nur aus der Ferne vom Eingangstor aus. Denn direkt vor den Creatures konnten nur Besucher der Ausstellungseröffnung stehen. Für alle anderen gilt, dass die Klosterruine bis Ende April geschlossen ist. Sich die Installation anzusehen, lohnt sich also nur für diejenigen, die gerade in der Nähe sind. Denn nach einem kurzen Blick ist auch schon die gesamte Installation erfasst. Am günstigsten ist der Besuch nach dem Einbruch der Dunkelheit. Denn zusätzlich zu den Fellbällen gibt es dann eine Ausleuchtung des Innenraums vom Künstler Martin Bretag.
©Jeffrey Hübner

Dienstag, 14. Februar 2017

Brunch im Café 100 Wasser

Als bekennender Fan der Werke des Künstlers Friedensreich Hundertwasser war es für mich nur zwangsläufig, das Café 100 Wasser in der Simon-Dach-Straße auf sein Ambiente und seine Brunchqualitäten zu testen.
Tatsächlich sind die Wände des Cafés bunt und ganz im Stile Hundertwassers mit Bildern und Mosaiken versehen. Leider endet die Hommage an den österreichischen Künstler dann schon an den Wänden, denn der Rest der Einrichtung entspricht dann dem typischen Berliner Restaurant. Haben die alle den gleichen Stuhl- und Tischlieferanten? Der Selbstdarstellung nach bietet die Karte deutsch-österreichische Spezialitäten, der Brunch hingegen spiegelt eher eine gutbürgerliche Auswahl an Frühstücks- und Mittagsgelüsten wieder. Brunch gibt es samstags und sonntags für 10,50 Euro. Das Essen ist solide und bietet eine angemessene Auswahl, um satt zu werden. Allerdings gibt es auch nichts, abgesehen von der mir bis dahin unbekannten Würzung des Bohnensalats, dass dieses Brunchangebot besonders macht. Ein Nachteil ist die Position des Buffets: Es befindet sich direkt am Eingang und gehende, kommende und essenssuchende Gäste stauen sich zwischen den beiden Buffettischen. Einige Gerichte, die nicht so eindeutig erkennbar wie Marmelade oder Rosenkohl sind, haben kleine Infokärtchen. Die sind aber nicht für jeden leicht zu lesen, denn rund um das Buffet ist es heimelig düster. Grundsätzlich lohnt sich der Besuch des Brunchs eher für Freunde des deftigen Geschmacks. Wer Lust auf Rotkohl, Klöße und falschen Hasen hat, bekommt es hier. Für mich ist das Café 100 Wasser aber eher eine gute Empfehlung für einen Kaffee oder einen Cocktail und nicht unbedingt für ein ausgiebiges Wochenendfrühstück … 

Donnerstag, 9. Februar 2017

Gedenken an eine gescheiterte Revolution an der Prenzlauer Allee

Was wäre der Prenzlauer Berg ohne die Bötzow-Brauerei? Dass dort nicht nur Bier, sondern auch Umsturzpläne gebraut wurden, daran erinnert ein Gedenkstein an der Kreuzung Prenzlauer Allee und Saarbrücker Straße.
Im Gegensatz zum alten Brauereigelände, das von Investoren neues Leben eingehaucht bekommt, ist der Gedenkstein so verwittert, dass die Inschrift nicht mehr zu erkennen ist. Lediglich die Plakette mit dem Bildnis eines Mannes ist ein Hinweis darauf, dass hier an jemanden erinnert wird. Aber es ist eben nicht Julius Bötzow, dem Begründer der Brauerei, sondern Karl Liebknecht. An eben jenen Ort, an dem der Stein steht, gründete sich 1919 der Revolutionsausschuss aus Mitgliedern der KPD und USPD. Ziel des Ausschusses war es, nach der Vertreibung der Regierung unter Ebert und Scheidemann, die Staatsgeschäfte zu übernehmen. Was als Novemberrevolution 1918 begann, endete in Berlin 1919 mit dem Januaraufstand, dessen Niederschlagung und der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, den Symbolfiguren des Spartakusaufstands. Der Gedenkstein wurde vom Bildhauer Otto Maerker gefertigt und 1959 aufgestellt. Dass die Inschrift historisch verklärend und pathetisch ist, lässt sich nicht abstreiten: „Karl Liebknecht – Kämpfer gegen Militarismus und Krieg führte von hier aus Kämpfe der revolutionären Arbeiter und Soldaten am 7. und 8. Januar 1919.“ Den Stein jedoch gänzlich verwittern zu lassen, sodass Unwissende nicht einmal erkennen, woran oder an wen er erinnert, ist dann aber doch ein wenig bedauerlich …

Dienstag, 7. Februar 2017

Amerikanisch essen ganz ohne Einreisebestimmungen

Das Sixties Diner in der Oranienburger Straße besticht nicht unbedingt mit raffinierter Kochkunst, macht aber mit seiner Inneneinrichtung einiges her.
Das Sixties Diner ist der Inbegriff der Klischeevorstellung eines amerikanischen Diners in den 60er Jahren. Tiefrote mit Lederimitat bezogene Sitze, in denen man zu versinken droht, eine Jukebox in der Ecke, Blechschilder hier und da und noch allerlei kleine Details, die einem vom eher durchschnittlichen Essen ablenken. Wie etwa das Wandgemälde von berühmten Hollywoodstars. Wer erkennt alle? Etwas überraschend war die Enge der Sitze. Sieht so bequem aus und wenn dann auf einer Bank zwei Leute sitzen, fühlt man sich plötzlich so breit, als sollte man doch auf das Essen verzichten. Die Bedienung war freundlich und die Speisekarte üppig. Es gibt Frühstück, Burger, Sandwiches, mexikanische und italienische Gerichte. Für Veganer sieht es etwas mau aus, aber alle anderen finden garantiert etwas. Die Preise entsprechen der Lage am Hackeschen Markt, nicht wirklich günstig, aber bezahlbar. Das Essen ist dann in Ordnung. Ein Diner halt … Empfehlen kann ich die Milchshakes, zumindest den Schokomilchshake, der war sehr schmackofaziös. Grundsätzlich lohnt sich der Besuch für alle, die Spaß am 60er Jahre Design haben oder gerade in der Nähe sind. 

Mittwoch, 1. Februar 2017

Glücksschalen und Kartenlegen im Magicum

Das Wichtigste zuerst: Das Magicum ist kein klassisches Museum. Hier gibt es zwar Informationstafeln und Ausstellungsstücke, aber viel mehr geht es um das Ausprobieren. Wer Horoskope und Esoterik lächerlich findet und eine Abneigung gegen Rätsel hat, wird hier keinen Spaß haben. Für alle anderen gilt: Hingehen, Wasser zum Sprudeln bringen und rausfinden, was die Tageskarte voraussagt …
Das Magicum nennt sich selbst auch Berlin Magic Museum. Aber als so richtig pädagogisch wertvoll würde ich das Museum dann nicht unbedingt bezeichnen. Für einen Eintritt von fast zehn Euro bekommen Besucher durchaus ein paar Informationen zu den verschiedenen Kulturen und Religionen auf der gesamten Welt. Auch das eine oder andere Ausstellungsstück wie Glücksbringer oder Götterfiguren veranschaulichen die verschiedenen spirituellen Ansätze. Letztendlich geht die informative Seite der Ausstellung aber nicht wirklich in die Tiefe und erinnert mehr an eine Wikipediarecherche. Wer gar keine Ahnung von Religionen, Naturreligionen oder Spiritualität hat, bekommt aber eine gute Einführung.
Das Museum liegt in der Großen Hamburger Straße in Laufnähe zum Hackeschen Markt. Die Örtlichkeit hat an sich schon ein besonderes Ambiente, weil die gesamte Ausstellung im Keller liegt. Nach einer kleinen Einführung von einem motivierten und freundlichen Mitarbeiter steigt man also hinab und kommt durch verschiedene Stationen zu den Religionen, anderen Formen von Spiritualität, Hexerei und landet abschließend im Magischen Kabinett. Mein persönliches Highlight war dann auch das Kabinett mit seinen Knobelspielen und vielfältigen Orakelvarianten. Was ist ein keltisches Baumhoroskop, was ist mein Kraft-Tier, welche numerologische Bedeutung hat mein Geburtsjahr? Im Kabinett lässt sich einiges ausprobieren und viel herumspielen. Mehr Spaß macht die Ausstellung mit dem Tourplan, der einem beim Eintritt vom Mitarbeiter gegeben wird. Der Plan stellt Fragen zu den Orakeln und Rätseln und mit etwas Geschick gibt es zum Schluss eine kleine Belohnung. Mit Magie oder Zauberei hat das Ganze meiner Vorstellung nach wenig zu tun, unterhaltsam war der Besuch dennoch. Wir haben das eine oder andere Orakel gelegt, mehrmals versucht unsere Münze in den Hexenkessel zu bekommen und mit einer Klangschale das Wasser mehr oder weniger zum Sprudeln gebracht. Je nach Freude am Ausprobieren dauert dann auch der Besuch.