Donnerstag, 28. April 2016

Ein Nilpferd in Kreuzberg

Auch wenn es momentan nicht so aussieht, der Sommer kommt und die Brunnen Berlins plätschern wieder. Am Wühlischplatz steht ein Brunnen, der mir ein kleines Lächeln auf das Gesicht gezaubert hat. Denn wer kann ein Nilpferd, aus dessen Nüstern Wasserfontänen kommen, schon ernst nehmen?
Der Nilpferdbrunnen steht an der Holteistraße. Von Weitem sind nur die Brunnenschale und das Nilpferd zu sehen. Wer dann aber direkt davor steht, entdeckt, dass sich auf dem Rücken des Tieres zwei kleine Figuren befinden. Rücken an Rücken stehen ein Mann und eine Frau, der eine mit Gewehr und die andere mit einem Fernrohr. Großwildjäger auf dem Rücken ihrer Beute, warum auch nicht? Die Figur entstand nach dem Entwurf des Bildhauers Nikolaus Bode. In den 70er Jahren aufgestellt, wurde die Figur jedoch Anfang der 90er gestohlen. Die Vermutung ist, dass es Metallsammler waren. Im Zuge der Sanierung des kleinen Wühlischparks kam aber wieder eine Nachbildung des Nilpferds auf den Brunnen. Seit 1996 steht es da jetzt weitgehend unbehelligt und wird im Winter von Fans sogar mit Schal vor der Kälte geschützt.

Dienstag, 26. April 2016

Softeis am Tourihotspot

Wer in Berlin Besuch von außerhalb hat, kommt um den Besuch der East Side Gallery fast nicht herum. Die Graffitis sind durchaus sehenswert, aber die richtige Belohnung für den kleinen Spaziergang wartet dann am Ende der Galerie in Form eines Softeises.
Fast schon an der Oberbaumbrücke steht der Softeiswagen und wirbt mit Original DDR-Eis, das mit ehemaligen DDR-Maschinen hergestellt wird. In Ostalgie kann ich mich hier gar nicht verlieren, weil meine Erinnerungen an typisches DDR-Softeis nicht mehr vorhanden sind. Allerdings gibt es einige Kritik an diesem Eiswagen, da die Arbeitskleidung mit blauen Halstüchern den ein oder anderen an Pioniere erinnert.  Mir ging es aber beim Besuch um das Eis, denn Softeis findet sich in Berlin nicht an jeder Ecke. Für 2,50 Euro bekommt man eine ordentliche Portion Schoko-Vanille-Softeis mit zwei Muschelwaffeln. Schmeckt gar nicht übel. Habe schon intensiveres Eis gegessen, aber dafür punktet die Umgebung. Vor dem Wagen stehen Liegestühle und Bierbänke, sodass sich das Eis mit Blick auf die vorüberströmenden Touristenmassen erst richtig genießen lässt.

Donnerstag, 21. April 2016

Streetart als Protestkunst

Schon mal was von AdBusting gehört? Also mir sagte das gar nichts, bis ich neulich über etwas andere Werbeplakate stolperte.
Eigentlich geht es beim AdBusting darum, Werbeplakate zu verfremden oder umzugestalten. Die Aktion, auf die ich aufmerksam wurde, hatte aber nicht eine Kritik an der Kommerzialisierung als Ziel, sondern sollte manch hirnrissiges Argument von selbsternannten Kämpfern für die deutsche Leitkultur entkräften. Die Aktionen gehen auf die Künstlergruppe Dies Irae zurück. 

Was gibt es Besseres als Humor, um Menschen zum Denken anzuregen? Die Kunstaktion gab es schon in anderen Städten und ist an sich, als illegales Plakatieren verboten.  Dementsprechend schnell waren die Plakate auch verschwunden. Für mich waren sie aber ein Grund mehr, selbst den nervigen Werbeplakaten einen Blick zu gönnen. Auf der Facebook-Seite von Dies Irae gibt es nämlich noch weitere Beispiele, die zeigen, wie AdBusting zum Denken motiviert. 

Dienstag, 19. April 2016

20 Frauengeschichten im Ephraim-Palais

Wer kennt Katharina Heinroth oder Emilie Winkelmann? Ich persönlich kannte sie nicht, aber durch die Ausstellung „Berlin Stadt der Frauen“ weiß ich jetzt etwas mehr über ihr Wirken. Die Ausstellung zeigt anhand von zwanzig Biografien geschichtliche Entwicklungen ab 1866. Dabei wird Geschichte anhand der einzelnen Lebensgeschichten erzählt.
Keine Bange, in der Ausstellung geht es nicht um eine einseitige feministische Geschichtsdeutung. Vielmehr zeigt die Ausstellung anhand der verschiedenen Biografien, wie es Frauen trotz eines engen Korsetts an gesellschaftlichen Erwartungen gelang, ihre persönlichen Träume vom Fliegen, von der Kunst oder vom Reisen zu verwirklichen. Die Ausstellung zieht sich über drei Stockwerke. Während in den ersten Stockwerken die einzelnen Biografien mit Exponaten, Videos und Texten erzählt werden, kann jeder im dritten Stock ein Feedback zur Ausstellung und zu Frauen in Berlin geben. In einem Nebenraum werden Videos zu den einzelnen Frauen abgespielt. Die Lebensgeschichten reichen dabei von der Tänzerin bis zur Naturwissenschaftlerin und wirklich jeder wird mindestens eine Frau entdecken, über deren Beruf oder Erfahrungen man gerne noch mehr lesen, hören oder sehen will. Wer außerdem wissen will, warum das Nilpferd Knautscke ein Schälmesser verschluckt hatte oder warum Käthe Kollwitzs Plakat für Heimarbeit den Unwillen von Kaiserin Viktoria auf sich zog, sollte einen Besuch in Betracht ziehen. Der Eintritt ist mit sechs Euro vollkommen in Ordnung und jeden ersten Mittwoch des Monats ist der Eintritt frei. Die Ausstellung an sich ist nicht sehr groß. Wer sich beim Betrachten und Lesen Zeit lässt, plant am besten etwa zwei Stunden ein.


Donnerstag, 14. April 2016

Burger satt im Peter Pane

Für Fans des Fleischpattis zwischen zwei Brötchenhälften ist das Peter Pane ein Abstecher wert. Mir läuft beim Gedanken an die Süßkartoffelpommes und die leckeren Soßen immer noch das Wasser im Mund zusammen.
Wer keine Lust auf das typische Ambiente der Fast-Food-Ketten hat und bei den Burgervarianten etwas mehr Auswahl will, kann ruhigen Gewissens das Peter Pane an der Friedrichstraße ausprobieren. Die Einrichtung ist warm und modern zugleich, obwohl ich zugeben muss, dass die Bänke ohne Lehnen für mich persönlich nicht zu den bequemsten gehören. Einen kleinen Abstecher ist hier sogar die Toilette wert, denn auf der läuft die Geschichte von Peter Pan. Aber zurück zum Essen. Ich war schon lange in keinem Restaurant mehr, das Fleischesser und Vegetarier gleichermaßen berücksichtigt. Die Auswahl an vegetarischen und veganen Burgern hat mich geradezu erschlagen. Die Portionen sind groß und zufriedenstellend, daher kann ich leider nicht die Desserts beurteilen, die sich sehr lecker lasen. Bei den Burgern gibt es die Auswahl an drei verschiedenen Brotsorten, was auch den Namensteil Pane erklärt. Die Fleischesser an unserem Tisch moserten ein wenig daran rum, dass sich die Garstufen beim Burgerfleisch nicht festlegen lassen. Wie wichtig diese Details sind, kann ich persönlich nicht beurteilen. Aber die Auswahl an Burgern reicht von klassisch mit Tomate und Käse bis hin zu originelleren und feineren Kombinationen wie Ziegenkäse und Feigenchutney. Die Preise sind für die Portionen moderat von 8 bis 10 Euro pro Burger. Das Restaurant ist gut besucht und wer mit Sicherheit einen Tisch will, sollte besser reservieren. Ein weiteres Manko ist die Lautstärke. Hier geht es halt nur ums leckere Essen und nicht um intensive Gespräche. Der Service ist fix und nett. Kann man also auf jeden Fall ausprobieren, wenn man mal Lust auf keinen 0815-Pappburger hat. 

Dienstag, 12. April 2016

Nackedeis an der Spree

Eine Schar Touristen steht gegenüber dem Berliner Dom und knipst friedlich vor sich hin. Erst beim Näherkommen entdecke ich, dass sich ein paar der Personen gar nicht bewegen. Direkt auf der Brüstung sitzen vier nackte Bronzefiguren.
„Drei Mädchen und ein Knabe“ heißt dieses Ensemble. Sie sitzen auf der Mauer und schauen auf die Spree und passen perfekt in die Umgebung. Nun ja, sie sind nackt, aber ansonsten fallen sie bei gutem Wetter gar nicht neben den anderen Sitzenden auf. Ursprünglich befanden sich die vier Figuren seit 1988 auf einem Brunnen vor einem Hotel und wurden vom Künstler Wilfried Fritzenreiter angefertigt. Seit 2007 sitzen sie als Postkartenmotiv an der Spreepromenade. Sie lassen die Beine baumeln und schauen auf das braune Wasser der Spree. Nur eines der Mädchen schaut in die andere Richtung. Dass die Vier eigentlich in ihrer ursprünglichen Form Rücken an Rücken saßen, fällt nicht auf. Die Figuren haben keine tiefgründige Bedeutung, sie sind aber durch ihre realistische und feine Ausarbeitung schön anzusehen und einen kleinen Abstecher wert.
   

Donnerstag, 7. April 2016

Gedenken an der Rosenstraße

Unauffällig verborgen zwischen Gebäuden liegt in der Rosenstraße am Alexanderplatz ein kleines Stückchen Grün, das auf dem ersten Blick nur wie eine kleine Grünanlage für Mittagspausen und Hundeauslauf wirkt. Wer daran vorbei läuft, kann dann aber nicht mehr die Steinfiguren übersehen, die an den Rosenstraßen-Protest erinnern.
Das Areal steht unter Denkmalschutz, denn hier befand sich bis zum Ende des Krieges die Alte Synagoge und hier fand auch der Rosenstraßenprotest statt. Teile der Fundamentmauern der Synagoge wurden freigelegt und mit Steinen ist ihr Umriss markiert. Die Steinfiguren, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen, sind ein Denkmal von Ingeborg Hunziger, das an einen der größten Proteste gegen das Vorgehen der Nationalsozialisten erinnert. In der Rosenstraße befanden sich einige Gebäude der Jüdischen Gemeinde, die dann im Februar 1943 als Sammellager für Männer und Jugendliche genutzt wurde. Grund der Inhaftierung war, dass diese Männer in Mischehen lebten oder die Jugendlichen ein jüdisches Elternteil hatten. Im Gegensatz zu so vielen Aktionen der SS und Gestapo lief diese Inhaftierung aber nicht unter stillschweigender Duldung ab, denn vor allem die weiblichen Angehörigen der Inhaftierten begannen, vor dem Gebäude zu protestieren. Bis zu 2000 Menschen sollen gegen die Inhaftierung demonstriert haben. Die Inhaftierten wurden tatsächlich nach einer Woche freigelassen und auch wenn neuere Forschungen zeigen, dass ihre Freilassung nicht auf den Protest zurückzuführen ist, mindert das nicht dessen Bedeutung. Die sechs Steinblöcke der Künstlerin stellen Szenen der Protestaktion und der Verfolgung nach. An den Eingängen der Anlage gibt es erklärende Säulen zum Denkmal und zur Synagoge.

Dienstag, 5. April 2016

Streifzug durch Bernau - die Stadtmauer

Langsam ist wieder echtes Grün in den Bäumen zu entdecken und was gibt es Einfacheres um das schöne Wetter zu genießen, als ein kleiner Spaziergang? Wer schon mal in Bernau ist, kann einen kleinen Spaziergang an der Stadtmauer machen.
Die Bernauer Stadtmauer ist etwas über einen Kilometer lang. Die ältesten Steine der Mauer sind älter als 20.000 Jahre, die Mauer an sich ist aus dem 14. Jahrhundert. Nicht die gesamte Mauer ist erhalten, aber das, was übrig ist, ist durchaus sehenswert. Vor allem das dreifache Wall- und Grabensystem ist gleichzeitig idyllisch und beeindruckend, wenn man darüber nachdenkt, welchen Zweck diese Anlage hatte. Es gab drei Tore, aber nur noch das Steintor ist erhalten. Hier befindet sich das Heimatmuseum, falls jemand Lust auf mehr Informationen zur Geschichte Bernaus hat. Gleich nebenan ist der Hungerturm, den man gegen einen kleinen Obolus besteigen kann. Am anderen Ende der Stadtmauer gibt es noch das Henkershaus zu entdecken. Hier befindet sich ein anderer Teil des Heimatmuseums, das unter anderem Einblicke in die etwas zweifelhaften Methoden der mittelalterlichen Untersuchungsmethoden gibt.  Die Seite bernau-b-berlin.de hat für die, die einen Spaziergang rund um die Stadtmauer koordiniert angehen wollen, eine Routenbeschreibung. Ansonsten lohnt es sich auch, einfach die Mauer entlang zu laufen und bei einem kleinen Spaziergang von etwa einer Stunde alles selbst zu entdecken.