Freitag, 27. Mai 2016

Es war einmal vor 500 Jahren in der Mollstraße

Mitten im Wohngebiet zwischen Wohnhäusern und Spielplatz steht in der Mollstraße 11 eine Gedenktafel. Unauffällig und schlicht ist sie mir nur aufgefallen, weil ich die hebräischen Zeichen sah. Der Gedenkstein ist kein übergroßer Stolperstein, sondern erinnert an ein Unrecht, das in Berlin vor mehr als 500 Jahren stattfand.
Der Stein hat zwei Inschriften: Eine hebräische Inschrift, die ich nicht ohne Hilfe verstehen konnte und eine deutsche kurze Erläuterung, dass dieser Stein an die Berliner Judenverbrennung von 1510 erinnere. Der Gedenkstein bezieht sich auf den Berliner Hostienschänderprozess. Davon habe ich noch nie gehört. Dabei war dieser Vorfall Anlass dafür, dass in Brandenburg Juden nicht mehr geduldet wurden und die Gegend zu verlassen hatten. Alles begann damit, dass ein Kesselflicker aus einer Kirche eine Monstranz stahl. In einer Monstranz werden die Hostien aufbewahrt. Als der Dieb gefasst wurde, gestand er unter Folter, dass er die Hostien an einen Juden verkauft hätte. Wie zu der Zeit üblich entstand daraus die Verdächtigung, dass der Jude eine Hostienschändung begangen hätte. Letztendlich wurden dann hundert Juden aus Berlin und dem Umland verhaftet und wegen Hostienfrevel und Kindsmord angeklagt. Was eben dabei rauskommt, wenn Leute gefoltert und ihnen Aussagen in den Mund gelegt werden. Von diesen Festgenommenen wurden 38 Juden zum Tode verurteilt. Die Strafe war Verbrennen. In der Nähe des heutigen Standorts war damals die Hinrichtungsstätte. Als Erinnerung an die getöteten Juden ließ dann der Rabbiner Martin Salomonski 1935 die hebräische Inschrift an ein jüdisches Altersheim anbringen. Das ist auch die Bedeutung der hebräischen Inschrift, denn auf dieser steht: „Hier ruhen die heiligen Gebeine der Mitglieder unserer ersten Gemeinde in Berlin. Sie wurden als Märtyrer ermordet und verbrannt am 12. Aw 5270 …“ Als die Tafel nach dem Zweiten Weltkrieg wiedergefunden wurde, führte es dazu, dass der Gedenkstein 1988 zusammen mit dem deutschen Text an dem heutigen Standort aufgestellt wurde. Auch wenn die Lage der Überreste der Verbrannten nicht überliefert ist, zeigt sich jedoch, dass dieser Gedenkstein und das damalige Geschehen nicht vergessen sind. Denn wer näher herantritt, entdeckt Steine, die nach jüdischer Sitte auf Grabsteine abgelegt werden. Jedes Jahr findet auch eine kleine Zeremonie mit Kranzniederlegung statt.

Dienstag, 24. Mai 2016

Stahl und viel Sonne im Blankenstein-Park

An der Storkower Straße zwischen einem riesigen Kaufland und dem bei Fahrradfahrern beliebten Stadler liegt der Blankenstein-Park. Die Grünfläche ist mit Birken bepflanzt, von Hunden bevölkert, bietet wenig Schatten und wäre nichts Besonderes, stände da nicht eine Stahlkonstruktion, die an den früheren Verwendungszweck des Areals erinnert.
Das Areal des Blankenstein-Parks und das umliegende Wohn- und Gewerbegebiet waren ursprünglich der Städtische Zentrale Vieh- und Schlachthof. 1881 wurde das Areal erbaut, um der wachsenden Berliner Bevölkerung unter modernsten hygienischen Bedingungen Fleisch zur Verfügung zu stellen. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der Gebäude zerstört. Die Verbliebenen wurden teilweise zweckentfremdet und ab den 90er Jahren lag das Gelände brach. Dann begann ab den 2000er Jahren die Wiederbelebung: Es entstanden Wohngebiete und der erwähnte Hermann-Blankenstein-Park. Die Stahlkonstruktion ist das Stützgerüst der ehemaligen Hammelauktionshalle und auch die ehemalige Rinderauktionshalle ist noch erhalten: Darin befindet sich Stadler. Die Bezeichnung des Parks ist eine Verbeugung vor dem Stadtrat Hermann Blankenstein, der als Berliner Stadtbaurat für den Bau und die Anlage des Schlachthofes verantwortlich war. Der Park und die umliegenden Gebäude zeigen, wie brachliegende Gelände neu genutzt werden können. Alles ist besser als ein Schlachthof, aber das ganze Areal wirkt etwas verloren und unfertig. Die Neubauten erwecken nicht unbedingt den Eindruck, als ob die Architekten versucht hätten, die Häuser der Umgebung anzupassen und auch der Park braucht wohl noch einige Jährchen, um abseits der Stahlkonstruktion etwas Reizvolles zu bieten.

Dienstag, 17. Mai 2016

Tief einatmen über den Beelitzer Heilstätten

Beelitz, das ist nicht nur Spargel. Dort gibt es auch die Beelitzer Heilstätten. Das ist ein riesiges Areal, das heute vor allem unter Fotografen und Fans des Morbiden bekannt ist. Viele Gebäude der Heilstätte stehen leer und verfallen. Spukgeschichte rund um Schreie und Schritte in leeren Fluren geistern im Internet herum. Aber im Frauenkomplex der Heilstätten gibt es einen Baumkronenpfad, der zu einer etwas anderen Perspektive verhilft.
Die Beelitzer Heilstätten liegen etwa eine Stunde Autofahrt von Berlin entfernt. Ihre Geschichte beginnt in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Tuberkulose war zu der Zeit eine Krankheit, die Tausende betraf. Berlin mit seinen Mietskasernen und Hinterhöfen war ein idealer Nährboden. Den erkrankten Arbeitern sollte mit einer Frischluftkur geholfen werden. Hier kommen die Heilstätten ins Spiel. Ab 1898 entstanden hier 60 Gebäude, die als Lungenheilstätten und Sanatorien für andere Krankheiten dienten. Dabei waren die Komplexe streng nach Geschlechtern getrennt. Für die Arbeiter gab es Liegekuren an der frischen Luft und strenge hygienische Maßnahmen. Während der Weltkriege verwandelten sich die Heilstätten in ein Lazarett. Selbst Hitler soll hier 1916 behandelt worden sein. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nutzten die Sowjets das Gelände als Militärhospital. Seit deren Abzug 1994 verfallen die Gebäude und ein Gesamtkonzept für das Areal fehlt. Aber zumindest auf dem Frauengelände tut sich was.
Der Eintritt für den Baumkronenpfad und das ihn umgebene Gelände kostet 9,50 Euro. Kann man ja mal machen. Für einen 300 Meter langen Pfad über den Bäumen wirkt das schon etwas überteuert. Aber das Ganze muss sich wohl erst amortisieren, schließlich wurde die Anlage erst im letzten Jahr eröffnet. Kleiner Tipp: Zunächst den Rundgang auf dem Boden machen. Informationstafeln geben einen Einblick darüber, wie sich das Leben im Frauenpavillon gestaltete. Nach einer kleinen Runde geht es dann auf den Baumkronenpfad. Hier gibt es nur einen Auf-, aber dafür mehrere Abstiege. Wir waren werktags da, aber wenn es am Wochenende voll wird, stell ich es mir weniger gemütlich vor. Auf dem 36 Meter hohen Aussichtsturm gibt es einen tollen Rundumblick über die Wälder und das Gelände. Tafeln geben Auskunft darüber, was man gerade sieht. Der Pfad an sich ist relativ kurz, aber auch mit Informationstafeln ausgestattet. Der Wind wiegt den Pfad leicht. Also nicht unbedingt was für diejenigen, die sich absolut festen Boden unter den Füßen wünschen. Am Ende des Pfades ist dann auch mein persönliches Highlight: Die Holzplanken führen direkt über das Dach des Frauenpavillons. Das merkt man allerdings nicht sofort. Denn die Natur hat sich Stück für Stück das ganze Gelände zurückerobert und auf dem eingestürzten Dach des Gebäudes steht jetzt ein kleiner Wald.


In der Woche gibt es täglich nur eine Führung. Die ist um 14 Uhr. Wir hatten keine Lust zu warten und sind weitergezogen. Wer in Richtung des Pförtnerhauses kommt und dann die Landstraße überquert, befindet sich im Männerareal. Hier gibt es keine Informationstafeln mehr. Ein Teil der ehemaligen Gebäude wird jetzt als Gesundheitsklinik genutzt, ein anderer steht leer. Die Fenster sind verrammelt, in den höheren Stockwerken lassen sich Graffiti erkennen und die Häuser zerfallen. Ein wenig enttäuschend ist, dass ein Konzept für das gesamte Gelände fehlt. Der Baumkronenpfad hat sich aber gelohnt und die Hoffnung besteht, dass die Betreiber vielleicht noch mehr daraus machen …

Dienstag, 10. Mai 2016

Ausflug in den Berliner Untergrund

Berlins Unterwelten sind im Vergleich zu anderen Städten recht jung. Aber trotzdem lässt sich in Berlins Untergrund (rein geografisch gemeint) einiges entdecken. Für einen spannenden ersten Eindruck sorgt das Berliner Unterwelten Museum, das sich im Zuge einer Führung besuchen lässt.
Am Bahnhof Gesundbrunnen befindet sich das Unterwelten Museum. Es ist nicht das klassische Museum, für das man sich Karten holt und los geht’s. Vielmehr liegt es in einer ehemaligen Luftschutzanlage und ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Der Verein Berliner Unterwelten bietet etliche Führungen zum Thema Berliner Unterwelt an. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Bunkeranlagen und dem Themenbereich Kalter Krieg. Aber auch Spezialtouren zu den Brauereien oder zur Wasserversorgung gibt es. Für einen ersten Überblick, was denn Berlins Unterwelten ausmacht, bietet sich die Tour 1 unter dem Motto „Dunkle Welten“ an. Die Karten kosten 11 Euro pro Person. Los geht’s direkt im Bahnhof hinter einer Tür, die in den Bunker führt. Fotos sind leider nicht erlaubt, weil das authentische Material und die Räume nicht Besitz des Vereins sind, sondern nur Leihgaben. Interessant ist es für alle, die sich für die Berliner Geschichte interessieren und noch nie in einer Luftschutzanlage waren. 

Ein Guide führt innerhalb von 90 Minuten die Gruppe durch verschiedene Räume und Themen. Die Tour ist allgemein gehalten, wer etwas Spezielles sucht und keine Einführung braucht, sollte sich für eine der anderen angebotenen Touren entscheiden. Ich persönlich fand diesen Überblick als Einstieg für folgende Touren absolut in Ordnung. Einige der Räume wurden so hergerichtet, wie sie im Zweiten Weltkrieg genutzt wurden. Andere zeigen Fundstücke, die bei Räumarbeiten entdeckt wurden.  Für mich besonders faszinierend war die lumineszente Farbe, die im Dunkeln den Weg zeigt. Diese wurde aber nur zur Verdeutlichung vorgeführt, die Tour findet bei Licht statt. 

Ehrlicherweise hätte ich den Weg zum ersten Eingang nicht zurückgefunden, so verwinkelt und groß ist die Anlage, auch wenn wir in der Gruppe nur einen kleinen Teil zu sehen bekamen. Die Erläuterung unseres Guides, wie teuer Gasschutzmasken für die normale Bevölkerung waren und dass sich die Leute im Bunker mit den Worten „Bleib übrig“ verabschiedeten, sorgt in Kombination mit dem stetigen Grollen der nahen U-Bahn für ein mulmiges Gefühl. Das wird im fast letzten Raum dann von einer gewissen Langeweile abgelöst. Rohrpost ist nicht unbedingt das spannendste Thema für mich. Aber das Fazit bleibt positiv: Der Eintritt lohnt sich und das Interesse für weitere Touren des Vereins ist geweckt …

Dienstag, 3. Mai 2016

Polnische Küche im Restaurant Breslau


Breslau ist dieses Jahr Kulturhauptstadt Europas. Grund genug einmal in die polnische Küche hinein zu schnuppern. Das Restaurant Breslau in der Sredzkistraße ist da eine gute Anlaufstelle.
Die erste Erkenntnis nach einem Blick in die Speisekarte: Die polnische Küche ist recht fleischlastig. Freunde von Rinder- und Schweinegerichten werden hier genudelt rausgehen, es gibt Gulasch, Roulade und Schweinebraten mit Pflaumen. Typisch polnisch sind auch die Rote-Beete-Suppe und der Sauerkrauteintopf. Und nur weil sie so schön klingen, muss ich auch die Klopsi erwähnen. Vegetarier werden aber auch fündig, die Auswahl ist allerdings nicht riesig: Salat oder Pierogi. Pierogi sind gefüllte Teigtaschen. Die landen dann auch in meinem Bauch zusammen mit geschmolzenen Zwiebeln und etwas Quark, durchaus schmackhaft. Die Fleischesser um mich herum sind zufrieden. Das liegt wohl auch an dem Brot mit Schmalz, das als Amuse-Gueule gereicht wird. Wer nach einer herzhaften Hauptspeise noch Lust auf ein Dessert hat, kann zwischen süßen Pierogi und Pfannkuchen wählen. Der Service ist freundlich und das Ambiente mit seinem rustikalen Charme durchaus gemütlich. Mir persönlich reicht dieser Ausflug in die polnische Küche. Die Preise sind angemessen, der Service freundlich und mit einem leichten Akzent. Also vielleicht wirklich authentische Küche? Wer einmal polnische Küche ausprobieren will oder Lust auf herzhafte Gerichte hat, ist hier genau richtig.