Donnerstag, 14. Dezember 2017

Kunst und Kommerz zu Weihnachten

Jedes Jahr begebe ich mich auf die Suche nach dem perfekten Berliner Weihnachtsmarkt. Den gibt es natürlich gar nicht. Aber je nachdem, was man sucht, finden sich auch in Berlin schöne Weihnachtsmärkte. Ich mag Weihnachtsmärkte, die ein gewisses Ambiente vorweisen können und nicht nur aus Verkaufsständen bestehen. Der Weihnachtsmarkt rund um die St. Hedwigs-Kathedrale passt daher genau in mein Schema.
Verglichen mit dem Berliner Dom ist die Hedwigs Kathedrale „klein“. Dementsprechend ist auch der Weihnachtsmarkt übersichtlich. Er führt Besucher rund um die Kathedrale und wer nichts trinkt oder keinen Blick für Stände hat, ist in zehn Minuten über den kompletten Markt gewandert. Der Schwerpunkt der Stände liegt hier auf Kunsthandwerk und erfreut die Herzen der Dekorationswütigen. Obwohl die Hedwigs Kathedrale zentral zwischen Alexanderplatz und Gendarmenmarkt liegt, ist der Markt dennoch nicht heillos überlaufen. Nach einer nur kleinen Wartezeit hatte ich meinen heißen Apfelsaft mit Calvados und konnte weiterschlendern. Das Besondere am Weihnachtsmarkt rund um die Kathedrale ist die Kirche selbst: Sie ist angestrahlt, die Bäume sind mit Lichtketten behangen, es gibt Livemusik und selbst die Krippe fehlt nicht. In der Krippe lag dann schon das Christuskind. So was geht gar nicht, hat mir meine katholische Begleitung erklärt. Welch ein Fauxpas direkt neben der Kirche! Also doch nur Kommerz, aber innerhalb einer schönen Gegend. Wem der christliche Sinn von Weihnachten wichtig ist, kann zumindest gleich an dem täglich um 18 Uhr stattfindenden Gottesdienst in der Kathedrale teilnehmen.

Wer auf dem Weg zur Hedwigs Kirche am Schinkelplatz vorbeikommt, sieht vielleicht noch die Trash People. Sie sind eine Kunstaktion von HA Schult und mahnen uns Konsumenten an die Auswirkungen des Mülls auf die Umwelt und die Menschen. Seit 1996 ziehen 1000 menschengroße Figuren aus Müll um die Welt und waren schon in Moskau, auf der Chinesischen Mauer, vor den Pyramiden von Gizeh und in der Arktis. Eine kleinere Truppe von ihnen steht jetzt an den Baugeländern des Neubaus am Schinkelplatz. Ihr Anblick gerade im Dunkeln ist etwas einschüchternd. Vielleicht sollte ich dieses Jahr zumindest auf Geschenkpapier verzichten, um etwas weniger Müll zu produzieren …

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Mohrenstraße - Wenn ein Straßenname mehr ist, als nur eine Adresszeile

Man kann nicht gerade behaupten, dass Berlin sich nicht seiner Geschichte bewusst ist. Tatsächlich liegt der Fokus des Erinnerns aber vor allem auf dem 20. Jahrhundert. Dass bestimmte Epochen fast ausgeblendet werden, zeigt die Diskussion um die Mohrenstraße.
Die Mohrenstraße liegt nahe des Potsdamer Platzes und ist für mich persönlich nicht sonderlich auffällig. Abgesehen davon, dass sich hier im 19. Jahrhundert ein Ladenlokal der Marke Sarotti befand. Schokolade! Im 20. Jahrhundert wählte Sarotti dann den Mohren als Emblem, wahrscheinlich in Anlehnung an ebenjene Straße. So wie Sarotti wegen seines Logos in die Kritik geriet, steht auch die Mohrenstraße zur Diskussion. Kritiker verweisen darauf, dass die Bezeichnung „Mohr“ rassistisch ist und die koloniale Geschichte Deutschlands in Vergessenheit gerate. Diese ist zwar mit der Handelskolonie Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana kurz, aber dennoch nicht weniger mit Sklavenhandel und Rassismus verknüpft. Tatsächlich gibt es verschiedene Thesen zur Namensherkunft der Mohrenstraße. Die eine besagt, dass der Name von einem Gasthof stammt und eine andere beruft sich auf eine Delegation mit afrikanischen Gesandten. Eine weitere leitet den Namen daraus ab, dass in der Straße im 18. Jahrhundert, die „Mohren“ des Königs Friedrich Wilhelm untergebracht waren. Dabei waren das keine freiwilligen Arbeiter oder Angestellte, sondern vielmehr als Sklaven verschleppte Männer aus Westafrika. Letztendlich ist die Herkunft des Straßennamens nicht entscheidend, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob die Bezeichnung rassistisch ist. Das können nur Personen, die sich von solchen Begriffen direkt betroffen fühlen. Zugegebenermaßen war für mich ein Mohr immer nur ein Symbol für Schokolade. Vielleicht schadet es daher nicht, mit einem Hinweisschild gerade in der Mohrenstraße die Passanten für die koloniale Vergangenheit und die Bedeutung der Wortwahl zu sensibilisieren. Denn es gibt zwar verschiedene Initiativen, um die Straße umzubenennen, diese hatten bisher jedoch keinen Erfolg. 

Donnerstag, 23. November 2017

Wo Graffiti, Weitsicht und Kalter Krieg aufeinandertreffen: Der Teufelsberg

Verrottete Plätze und Gebäude hat Berlin reichlich zu bieten. Der Teufelsberg mit seinen verfallenen Kuppeln, einer Street Art Galerie über fünf Stockwerke hinweg und einem Rundumblick über die Stadt gehört zu den Lost Places, die Besuchern ganz offiziell offen stehen.
Der Teufelsberg ist ein Trümmerberg, der nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Rundherum erstreckt sich der Grunewald und lädt zu Spaziergängen ein. So weit, so gut. Was den Teufelsberg erst spannend macht, ist die Nutzung als Abhörstation im Kalten Krieg. Gemeinsam richteten sich US-Amerikaner und Briten auf dem Berg eine Flugüberwachungs- und Abhörstation ein. Mehr als 1000 Menschen arbeiteten in den Gebäuden, von denen heute teilweise nur noch Reste erhalten sind. Nach dem Ende der Sowjetunion und dem Abzug der Amerikaner und Briten aus Berlin wurde das Areal für die zivile Luftüberwachung genutzt. Ab dem Ende der 90er blieb das Gelände ungenutzt und verfällt. Immer wieder gibt es Pläne für Hotels oder Veranstaltungsräume, aber bisher liegt es brach und ist gegen einen Eintritt von 8 Euro zu besichtigen. Wer sich vor allem für die Geschichte oder gar Zeitzeugenberichte interessiert, sollte am besten eine Führung mitmachen.
Auf dem Gelände selbst gibt es keine Erklärtafeln oder weiteren Informationen. Der Besucher ist sich selbst überlassen und darf Entdecker spielen. Und es gibt einiges zu entdecken: Müll oder Kunst? Wer mag das bei den Ansammlungen an Skulpturen und Metallgerippen schon entscheiden … Im Hauptgebäude warten dann fünf Etagen mit Street Art darauf, entdeckt zu werden. Da das Treppenhaus zu den oberen Etagen über keine Fenster verfügt, lohnt es sich auf jeden Fall eine Taschenlampe mitzunehmen. Fast ganz oben warten dann die zwei halb verfallenen Kuppeln und eine beeindruckende Aussicht – halbwegs gutes Wetter vorausgesetzt. Der letzte Aufstieg führt dann in die oberste geschlossene Kuppel. Mal abgesehen von ihrem eigentlichen Zweck, wartet sie jetzt darauf mit Geräuschen bespielt zu werden. Selbst der schlechteste Sänger bekommt hier einen großen Auftritt. Wer sich eher von übersichtlichen Ausstellungen begeistern lässt, empfindet das Areal wohl wie eine Müllhalde. Wer es hingegen faszinierend findet, wie Natur und Künstler ein unbenutztes Gelände für sich entdecken, für den lohnt sich der Besuch.

Donnerstag, 16. November 2017

Schwarzbier und Bulette in der Gerichtslaube

Als Berliner ins Nikolaiviertel gehen? Das macht man eigentlich nur, wenn man dort wohnt, der Wintermarkt stattfindet oder Besuch von auswärts hat. Die aufgehübschte historische Mitte Berlins ist eben vor allem ein Touristenmagnet. Aber es lässt sich hier auch gut essen und trinken, wie im Restaurant „Zur Gerichtslaube“ in der Poststraße.
Im Nikolaiviertel reihen sich die Restaurants aneinander und viele spielen mit dem historischen Ambiente. So auch die Gerichtslaube. Stört mich persönlich aber nicht, solange das Essen schmeckt und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Es gibt Berliner Küche, also vor allem deftig mit Schwarte und Berliner Schwarzbier. Im Gegensatz zu manch anderem Restaurant, das sich auf die fleischlastige Berliner Küche konzentriert, bietet hier die Speisekarte auch eine gute Auswahl an vegetarischen und veganen Gerichten. Sellerieschnitzel und Gemüsebulette – wohlgemerkt und absichtlich nur mit „u“, sind nur zwei Beispiele. Keine Sorge für Allesesser, die Auswahl an Schnitzel, Wurst und Co ist groß. Ergänzt wird die normale Karte um saisonale Gerichte. Jetzt im Herbst heißt das, dass Wild und Kürbis auf den Teller kommen. Geschmeckt hat es, auch wenn einige Begleiter den fehlenden Pfiff monierten. Reichen halt nicht immer nur Salz und Pfeffer. Meine Gemüsebuletten waren auf jeden Fall sehr lecker und selbst gemacht. Die Portionen sind üppig. Und weil man auch immer für den Standort mitbezahlt, geht es bei den Hauptgerichten erst ab 10 Euro los. Das ist nicht supergünstig, aber für die Leistung angemessen. Der Service ist freundlich, das Ambiente altbacken, wie es sich für ein Restaurant gehört, das sich Altberliner Küche auf die Fahnen schreibt. Wir haben im Obergeschoss in der Ratsherrenstube gegessen. Ein schöner Kreuzgewölberaum, allerdings mit sehr niedrigen Tischen. Alle Personen ab einer Größe von 1,75 haben sich daran zu gewöhnen, dass die Beine nicht mehr unter den Tisch passen. Früher war ja alles besser und die Leute eben auch kleiner … Im Erdgeschoss ist dann die eigentliche Gerichtslaube, die sich aber nicht wesentlich von der Stube unterscheidet.


Viele wissen ja, dass im Nikolaiviertel kaum noch etwa original ist. Das trifft natürlich auch auf die Gerichtslaube zu. Die ursprünglich im 13. Jahrhundert erbaute Gerichtslaube musste im 19. Jahrhundert dem Roten Rathaus weichen. Wer eine Rekonstruktion aus den Originalteilen sehen will, muss dafür nach Potsdam fahren. Dort steht im Park Babelsberg eine Kopie. 

Donnerstag, 9. November 2017

Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen - Ein Ausflug nach Spandau

Sich über Spandau lustig machen, gehört zum guten Ton in Berlin. Ganz weit draußen liegt dieser Bezirk und zählt ja irgendwie fast gar nicht dazu. Dabei hat Spandau neben frischer Luft einiges zu bieten, wie die Zitadelle. Für die lohnt sich sogar ein Tagesausflug an den Rand der Stadt.

Die Zitadelle gilt als Wahrzeichen Spandaus und als eine der am besten erhaltenen Renaissancefestungen Europas. Und weil man so weit ab ist vom Schuss, ist auch der normale Eintrittspreis mit 4,50 Euro günstig. Unbedingt ans Herz legen würde ich den Audioguide. Der kostet noch einmal 2 Euro Eintritt extra, lohnt sich aber, weil man so einen schönen Rundgang bekommt. Zu sehen gibt es alte Gebäude und verschiedene Ausstellungen. Der Blick vom 32 Meter hohen Juliusturm zeigt zwar nicht nur die schönsten Seiten Berlins, aber ist trotzdem sehenswert.

Die Ausstellungen im Kommandantenhaus zur Geschichte der Festung und im Zeughaus zur Geschichte Spandaus kann man mitnehmen. Richtig begeistert hat mich mehr die Ausstellung „Enthüllt“ im Proviantmagazin. Sie ist eine Ansammlung von Denkmälern, die in früheren Zeiten Berlins Straßen bevölkerten. Vereinzelte interaktive Karten zeigen, wo sie standen oder wo auch heute noch Denkmäler stehen. Abgesehen von allerlei Figuren in mehr oder weniger gutem Zustand, entführt ein Raum in den Tiergarten im Jahr 1907. Mit einer riesigen Fototapete und Hintergrundgeräuschen ist die Installation nicht unbedingt sehr realistisch, aber eindeutig originell und erlebenswert. Im letzten Saal warten dann Lenins Kopf und andere Denkmalstücke aus neuerer Zeit auf Betrachter.
Eine passende Ausstellung zum Thema Berlin und seine Denkmäler gibt es auch in der Kaserne. Dort sind im zweiten Stock bis zum 19. November noch Bilder von Matthias Koeppel zu sehen. Modern, klassisch, kubistisch, von allem etwas und ganz viele Bilder haben das Thema Berlin. Wer am richtigen Tag vorbeikommt, kann sogar den Künstler beim Arbeiten zuschauen. Ein paar Meter weiter befindet sich der Fledermauskeller. Die Gewölbe der Zitadelle bieten mehr als 10.000 Fledermäusen ein Winterquartier und im Keller gibt es Informationen zu den kleinen Blutsaugern. Nicht zu vergessen einen Fledermaus-Schauraum.
Für Fans der Militärgeschichte lohnt sich ein Blick in die Exerzierhalle. Dort gibt es eine Ausstellung zu verschiedenen Waffen und Kanonen, die in Spandau hergestellt wurden. Schließlich galt Spandau seit dem 18. Jahrhundert als Waffenschmiede. Ein bisschen mulmig wird es einem in den Italienischen Höfen. Eigentlich sehen die malerisch aus und dienen heute für Events. Während der NS-Zeit war die Zitadelle aber militärisches Sperrgebiet, hier wurde unter anderem an Giftgas geforscht. Experimente an Tieren und Menschen wurden durchgeführt und auf der Bastion Brandenburg dafür Gebäude errichtet. In den Italienischen Höfen ist sogar noch ein Versuchslabor erhalten. Um mit dem Gruseligen nicht zu enden noch ein Lob für die Symmetrie der Zitadelle, die rundum von Wasser umgeben ist. Die Wallanlagen sind begehbar und von jeder der vier Bastionen bietet sich ein ganz eigener Blick auf die Umgebung und die Zitadelle. Alles in allem lassen sich hier schon ein paar Stunden verbringen und die doch so weite Fahrt lohnt sich.

Donnerstag, 2. November 2017

Ingenieurskunst und Industriedenkmal: Das Schiffshebewerk Niederfinow

Im Gegensatz zu Geschichte, Natur oder Kunst gehört Technik zu den Themengebieten, die keine Begeisterungsstürme bei mir auslöst. Das Schiffshebewerk in Niederfinow zeigte mir jedoch auf beeindruckende Weise, dass auch Ingenieurskunst ästhetisch sein kann.
Zuallererst steht bei einem Schiffshebewerk natürlich die Funktion im Vordergrund. Ein Hebewerk überwindet Höhenunterschiede. So weit, so gut. Was das Schiffhebewerk besonders macht, ist nicht der Höhenunterschied von 36 Metern oder die Bedeutung des Oder-Havel-Kanals als einzige transeuropäische Ost-West-Wasserstraße. Die wahre Meisterleistung liegt darin, dass das Hebewerk seit 1934, abgesehen von kleineren Störungen und regelmäßigen Wartungen, in Betrieb ist. Damit ist es das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk in Deutschland. Noch besser ist jedoch, dass sich die Vorgänge von allen Seiten beobachten lassen. Es gibt Schiffsfahrten durch das Hebewerk und das Stahlungetüm und der Senk- oder Hebeprozess lassen sich von unten oder auch von oben beobachten. Wenn sich die riesigen Gewichte senken, während der Trog, also das Wasserbecken, samt Schiffen sich hebt, bleibt mir nichts übrig, als fasziniert zu sein. Davon abgesehen bietet die Plattform auf dem Hebewerk auch eine schöne Aussicht ins Brandenburger Land und auf das neue Hebewerk. 
Das soll das Alte ersetzen. Denn auch wenn es noch funktioniert, stößt es an seine Grenzen, für die heutigen Schiffe ist es zu klein. Das neue Hebewerk ist ein Glaskoloss, der mit der wuchtigen Stahlkonstruktion des alten in meinen Augen nicht mithalten kann. Das Schiffshebewerk Niederfinow ist fast das ganze Jahr offen und der Eintritt von zwei Euro hinnehmbar. Es ist 60 Meter hoch, aber für alle, die sich vor unzähligen Treppenstufen graulen: Ein Weg mit Informationstafeln schlängelt sich bedächtig hoch zum Hebewerk und erst die letzten Meter heißt es dann Treppensteigen. Die Bedeutung des Hebewerks haben natürlich auch schon andere erkannt, sodass es offiziell als Industriedenkmal anerkannt ist.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Für Kürbisfreunde und Spielkinder: Spargelhof Klaistow

Auf dem Spargelhof Klaistow steht zu jeder Saison eine andere Frucht im Zentrum. Im Oktober ist Kürbiszeit und die orange Pflanze ist bei der Kürbisausstellung auf dem Hof schwer zu übersehen.
Etwa eine Stunde Fahrtzeit liegt der Erlebnishof von Berlin entfernt. Für Familien lohnt sich der Weg schon allein wegen des Spielplatzes mit der Riesenrutsche, den Hüpfkissen und anderen Kletter- und Spielstationen. Aber es gibt für kleine und große Spielkinder noch mehr zu entdecken. Der Streichelzoo überrascht mit beeindruckend friedlichen Ziegen und ein Stück weiter wartet der Erlebniswald mit Wildgehege auf entspannte Spaziergänger. Momentan findet die Kürbisausstellung statt. Der Eintritt kostet für Erwachsene zwei Euro. Die sind es aber wert, denn so viele unterschiedliche Kürbisformen habe ich noch nie gesehen. Mehr als 100.000 Kürbisse sollen es sein. Die Freiluftausstellung zeigt aber nicht nur diverse Varianten des Herbstgemüses, sondern steht unter dem Motto „Circus“. Lauter Figuren rund um dieses Thema lassen sich auf dem Gelände entdecken. Auf einem Markt gibt es diverse Sorten zu kaufen. 

Zugegeben, Einkaufen ist ein weiteres zentrales Thema auf dem Hof. Es gibt einen Hofladen, diverse Stände, Imbisse, ein Restaurant und die Hofscheune. Wer aufs Geld achten muss, macht darum einen Bogen und wartet, bis die Ausstellung Anfang November beendet ist. Denn dann gelangt man auch kostenlos zum Kinderspielplatz. Die Hofscheune bietet solide Kantinenkost und ein paar saisonale Gerichte zu einem moderaten Preis. Meine Kürbisröstis waren lecker und Vergleich zu Pommes oder Schnitzel durchaus ansehnlich. Auf dem Hof lässt sich leicht den ganzen Tag verbringen, sofern das Wetter mitmacht. Im Winter warm eingepackt wartet dann der Weihnachtsmarkt auf meinen nächsten Besuch …

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ruhepol in der Florastraße 87

Schon mal den Begriff Pocket Park gehört? Einen Eindruck davon, was ein „Taschenpark“ sein kann, gibt es in der Florastraße 87. Ursprünglich noch etwas grüner ist hier der Pocket Park mittlerweile von Häusern und Baustellen umschlossen, aber dennoch ein kleiner Hingucker.

Westentaschenpark, Minipark oder eben Pocket Park sind Bezeichnungen für besonders kleine Grünflächen oder brachliegenden Nischen, die einer gärtnerischen Gestaltung unterzogen werden. So auch in der Florastraße. Abgesehen von kleinen Beeten gibt es in der Florastraße 87 aber noch mehr zu sehen, und zwar riesige Mosaik-Möbel. Bett, Tisch und Sessel sind sogar nutzbar, wenn auch etwas hart. Leicht abgenutzt sind die Mosaikarbeiten dennoch sehenswert. Selbst die Grundzüge von Spielbrettflächen sind auf den zwei Tischen noch zu erkennen. Die Betonmöbel gehen auf die Künstler Christine Gersch und Igor Jerschov zurück. Sie sind aber nicht einfach nur Dekoration, sondern vermitteln einen Eindruck vom Aufbau einer Gründerzeitwohnung. Auf dem Boden ist der Grundriss der einzelnen Zimmer eingearbeitet. Seit 2005 gibt es diesen Pocket Park. Kurz nach seiner Errichtung gab es für diese Gestaltung vom Berliner Senat den Gustav-Meyer-Preis. Mittlerweile wirkt das Ensemble etwas abgenutzt, wie in einer echten Wohnung und bietet dennoch die Möglichkeit mal kurz zur Ruhe zu kommen, wenn nicht gerade Bauarbeiten im Gange sind. 

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Kascha und Kaviar zum Frühstück im Gorki Park

Bis ich in den echten Gorki Park in Moskau komme, wird wohl noch etwas Wasser den Bach hinabfließen, aber es ist ja nicht so, dass es in Berlin keine russische Küche geben würde. Ein leckerer Anlaufpunkt für russisches Essen, nicht nur zum Frühstück ist das Café Gorki Park im Weinbergsweg.
Zentral, nur einen Steinwurf vom Rosenthaler Platz entfernt, ist das Gorki Park natürlich auch für Touristen Anlaufstelle für den kulinarischen Start in den Morgen. Die typischen Touristen-Nepp-Preise schlagen sich aber noch nicht in der Speisekarte nieder. Für ein komplettes Frühstück liegen die Preise um die acht Euro. Das Frühstücksangebot ist reichhaltig und bietet vor allem Spezialitäten der russischen Küche – aber keine Sorge niemand muss auf sein Rührei verzichten. Dabei werden sowohl Allesesser, Vegetarier und Veganer fündig und wer es besonders krachen lassen will, kann gleich morgens mit einem Wodka starten. Wohlklingend sind auch die Namen der Frühstücksangebote. Ich entschied mich für Boris Pasternak, während meine Begleiter auf die Arbeiterinnen und Bauern setzten. Keiner wurde vom Essen enttäuscht. Mehr noch, ich bin normalerweise kein Verfechter von diesen geschmacklosen Grünzeugvarianten wie Zucchini oder Aubergine und musste feststellen, dass das leckere Gemüsegemetzel auf meinem Teller Auberginenmus war. Während das Essen überzeugte, schien unsere Bedienung leider kein Morgenmensch gewesen zu sein. Von fünf Getränken kamen zwei richtig an und zwei verschwanden in den unendlichen Weiten der Servicewüste. Der Service war zwar nett, aber langsam, und zwar sehr langsam. Wer also mal Blinis, Kartoffelröstis oder Kaviar zum Frühstück haben will, sollte im Gorki Park etwas Geduld und Toleranz gegenüber Vergesslichkeit mitbringen. Bei passendem Wetter lässt es sich gut draußen sitzen. Der Innenbereich ist aber auch charmant, mit der Einrichtung vergangener Stilepochen und allerlei Schildchen und Schnickschnack. Und für alle, die sich unter Kascha nichts vorstellen können: Das ist sozusagen die osteuropäische Variante von Haferbrei, nur eben mit Buchweizen und auch nicht immer süß, aber sehr gesund.

Donnerstag, 21. September 2017

Für Fotografie und Kunstfans: Perspective Playground

Bis zum 24. September gibt es im Kraftwerk noch die Ausstellung Perspective Playground zu sehen. Der Besuch lohnt sich für alle begeisterten Fotografen und Farbliebhaber und der Eintritt ist frei.
Das ehemalige Heizkraftwerk in der Köpenicker Straße 70 ist von innen an sich schon ein Hingucker: Die nackten Betonwände, die riesigen Säulen und allerlei Nischen und Winkel sind bestaunenswert genug für diejenigen, die sich für Architektur interessieren. Die verschiedenen Kunstinstallationen der Ausstellung werfen dann noch ein besonderes Licht auf dieses Gebäude, oder sollte ich sagen, dass das Kraftwerk die Installationen erst die richtige Umgebung bietet? Wie auch immer, jeder der Farbenspiele mag, sollte sich den Perspective Playground nicht entgehen lassen. Aber es gibt nicht nur Buntes, sondern auch Installationen, die speziell den Hobbyfotografen vor besondere Herausforderungen stellen. Licht- und Bewegungsinstallationen, die sich nicht mit einem einfachen Klick einfangen lassen.
Wer sonst nur mit seinem Handy fotografiert, kann sich kostenfrei eine Kamera leihen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Die Ausstellung versteht sich als Spielwiese für Fotografen und verschiedene Aufnahmetechniken. Sie ist aber auch ein Erlebnis für alle, die nicht durch ein Objektiv schauen. Anstatt eines roten Fadens zieht sich ein silberner Faden durch die gesamte Ausstellung. Selbst ein Kunstwerk nennt sich diese Installation von Poetics Kinetics und Patrick Shearn „Neo Prayer Flag“. Die Kuratorin vergleicht das Projekt mit einem Vogel, meine Begleitung fühlte sich an Weihnachtsbaumschmuck erinnert und für mich sah es aus wie ein Drache. So oder so, es ist toll anzusehen, denn die meterlange Installation besteht aus Folienschnipsel, die durch Bewegung schillern und glänzen.

Zu meinen persönlichen Ausstellungshighlights gehören neben der „Neo Prayer Flag“ die bunten Spiegel, das Farbwelten-Labyrinth und die Inszenierung von Wasser durch Licht und Ton. Sehr beeindruckend, wie die über 700 bunten Spiegel der Installation „Our Colour Reflection“ die Wände mit Farben versehen und dabei jeder Standortwechsel ein anderes Muster offenbart. „Das Leben ist ein Wirbel und kein Strich“ hingegen ist nicht bunt, aber dennoch effektvoll. Wasser, Licht und Ton sorgen für ein Zusammenspiel, das schwer zu fotografieren ist und das auf mich einen leicht meditativen Effekt hatte. Die Ausstellung verteilt sich auf drei Ebenen und wir haben etwa zwei Stunden gebraucht, um uns alles in Ruhe anzusehen. Fotografen mit dem Ziel, das perfekte Foto zu schießen, können also gleich mal doppelt so viel Zeit einplanen. Am Ausgang besteht übrigens die Möglichkeit, sich gleich drei seiner Lieblingsfotos ausdrucken zu lassen. 

Dienstag, 19. September 2017

Wenn das Auge mitisst: Frühstück im Café Anna Blume

Schöne Aussichten und leckeres Frühstück gibt es im Prenzlauer Berg an fast jeder Ecke. Das Café Anna Blume in der Kollwitzstraße bietet mit der Frühstücksetagere noch ein zusätzliches Highlight.

Anna Blume gehört zu den Empfehlungen, die in nahezu jedem Berlin-Reiseführer auftauchen. So erklären sich dann auch die etwas höheren Preise. Aber für die Lage bezahlt man im Prenzlauer Berg sowieso immer gleich mit. Das Café ist innen schön eingerichtet, am besten sitzt es sich aber draußen, umgeben von rankenden Sträuchern und Pflanzenkübeln. Wer keine Spatzen mag, sollte sich einen Tisch im Innenbereich suchen. Auf der Frühstückskarte stehen die klassischen Gerichte für den morgendlichen Hunger und allerlei leckere Kombinationen mit floristischen Namen. Aber wer schon einmal da ist, sollte sich die Etagere nicht entgehen lassen. Die gibt es auch in vegetarisch und vegan. Meine Begleiterin und ich wählten die Etagere für zwei Personen. Die kostet dann 22 Euro. In Berlin lässt es sich durchaus günstiger frühstücken, aber die verschiedenen Schalen sind den Preis wert. Wir haben uns durchgearbeitet von der leckeren Käseauswahl, dem frischen Rührei bis hin zu den Antipasti. Die Etagere schließt mit einer frischen Obstauswahl ab. Eine Schwachstelle war der Brotkorb, der war zum einen recht übersichtlich und zum anderen auch nicht von besonderer Qualität. Das ist Jammern auf hohem Niveau, aber wenn ich auswärts frühstücke, freue ich mich auch über besondere Brotsorten oder selbst gebackenes Brot. Die Etagere reicht für ein angenehmes Sättigungsgefühl. Der Service ist freundlich und unaufdringlich und wer früh kommt, hat sogar freie Platzwahl. Also durchaus eine Empfehlung für diejenigen, die das Frühstücken angemessen zelebrieren wollen …

Mittwoch, 13. September 2017

Kunst am Bau in der Wollankstraße

Die Wollankstraße lädt nicht gerade zum Flanieren ein. Dafür gibt es in Berlin schönere Straßen. Aber spannend ist sie trotzdem. In der Straße treffen der Wedding und Pankow, ehemaliges West- und Ostberlin aufeinander. Selbst wenn es den Wedding als eigenständigen Bezirk nicht mehr gibt, bekommt man ein Gespür für unterschiedliche Kieze in der gleichen Straße. Ein Kleinod am Straßenrand ist die Wandmalerei in der Wollankstraße 20.
Unübersehbar prangt an der Brandwand des Hauses neben dem Kloster eine feenhaft anmutende Frau. Was für die einen kitschig ist, nennen andere Kunst am Bau und dieser Einschätzung schließe ich mich an. Nicht immer muss Kunst wachrütteln und zum Nachdenken bringen, manchmal darf sie auch einfach nur schön sein. Die Fassadenmalerei ist eine Auftragsarbeit. Die Künstlerin Irma Penna hat sich dabei an den tschechischen Künstler Alfons Maria Mucha orientiert. Er war ein bekannter Vertreter des Jugendstils. Diese Kunstrichtung hatte sich unter anderem das Ziel gesetzt, Kunst im alltäglichen Leben zu integrieren. Das Bild erinnert stark an Muchas „Primel“. Wer will, kann unter Rückgriff auf die Blumensymbolik, tiefere Aussagen wie Hoffnung oder Frühling hineininterpretieren. Oder einfach mal kurz stehen bleiben und Kunst genießen. Auf jeden Fall sorgt die beblumte Dame auf der faden praktischen Hauswand für ein florales, optisches Highlight. 

Mittwoch, 6. September 2017

Für Frühaufsteher und Pancakeliebhaber: A Never Ever Ending Love Story

Wer mal keine Lust hat auf das Butterbrot mit Marmelade zum Frühstück, findet in Charlottenburg in der Bleibtreustraße im Café A Never Ever Ending Love Story eine kleine, aber leckere Frühstücksauswahl. Aber der Tipp ist schon längst nicht mehr geheim und nur der, der früh kommt, findet noch Platz …
Die Speisekarte ist zwar überschaubar, aber dafür bietet sie für jeden etwas: von süß bis herzhaft, von Fleischesser bis Veganer, mit ein wenig Neugier findet sich für jeden das Richtige. Für mich gab es eine Mexican Breakfast Bowl, Rührei mit Guacamole und Bohnen. Sehr lecker. Allerdings bin ich ein Verfechter von Brot unterm Rührei. Zu der Bowl gibt es aber nur zwei kleine Stullen geröstetes Brot. (Für Verfechter des Hochdeutschen: Stullen sind Brotscheiben) Das weiß ich dann für das nächste Mal, denn einzeln belegte Brote sind auch in der Karte vertreten. Dabei ist das Brot lecker in Öl geröstet und nix für Gebissträger. 
Die Bowl hätte durchaus als Frühstück gereicht. Aber ich gehe natürlich nicht frühstücken, um maßvoll zu essen. Als Dessert gab es dann einen Pancake. Sehr fluffig und mit frischem Obst. Die Portionen der einzelnen Gerichte sind angemessen, die Preise für die Lage auch. Meine Bowl kostete um die 6 Euro. Wer einen gesunden obstigen Start möchte, bekommt diverse Säfte und Müslizusammenstellungen. Für mich als Laie wirkte alles superfrisch und selbst gemacht. Die Bedienung war sehr freundlich und hat vor allem auch bei der Bestellung darauf hingewiesen, wenn das eine oder andere Gericht aufgrund von Schnipselarbeiten etwas länger braucht. Der Besuch lohnt sich vor allem für die, die mal was anderes wollen, als das klassische deutsche Brot- und Marmeladenfrühstück. Aber das Café ist nicht groß und Reservierungen sind nicht möglich, wer ganz sicher einen Tisch haben möchte, sollte nicht erst um zehn Uhr vorbeikommen.

Mittwoch, 30. August 2017

Im Traditionsbus durch Charlottenburg

Die Lange Nacht der Museen ist in Berlin vor allem für diejenigen spannend, die keine Angst vor Menschenmassen haben. Dieses Jahr gab es allerdings einen besonderen Programmpunkt, der mich auch nächstes Jahr wieder dazu verleiten könnte, an der Massenwanderung teilzunehmen: die Kieztouren mit Oldtimer-Bussen.
Diese Kieztouren wurden dieses Jahr zum ersten Mal angeboten und dementsprechend war auch der Andrang. Einerseits war es gut, dass die Karten für die Touren nicht im Voraus abgeholt werden konnten. So hatte jeder Interessierte eine Chance auf einen Platz. Andererseits war es auch ein beeindruckendes Schauspiel, welche Drängeleien und Unhöflichkeiten sich auf dem Kulturforum abspielten, als die Platzkarten vergeben wurden. Letztendlich bekamen wir trotz zivilisiertem Verhalten und ohne Beleidigungen Platzkarten für die Kieztour durch Charlottenburg. Und die hat sich gelohnt. Mit einem Oldtimer und einem Guide ging es durch Charlottenburg und Wilmersdorf, Stadteile, die mir fast fremd sind. Wir erfuhren, dass der Fehrbelliner Platz und die Bismarckstraße Beispiele für die Überreste der NS-Architektur in Berlin sind oder dass die Goldelse vermutlich Schuhgröße 96 hat. Mit dem Traditionsbus durch die Straßen zu wanken, verpasste der Tour dann noch einen besonderen Charme.

Zwischenstopp war in der Villa Oppenheim, die sich der Charlottenburger Stadtgeschichte widmet. Hierher verirren sich wahrscheinlich nur Charlottenburger. Dabei ist der Eintritt frei, die Ausstellung zwar klein, aber motiviert zusammengestellt. Die Ausstellung gibt einen Überblick der Entwicklung von Charlottenburg mit Karten und Grafiken. Tatsächlich war der Stadtteil, wie so viele andere, lange Zeit eine selbstständige Ortschaft, die sich in ständiger Konkurrenz zu Berlin befand. Im oberen Stock gibt es eine kleine Kunstausstellung mit Objekten der ehemaligen Bewohner, die die Villa als Sommerresidenz nutzten. Zum Bildungsprogramm des Museums gehören regelmäßige Führungen auch im Kiez. Wer nichts vom Laufen hält, kriegt im Medienraum mit verschiedenen Videos auch eine Übersicht über die Geschichte von Charlottenburg. Anschließend kann man sich dann draußen im Café was zu trinken gönnen und das denkmalgeschützte Gebäude in Ruhe wirken lassen. Gleich nebenan ist der Schustehruspark und so lässt sich der Museumsbesuch gleich mit einem Spaziergang kombinieren.

Donnerstag, 17. August 2017

Ein Gartendenkmal in Neukölln

Jeder Berliner Bezirk hat sein eigenes grünes Highlight und der Körnerpark zählt für mich zu den schöneren grünen Oasen in Neukölln, wobei ich mich gerne eines Besseren belehren lasse. Der sehr kleine Park ist über hundert Jahre alt und dient vor allem den Nachbarn als Ruheort, wenn nicht gerade der Rasen von G-20-Gegnern verätzt wird.
Ein Ausflug in den Körnerpark lohnt sich wohl am meisten für Anwohner, Gartenfreunde und Hobbyfotografen, denn eine Runde durch den Park dauert selbst bei gemächlichstem Tempo nur zehn Minuten. Besondere Hingucker gibt es nicht zu entdecken, es sei denn, man begeistert sich für Skulpturen und Stauden, wobei aber die Anlage durch ihre Symmetrie und Gepflegtheit schon meine Sympathien gewonnen hat. Der Park liegt in einer ehemaligen Kiesgrube. Von der ist nichts mehr zu erkennen außer, dass die Anlage tiefer als die umliegenden Straßen und umgeben von Mauern ist. Dementsprechend geht es über breite Treppen in den Park hinab, von denen es einen Rundumblick gibt. Die ganze Anlage mutet eher wie ein Schlosspark an, nur eben ohne Schloss. Auf der einen Seite gibt es ein Café, von dem sich ein guter Ausblick auf die andere Seite des Parks mit den Wasserkaskaden bietet. Gleich neben dem Café werkeln bei gutem Wetter Künstler an ihren Statuen. Bei einem Käffchen lässt sich so gut beobachten, was für harte Arbeit es ist, aus einem Stück Stein eine Figur zu machen. Reichlich Figuren stehen dann auch im Park selbst. Der ist relativ ruhig und nicht überlaufen. Liegt vielleicht auch daran, dass Ballspielen und Grillen verboten sind. Das Liegen auf dem Rasen gehört zu den weiteren Verboten, woran sich aber die wenigen Besucher nicht halten. Abgesehen vom Mittelteil des Parks gibt es zwei durch kleine Alleen abgetrennte Grünbereiche, der eine dunkel und düster, der andere hell und voller Blumen. Wer denn genau den Park entworfen hat, ist nicht ganz sicher. Wahrscheinlich geht der Entwurf auf Hans-Richard Küllenberg zurück. Sicher ist aber, dass der Park seit 1916 existiert, im neobarocken Stil angelegt und für einen Berliner Park überraschend gepflegt und ruhig ist.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Lust auf Schmalzstulle, Bier und Berliner Charme?

Wer in Pankow sein Feierabendbier in netter Atmosphäre genießen will, sollte mal in Pankows ältester Kneipe, der Eiche, vorbeischauen. Dort gibt es neben klassischem Bier und Craft Beer auch urigen Berliner Charme.
In Pankow kann man gut essen gehen und Kinder groß ziehen. Die eine oder andere Kneipe, in der es sich entspannt trinken lässt, gibt es aber auch. Ein gutes Beispiel ist die Eiche in der Wollankstraße. Sie gilt als älteste Kneipe in Pankow und ist seit 1903 geöffnet. Seit 2013 hat sie neue Besitzer und bietet viel Bier aus der Region und Kornbrand-Drinks aus dem Einmachglas. Dazu gibt es kleine und große Snacks wie eine Berliner Platte voller Spezialitäten aus Mutters Küche oder Flammkuchen. Der Charme einer schnoddrigen Bedienung ist inklusive. Wenn es regnen sollte, bietet der Innenbereich mit viel Holz und alten Werbeplakaten ein rustikales Ambiente und bei schönem Wetter lässt es sich draußen sitzen. Warum das Ganze Eiche heißt, hat sich mir nicht erschlossen, steht doch die älteste Eiche Pankows in der Waldstraße und nicht mal in der Nähe des Lokals. Letztendlich lohnt es sich vor allem für Pankower oder Bierfans in der Bürgerstube, wie der Beiname der Eiche ist, mal vorbeizuschauen. Aber Vorsicht bei der Bestellung: Die herbe Art der Bedienung muss man sich erst mal warm trinken …

Mittwoch, 5. Juli 2017

Kirschschnaps und Entdecker in Lissabon

Lissabon, Portugals Hauptstadt, stand bisher nicht auf meiner Liste der sehenswürdigen europäischen Städte. Dementsprechend stellte ich bei meinem ersten Besuch auch keine großen Erwartungen an die Stadt und wurde dafür mit leckerem portugiesischem Essen und beeindruckenden Gebäuden und Ausblicken belohnt.
Um einen ersten Eindruck von Lissabon zu bekommen, reicht ein Wochenende aus, aber die Stadt bietet vieles, was einen erneuten Besuch lohnt. Als Berliner ist es ungewohnt, sich per Fuß durch die hügeligen und engen Gassen zu bewegen und eines meiner persönlichen Highlights war daher auch die Tuk Tuk-Tour, auf der uns der Fahrer die Sehenswürdigkeiten Lissabons zeigte. Den besten Ausblick hatten wir vom Castelo de Sao Jorge und dem fast entgegengesetzten Ende der Stadt liegenden Parque Eduardo. 
Aber selbst im Untergrund im Bahnhof Oriente erfreut sich das Auge an schönen Aussichten: Zwar ist an so ziemlich jedem Gebäude in Lissabon Kachelkunst zu finden, aber auf dem Bahnhof haben anlässlich der Weltausstellung 1998 viele Künstler einzelne Wände gestaltet. Also Grund genug mal mit der U-Bahn zu fahren.

Fisch und Ginjinha
Typisches Essen in Lissabon ist natürlich Fisch, vor allem der Stockfisch, in Portugiesisch bacalhau. Als Vegetarier haut mich toter Fisch oder eine aus unterschiedlichen Fleischsorten bestehende Wurst (Alheira de Mirandela) mit Pommes und Spiegelei nicht wirklich vom Hocker. Aber viele Restaurants haben sich schon auf Vegetarier und sogar Veganer eingestellt. Eine tolle Auswahl an typisch Lissaboner Gerichten wurde uns im am Fadomuseum angeschlossenen Restaurant geboten. Dazu gab es Fadogesänge gratis. Das hat Ambiente. 
In den wenigen Tagen habe ich jedoch auch festgestellt, dass es sich nicht lohnt, Pommes in Lissabon zu essen – keine Ahnung, woran es liegt, aber die Pommes waren immer halb roh und wurden mit merkwürdigen Soßenkombinationen serviert. Eine weitere Eigenart, die mir persönlich nicht unbedingt zugesagt hat, ist der Koriander: Überall war Koriander drin, abgesehen von den Desserts. Apropos Dessert: Pflichtprogramm in Lissabon sind die Pasteis. Das sind Puddingtörtchen. Zum Abschluss gibt es dann noch einen Ghinjinha. Diesen Kirschlikör gibt es an so ziemlich jeder Straßenecke und schmeckt immer wieder anders.

Erdbeben und Nelkenrevolution
Das große Erdbeben von Lissabon 1755 hinterließ in der Stadt eine unglaubliche Zerstörung. Davon ist heute natürlich nichts mehr zu sehen. Aber ein Mahnmal dieser Naturkatastrophe ist das Convento do Carmo. Das ehemalige Karmeliter-Kloster wurde beim Erdbeben zerstört und nur ein Flügel wurde wieder aufgebaut. Das Kirchenschiff blieb ohne Dach und beherbergt heute eine archäologische Ausstellung. Aber nicht nur die Ruine ist bedeutungsschwer, sondern auch der Platz davor. Denn auf dem Largo do Carmo endete die Nelkenrevolution friedlich. Der wieder aufgebaute Flügel des Klosters wurde nämlich das Hauptquartier der portugiesischen Nationalgarde, in das sich der damalige Ministerpräsident Marcelo Caetano vor der Revolution flüchtete. Vom Balkon dieses Gebäudes aus erklärte er seinen Rücktritt und der Weg war offen für ein freies Portugal. Der Platz und die Klosterruine liegen geradezu idyllisch etwas abseits der Touristenmassen und eignen sich gut für eine kleine Kaffeepause, um dieses historische Ambiente wirken zu lassen.

Die großen Entdecker
Was wäre Portugal ohne die Seefahrt? In Lissabon sind die unterschiedlichsten kulturellen Einflüsse in jedem Straßenzug zu erkennen und als Tourist gehört die Würdigung der portugiesischen Entdecker in Form eines Besuches des Entdeckerdenkmals einfach dazu. Das Padrao dos Descobrimentos ist über 50 Meter hoch und der Kalkstein blendet schon von Weitem. An den Seiten dieses, ich nenne es mal Turm, sind 16 wichtige Persönlichkeiten der Seefahrt stilisiert und oben auf der Plattform gibt es eine perfekte Sicht auf das Hieronymuskloster. Die Architektur dieses Klosters ist ein Paradebeispiel für den manuelistischen Stil: verschnörkelt, detailreich und oft mit nautischen Motiven. Von oben lässt sich auch erst richtig gut die Windrose auf dem Platz vor dem Denkmal erkennen. Wer noch Lust hat, sollte nach dem Aufstieg (es gibt auch einen Fahrstuhl) ins Kloster gehen und das Grabmal Vasco da Gamas einen Besuch abstatten.

Und sonst so?
Was ich auf jeden Fall noch empfehlen kann, ist ein Tagesausflug nach Sintra. Dieses Örtchen hat die Anerkennung als Naturerbe und Kulturerbe der UNESCO eindeutig verdient. Lauter verträumte Schlösser und Burgen und ein märchenhafter Park. In der Parkanlage Quinta da Regaleira gibt es Türmchen und Grotten und ganz viel Grün.
Übrigens wird Lissabon geradezu überflutet von Touristen. Ein Vorteil für die Wirtschaft und ein Nachteil für die echten Lissaboner, die sich kaum mehr ihre Wohnungen leisten können. Kommt einem als Berliner bekannt vor, nur dass es in Lissabon kaum einen Schutz der ursprünglichen Mieter vor Airbnb und anderen ähnlichen Plattformen gibt. Wer es sich also leisten kann, sollte ein Hotel zur Übernachtung buchen oder auf Couchsurfing zurückgreifen.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Betreutes Trinken in der Boxhagener Straße

Lust auf einen entspannten Feierabendcocktail fernab vom Happy Hour Gedränge? Wer mal abseits der günstigen und hoffnungslos überlaufenen Simon-Dach-Straße einen guten Drink genießen will, sollte in die Boxhagener einschwenken und zur Booze Bar gehen.
In der Booze Bar lautet das Motto „Betreutes Trinken“, also nix da mit einer Getränkekarte. Wer bestellt, wird nach seinen Gelüsten und Vorlieben gefragt und bekommt dann merkwürdig klingende Cocktails wie „Ich und mein Kiez“ vorgeschlagen und serviert. Das lohnt sich für alle, die entweder wissen, was sie mögen oder auch offen für Neues sind. Ganz so experimentierfreudig bin ich nicht – ein Getränk mit Rosmarin klingt für mich schon zu sehr nach Kräutergarten und Smoothie. Da lob ich mir was Süßes. Und auch das haben die Barkeeper gut hinbekommen. Zunächst mit Erdbeerpüree und dann mit dem Cocktail „Cherry cherry lady“. Wer Schoki und Kirsche mag, sollte den unbedingt probieren. Aber auch für Freunde des Herberen gibt es genug Kombinationen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf individuelle Drinks und hochwertige Spirituosen. Das hat jedoch auch seinen Preis: Ein Cocktail kostet um die zehn Euro. Dafür gibt es keinen Fusel, Neuentdeckungen und ein entspanntes Ambiente. Am besten selbst mal ausprobieren und entscheiden, ob es sich lohnt. 

Mittwoch, 21. Juni 2017

Ein Wochenende in Prag

Goldene Stadt, Kafka und Prager Frühling sind die Dinge, die ich mit der tschechischen Hauptstadt verbinde. Meine Begleiter begeisterten sich vor allem für die Vorstellung von frischem, gutem Bier. Es gibt also viele gute Gründe, Prag für einige Tage zu besuchen und kennenzulernen. Hier sind meine fünf Highlights in Prag:
Die Karlsbrücke
Um die Karlsbrücke kommt kein Pragbesucher herum, schließlich ist sie das Wahrzeichen der Stadt und gehört zu den ältesten Brücken Europas. Allerdings ist sie vor allem tagsüber auch brechend voll. Wer also die 30 Skulpturen in Ruhe ansehen oder an den Reliefs der Nepomukstatue reiben will, weil das angeblich Glück bringt, wartet am besten auf den Abend. Dann sind die größten Reisegruppen schon wieder auf dem Weg ins Restaurant und die Besucher verteilen sich auf der zehn Meter breiten Brücke besser. Auch eine schöne Perspektive auf die Karlsbrücke bietet eine Bootsfahrt über die Moldau.


Die Burg
Neben der Karlsbrücke, dem jüdischen Viertel und der astronomischen Uhr am Rathaus gehört auch die Burg zu den Klassikern für Touristen in Prag. „Die Burg“ gibt es eigentlich nicht, denn auf dem größten zusammenhängenden Burgareal der Welt gibt es viele Gebäude und Ausstellungen zu besichtigen. Dementsprechend viel Zeit ist für den Besuch des Veitsdoms oder des Goldenen Gässchen einzuplanen. Der Zugang zu dem Gelände ist frei und wer nicht unbedingt den Dom von innen sehen will, kommt am besten erst ab 18 Uhr oder später. Bis 22 Uhr hat das Gelände nämlich offen, und wenn die Sonne langsam versinkt, ist das ganze Gelände fast leer und dennoch beeindruckend, ganz abgesehen vom Ausblick auf die Stadt. Angeblich soll es sogar im Goldenen Gässchen, der legendären Alchemistenstraße, spuken. Da diese abends aber nicht frei zugänglich ist, konnten wir uns davon kein Bild machen. Wer Architektur mag, wird aber nicht nur die gotischen Gebäude auf dem Burggelände spannend finden. Gleich davor auf dem Hradschiner Platz ist das Palais Schwarzenberg, das mit seinen Sgraffitomalereien zu den ältesten Renaissancebauten der Stadt gehört und wenn dann die Gaslampen zischend angehen, herrscht eine ganz besondere Stimmung.


Die Metro
Im Vergleich zu Berlin oder anderen Städten ist die Prager Metro mit nur drei U-Bahn-Linien geradezu niedlich. Dafür aber unschlagbar günstig. Eine Dreitageskarte für knapp 10 Euro ist fast nirgendwo sonst zu bekommen. In Prag liegt auch die tiefste U-Bahn-Station in der EU, aber selbst wer nicht in der Station Námestí Míru ist, kriegt schnell mit, dass die Prager Metro zu den tiefsten gehört. Mich hat vor allem die Architektur der Stationen begeistert, wie eine Reise in die 60er Jahre. Weniger Begeisterung lösten dafür die Rolltreppen aus, denn die sind überraschend fix, ziemlich lang und die schief hängenden Werbeplakate gefielen meinem Gleichgewichtssinn gar nicht ...

Grüne Auszeit im Wallenstein Garten
Gut versteckt liegt der Wallenstein Garten, doch wer ihn findet, entdeckt nicht nur den Senat des Parlaments der Tschechischen Republik, sondern auch eine frühbarocke Gartenanlage mit grünen Rückzugsorten und einem Fischteich. Faszinierend ist die grottenähnliche Wand aus schwarzem Gestein, die voller merkwürdiger Skulpturen zu sein scheint.

Wo einst ein tschechischer König lebte

Klar, wer schon mal in Prag ist, darf sich das tschechische Bier nicht entgehen lassen. Ein wahrer Glücksfund war für uns eine Craft Beer Bar im Zentrum. Das U Kunstatu liegt mitten in der Stadt und war dennoch überraschend entspannt. Hier gibt es vor allem Craft Beer. Die kleinen Snacks sind allerdings auch sehr zu empfehlen. Neben dem lauschigen Innenhof bietet die Bar im Keller jedoch eine Überraschung: Dort befindet sich ein Kellergewölbe, das bis ins 12. Jahrhundert zurückgeht und einst Heim des späteren Königs Georg von Podiebrad war. Heute beherbergen die Gewölbe wechselnde kostenfreie Kunstausstellungen.