Donnerstag, 17. August 2017

Ein Gartendenkmal in Neukölln

Jeder Berliner Bezirk hat sein eigenes grünes Highlight und der Körnerpark zählt für mich zu den schöneren grünen Oasen in Neukölln, wobei ich mich gerne eines Besseren belehren lasse. Der sehr kleine Park ist über hundert Jahre alt und dient vor allem den Nachbarn als Ruheort, wenn nicht gerade der Rasen von G-20-Gegnern verätzt wird.
Ein Ausflug in den Körnerpark lohnt sich wohl am meisten für Anwohner, Gartenfreunde und Hobbyfotografen, denn eine Runde durch den Park dauert selbst bei gemächlichstem Tempo nur zehn Minuten. Besondere Hingucker gibt es nicht zu entdecken, es sei denn, man begeistert sich für Skulpturen und Stauden, wobei aber die Anlage durch ihre Symmetrie und Gepflegtheit schon meine Sympathien gewonnen hat. Der Park liegt in einer ehemaligen Kiesgrube. Von der ist nichts mehr zu erkennen außer, dass die Anlage tiefer als die umliegenden Straßen und umgeben von Mauern ist. Dementsprechend geht es über breite Treppen in den Park hinab, von denen es einen Rundumblick gibt. Die ganze Anlage mutet eher wie ein Schlosspark an, nur eben ohne Schloss. Auf der einen Seite gibt es ein Café, von dem sich ein guter Ausblick auf die andere Seite des Parks mit den Wasserkaskaden bietet. Gleich neben dem Café werkeln bei gutem Wetter Künstler an ihren Statuen. Bei einem Käffchen lässt sich so gut beobachten, was für harte Arbeit es ist, aus einem Stück Stein eine Figur zu machen. Reichlich Figuren stehen dann auch im Park selbst. Der ist relativ ruhig und nicht überlaufen. Liegt vielleicht auch daran, dass Ballspielen und Grillen verboten sind. Das Liegen auf dem Rasen gehört zu den weiteren Verboten, woran sich aber die wenigen Besucher nicht halten. Abgesehen vom Mittelteil des Parks gibt es zwei durch kleine Alleen abgetrennte Grünbereiche, der eine dunkel und düster, der andere hell und voller Blumen. Wer denn genau den Park entworfen hat, ist nicht ganz sicher. Wahrscheinlich geht der Entwurf auf Hans-Richard Küllenberg zurück. Sicher ist aber, dass der Park seit 1916 existiert, im neobarocken Stil angelegt und für einen Berliner Park überraschend gepflegt und ruhig ist.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Ein Kriegshelm im Gebüsch

An der Otto-Braun-Straße Ecke Prenzlauer Berg und Friedrichshain liegt eine kleine Grünanlage. Zwei Bänke, eine kleine Grünfläche und Sträucher und Büsche bilden eine Art Vorhof für die Bartholomäuskirche. Zwischen dem Grün steht ein Denkmal, das von einem antik anmutenden Helm abgeschlossen wird und an Alexander von Blomberg erinnert.
Die Inschrift offenbart, dass Alexander von Blomberg in der Nähe dieses Ortes, am Königstor, als erstes Opfer der deutschen Freiheitskämpfe im Februar 1813 fiel. Freiheitskämpfe – das ist für mich ein dunkles Kapitel aus dem Geschichtsunterricht. Und warum sollte eine einzelne Person so geehrt werden? Die Phase der Freiheitskämpfe oder auch die Befreiungskriege bezeichnet das Beenden der napoleonischen und französischen Herrschaft in Europa. Vielmehr als die einzelne Person wird mit dem Denkmal eher an die Einsatzbereitschaft von Soldaten gedacht. Schon kurz nach dem Tod des Freiherrn von Blomberg erinnerten Freunde an seinen Tod. Der war recht unglücklich: In der Hoffnung Berlin in einem kurzen Kampf von den französischen Besetzern zu befreien, wurden er und weitere Kämpfer einfach niedergeschossen. Seine Begleiter jedoch waren Russen, da er sich einer Einheit Kosaken angeschlossen hatte. Daher gilt er als das erste Opfer der „deutschen“ Freiheitskämpfe, obwohl auch vor ihm deutschstämmige Soldaten im Dienst der Russen im Kampf gegen die Franzosen fielen. Letztendlich sahen sich die französischen Besetzer in ihrer Position geschwächt, sodass die Truppen im März aus Berlin abzogen. Im Zuge der Heldenverehrung wurde der von Freunden gestiftete Gedenkstein 1913 durch ein Denkmal vom Bildhauer Otto Kuhlmann ersetzt. Dieses hat sich in seiner Form bis heute gehalten. Wurde im 20. Jahrhundert vor allem der Einsatzbereitschaft Alexander von Blombergs für das Vaterland gedacht, verschob sich im 21. der Schwerpunkt auf die deutsch-russische Waffenbrüderschaft. Immerhin kämpften Russen und Preußen gemeinsam gegen Napoleon. Und Alexander von Blomberg? Er war erst 25 Jahre alt, als er starb, war ein preußischer Offizier und verfasste einige patriotische Gedichte und wird wohl dank des Denkmals unvergessen bleiben, allerdings nur aufgrund der Begleitumstände seines Todes … 

Mittwoch, 29. März 2017

Die Marzahner Mühle

Wer die Landsberger immer weiter stadtauswärts fährt, erwartet eigentlich nur noch Plattenbauten und irgendwann dann Brandenburger Land. Doch inmitten der riesigen Wohnparks gibt es einen Hügel samt Mühle, an der sich ab und an die Flügel drehen. Also mal kurz aussteigen und angucken …
Die Bockwindmühle Marzahn ist eine Nachbildung. Sie erinnert an die früheren Mühlen, die es tatsächlich mal in Marzahn gab. Zu einer Zeit als Marzahn noch ein Dorf war. Heute dient sie als Vorführmühle und wer will kann hier sogar heiraten. Bei Führungen erläutern Müller und vielleicht auch Gesellen wie eine Mühle funktioniert. Wer danach mag, kann das hier produzierte Mehl oder das daraus hergestellte Brot im Mühlenladen kaufen. Vor der Mühle und am Fuße des Hofes befinden sich Tiergehege. Sie gehören zum Tierhof, der sich der Rettung bedrohter Haustierarten verschrieben hat. Reichlich Schnattervieh gibt es zu sehen und pelzige Zottelwesen, die meiner Meinung nach wie Alpakas aussehen. Aber das kann ja gar nicht sein, denn das sind ja in Deutschland keine bedrohten Haustiere. Neben den Gehegen gibt es einen Bereich mit alten landwirtschaftlichen Geräten. Gerüchte besagen, dass es hier regelmäßig Veranstaltungen gibt, die Kindern und Erwachsenen die Geschichte des bäuerlichen Marzahns näherbringen sollen. Mühle und Gehege befinden sich direkt in der Nähe des historischen Marzahns. Also wer schon so weit gekommen ist, kann sich auch gleich den ursprünglichen Dorfkern ansehen. Der steht unter Denkmalschutz und wer den Blick fest auf das Kopfsteinpflaster oder die neogotische Dorfkirche richtet und die Hochhäuser am Horizont ausblendet, wähnt sich wirklich in einem Dorf. Wer also mal auf dem Weg zu den Gärten der Welt ist, kann hier ruhig einen kleinen Zwischenstopp einlegen und eine Spur Marzahner Geschichte entdecken.


Mittwoch, 8. März 2017

Zerbrochene Steine in Spandau

Wer in Berlins Mitte wohnt, für den gilt Spandau als Bezirk ganz weit draußen mit Wasser und dörflichen Charme. Neben Klein Venedig und der Zitadelle gibt es aber selbst dort noch einiges mehr zu entdecken. Beim Spaziergang an der Havel erinnern zwei Steine und eine Mauer an die Spandauer jüdischer Herkunft.
An der Sternbergpromenade entstand 1989 das Mahnmal Lindenufer. Ins Auge fallen zuerst die zwei weißen und schwarzen Steine. Sie erinnern an die Spandauer Synagoge, die in der Pogromnacht wie viele jüdische Einrichtungen in Brand gesteckt wurde. Durch beide Steine geht ein Riss, der für die Zerstörung steht. Abseits der Promenade und ein paar Meter vom Denkmal entfernt, steht dann auch eine Informationsstele, die mehr erläutert. Abgesehen von den auffälligen Steinen umzieht das Denkmal seit 2012 eine kleine Ziegelmauer. Hier lohnt es sich, näherzutreten, denn die einzelnen Steine tragen 115 Namen. Die Steine stehen für wirkliche Personen, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft deportiert wurden, und machen aus der großen anonymen Masse der Opfer real existierende Personen. Was mich immer fasziniert, ist, wie durchdacht viele Mahnmale sind. So setzt sich die Platte, auf der die beiden Steine stehen, aus zwölf einzelnen Einheiten zusammen und symbolisiert die zwölf Jahre der NS-Herrschaft. Das Denkmal entstand nach den Entwürfen der verstorbenen Architektin Ruth  Golan-Zareh, die auch die Synagoge in der Rykestraße sanierte. Mit Religion hatte sie angeblich wenig am Hut, meiner Meinung nach verstand sie es aber sehr gut, Dingen Symbolkraft einzuhauchen. Neben dem Mahnmal ist die Sternbergpromenade mit dem Blick auf den Juliusturm und der naheliegenden Altstadt aber auch ein netter Fleck für einen kleinen Spaziergang.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Gedenken an eine gescheiterte Revolution an der Prenzlauer Allee

Was wäre der Prenzlauer Berg ohne die Bötzow-Brauerei? Dass dort nicht nur Bier, sondern auch Umsturzpläne gebraut wurden, daran erinnert ein Gedenkstein an der Kreuzung Prenzlauer Allee und Saarbrücker Straße.
Im Gegensatz zum alten Brauereigelände, das von Investoren neues Leben eingehaucht bekommt, ist der Gedenkstein so verwittert, dass die Inschrift nicht mehr zu erkennen ist. Lediglich die Plakette mit dem Bildnis eines Mannes ist ein Hinweis darauf, dass hier an jemanden erinnert wird. Aber es ist eben nicht Julius Bötzow, dem Begründer der Brauerei, sondern Karl Liebknecht. An eben jenen Ort, an dem der Stein steht, gründete sich 1919 der Revolutionsausschuss aus Mitgliedern der KPD und USPD. Ziel des Ausschusses war es, nach der Vertreibung der Regierung unter Ebert und Scheidemann, die Staatsgeschäfte zu übernehmen. Was als Novemberrevolution 1918 begann, endete in Berlin 1919 mit dem Januaraufstand, dessen Niederschlagung und der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, den Symbolfiguren des Spartakusaufstands. Der Gedenkstein wurde vom Bildhauer Otto Maerker gefertigt und 1959 aufgestellt. Dass die Inschrift historisch verklärend und pathetisch ist, lässt sich nicht abstreiten: „Karl Liebknecht – Kämpfer gegen Militarismus und Krieg führte von hier aus Kämpfe der revolutionären Arbeiter und Soldaten am 7. und 8. Januar 1919.“ Den Stein jedoch gänzlich verwittern zu lassen, sodass Unwissende nicht einmal erkennen, woran oder an wen er erinnert, ist dann aber doch ein wenig bedauerlich …

Dienstag, 13. Dezember 2016

Gedenken an die Gründungsväter der U-Bahn

Wer regelmäßig durch die Tunnel am Alexanderplatz hastet, dem sind sie bestimmt schon aufgefallen: drei bronzene Tafeln im Zwischengeschoss. Sie sind drei Männern gewidmet, die von großer Bedeutung für die Berliner U-Bahn waren.
Ab 1930 hingen zwei Gedenktafeln zu Ehren von Paul Wittig und Max Steinthal im U-Bahnhof Alexanderplatz. Paul Wittig war einer der Leiter und Mitbegründer der Berliner Hochbahngesellschaft und dementsprechend federführend bei der Entscheidung, Untergrundbahnen zu bauen. Steinthal hingegen arbeitete bei der Deutschen Bank. Heutzutage ist er eher durch seine umfangreiche Kunstsammlung bekannt, aber als es um die Finanzierung der Hochbahnen und Untergrundbahnen ging, unterstützte er die Hochbahngesellschaft als Aufsichtsratsvorsitzender. Zwei Jahre später starb Gustav Kemmann, dessen Leistungen in der grundlegenden wissenschaftlichen Ausarbeitung zum U-Bahnbau lagen. Neben praktischen Umsetzungsfragen schaffte er es jedoch auch, für das erste Betriebsjahr die genaue Fahrgastzahl zu berechnen. Damit hatte er sich eine Gedenktafel verdient, die posthum neben den anderen beiden angebracht wurde. Die Originaltafeln hielten jedoch nicht lange. Da Steinthal jüdischer Herkunft war, wurde seine unter der nationalsozialistischen Herrschaft entfernt. Die anderen beiden wurden dann während des Krieges eingeschmolzen und weiterverwertet. Anlässlich des 100. Betriebsjubiläums der U-Bahn beschloss die BVG, Repliken anzubringen, die den Originalen nachempfunden sind. So wirken die Tafeln auch ein wenig aus der Zeit gefallen, aber erinnern daran, was so manch Berliner Pendler diesen Männern zu verdanken hat …

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Eine Brücke für einen Feldherren

Die Moltkebrücke verbindet das Regierungs- mit dem Parlamentsviertel und den Tiergarten mit Moabit. Aber schon der erste Blick auf diese mit Sandstein verkleidete Brücke und ihren vielen Details zeigt, dass es bei ihrer Erbauung nicht nur darum ging, mal schnell eine praktische Verbindung über die Spree hinweg zu schaffen.
Wie der Name es schon sagt, wurde diese Brücke dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke gewidmet, der mit seinem Leitspruch „Erst wägen, dann wagen“ auch heute noch manchen bekannt ist. Er konnte deren Fertigstellung nicht mehr lebend miterleben und die Brücke wurde 1891 mit seinem Leichenzug eingeweiht. Der gesamte Dekor der Brücke steht ganz in seinem Zeichen und in der Anerkennung seiner militärischen Leistungen. Die Brücke ist bewacht von Greifen, die das Wappen der Familie von Moltke, das von Preußen, von Berlin und von Parchim, dem Geburtsort von Moltkes tragen. Auf den Balustraden befinden sich Sockel mit Kindergruppen, die die Heldentugenden verkörpern.  Auf den Schlusssteinen der Brückenbögen befinden sich neben einer Skulptur von Moltkes Kopf noch weitere bekannte militärische Feldherren wie Athene, Cäsar oder Blücher. Selbst das kleinste Detail war von Künstlern und Architekten durchdacht. Wer will, kann die Brücke als Sinnbild eines militaristischen Preußens deuten. Ich betrachte sie eher als Bauwerk, das man plötzlich mit ganz anderen Augen sieht, wenn man sich erst einmal mit dessen Geschichte auseinandergesetzt hat. Aber die Eule, die für Moltkes Weisheit stehen soll, konnte ich nicht entdecken. Im Zweiten Weltkrieg und der Besetzung Berlins war die Moltkebrücke dann hart umkämpft und wurde anschließend nur behelfsmäßig repariert. Vollständig saniert und restauriert wurde sie dann in den 80er Jahren. Als Mahnung zu Frieden und Verständigung steht einer der zerstörten Originalgreife auf der einen Seite der Brücke.