Donnerstag, 10. März 2016

Gefahr aus der Luft - Die gemeine Berliner Nebelkrähe

Die Gefahren der Großstadt sind vielfältig. Und eine war mir bisher gar nicht bewusst, bis ich am Park am Deutschen Theater vorbeikam. Denn da werden Passanten von brütenden Nebelkrähen angegriffen.
Die Gefahren, die von den Berlinern Vögeln ausgehen, beschränkten sich für mich bisher immer darauf, bei großen Schwärmen aus Sorge um mögliche Ausscheidungen in Deckung zu gehen oder vorzeitig durch Gezwitscher geweckt zu werden. Aber tatsächlich gibt es Vogelarten, die sich in der Brutzeit von vorbeikommenden Menschen gestört fühlen und diese aggressiv anfliegen. Eine fast ein Kilogramm schwere Nebelkrähe kann für den einen oder anderen schon sehr unangenehm werden. Daher sind in den Gebieten Berlins, wo diese cleveren Federviecher brüten, Warnschilder verteilt. Eigentlich zeigen die vielen Vogelarten in Berlin aber, dass die Stadt neben Beton und Smog noch allerlei Rückzugsorte für Tiere zu bieten hat. An die 186 verschiedene Vogelarten gibt es in Berlin. Neben den üblichen Verdächtigen wie Spatz, Taube, Möwe und Co sind darunter auch einige seltener in der Stadt anzutreffende Exemplare wie Turmfalken oder Habichte zu entdecken. Zweimal im Jahr lädt der NABU auch Laien zur Zählung ein. Mir reichen aber die Amseln, Nachtigallen und all das Gezwitscher vom nahe gelegenen Friedhof. Da gibt es auch keine Warnschilder wegen angreifender Krähen.

Dienstag, 8. März 2016

Das würgende Pferd am Hauptbahnhof

Pferde können sich aufgrund ihrer Anatomie nur sehr schwer übergeben. Wenn sie es dann doch tun, würden sie vielleicht so aussehen, wie das Rolling Horse am Hauptbahnhof. Der Hauptbahnhof ist ein Berliner Kapitel für sich mit seinen Bauverzögerungen, Fehlkonstruktionen, abstürzenden Stahlträgern und zu kurzem Dach, aber trotz aller Kritik, finde ich das Rolling Horse durchaus sehenswert.
Die Skulptur des Bildhauers Jürgen Goertz steht auf der Terrasse am Europaplatz und ist mit einer Höhe von fast zehn Metern gut zu sehen. Aus Edelstahl, Aluminium, Kunststoff, Glas und Stein gemacht, glänzt das Pferd im Sonnenlicht und wirkt kühl-modern. Die Skulptur soll eine Brücke zwischen den Anfängen der Mobilität hin zum neuen Hauptbahnhof darstellen. In Bullaugen unter der Skulptur sind einige Stücke des früheren Lehrter Bahnhofs zu sehen. Wer das riesige Schaukelpferd, das eine Mischung aus Pferd und Rad ist, nicht mag, befindet sich in guter Gesellschaft. Denn die Kritik bezeichnet dieses Kunstwerk als provinziell, und dass das Rolling Horse einem Stück des Künstlers in Heidelberg sehr ähnelt, scheint nicht unbedingt von Kreativität zu zeugen. Aber in diesem Niemandsland rund um den Hauptbahnhof kann ein wenig öffentliche Kunst eigentlich nicht schaden.

Donnerstag, 25. Februar 2016

Einer der letzten Wachtürme

Das Berlin einmal geteilt war, weiß nun wirklich die ganze Welt. Authentische Spuren der Mauer sind aber nur noch wenige erhalten geblieben. Abseits der bunten Touristenattraktionen wie der East Side Gallery oder Checkpoint Charlie gibt es aber noch ein paar weniger schmucke Reste, die eher der Wirklichkeit einer geteilten Stadt entsprechen. Der Wachturm an der Kieler Straße am Spandauer Schifffahrtskanal gehört dazu.
Der triste graue Betonklotz steht an der Ecke der Kieler Straße und wirkt fast verloren neben den Neubauten aus den 90er Jahren. Es ist einer der drei noch erhaltenen Mauerwachtürme. Eigentlich sollte er abgerissen werden, doch Jürgen Litfin gelang es, den Bau als Gedenkstätte zu sichern. In Erinnerung an seinen Bruder befindet sich eine kleine Ausstellung zur Mauer und DDR im Inneren des Turms. Wie nötig diese kleinen Leuchtfeuer des Erinnerns sind, zeigt sich darin, dass für den Besuch eine Voranmeldung empfohlen wird, da sonst aufgrund der Besucherströme keine Möglichkeit besteht, den Turm und die Ausstellung zu besichtigen. Im Gegensatz zu manch anderen fast zu Attraktionen verkommenen Museen bezahlen hier Besucher keinen Eintritt, wie wohl der Verein für Spenden dankbar ist. Der Wachturm und seine Ausstellung sind den Opfern der SED-Diktatur gewidmet und im Besonderen gedenken sie dem ersten Opfer gezielter Schüsse an der Mauer: Günter Litfin. Ab März steht er Besuchern nach der Winterpause wieder offen.

Mittwoch, 17. Februar 2016

Ein bisschen Frieden in der Großen Hamburger Straße

Ich mag Street-Art und ich mag Mosaike. An der Großen Hamburger Straße kommt beides zusammen. Da gibt es die Friedenswand zu entdecken.
Das Prinzip des Friedensmosaiks ist eine Initiative des Unternehmens CITYArts und soll ein Symbol für Frieden und Hoffnung sein. Es gibt fünf Friedenswände, neben Berlin auch in London, New York, Tel Aviv und in Pakistan. Bei der Entstehung arbeiten Kinder, Jugendliche und Künstler zusammen und versuchen den Begriff Frieden in ein Bild zu fassen. 

Die Friedenswand in Berlin entstand 2013. Die bunte Wand ist ein kleiner Hoffnungsstrahl direkt neben dem ehemaligen jüdischen Friedhof. Unten am Sockel befinden sich einzelne Fliesen mit Kinderzeichnungen zum Thema Frieden aus der ganzen Welt.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Möbel als Denkmal am Koppenplatz

Wer sich mal in die Nähe des Koppenplatzes verirrt, sollte sich auf eine Bank in der Grünanlage setzen (es Park zu nennen, wäre übertrieben) und seinen Blick schweifen lassen. Denn am Koppenplatz liegen mehrere denkmalgeschützte Gebäude, ein Denkmal zu Ehren des Ratsherren Koppe und „Der verlassene Raum“.
Der verlassene Raum ist ein Denkmal des Künstlers Karl Biedermann, das unaufdringlich und undramatisch an die deportierten Juden Berlins erinnert. Rund um den Koppenplatz boomte sozusagen das jüdische Leben Berlins bis zum Nationalsozialismus. Das Denkmal verdeutlicht, wie abrupt für viele deportierte Juden das normale Leben endete. Es besteht aus einem Tisch und zwei Stühlen. Der eine Stuhl ist wie in Eile umgeworfen. Die eingelassene Bodenplatte, auf der das Ensemble steht, ist mit einem Fries des Gedichts „Oh die Schornsteine“ von Nelly Sachs umfasst. Das Denkmal zeigt, dass Erinnern nicht immer nur monumental und pompös sein muss, sondern auch auf leise Weise beeindrucken kann. Der Koppenplatz an sich ist natürlich schon viel älter und sein Name erinnert an Christian Koppe. Der schenkte dieses Grundstück im 18. Jahrhundert der Städtischen Armenverwaltung, sodass diese das Land für einen Armenfriedhof und ein Armenhaus nutzen konnte. Haus und Friedhof mussten im Laufe der Zeit der Stadtentwicklung weichen. Aber über Koppes Grab, der sich auch auf diesem Friedhof bestatten ließ, steht heute ihm zu Ehren ein Denkmal vom Architekten Stüler. Es befindet sich an Hauswand und es ist mit den Säulen kaum zu übersehen.  Wer sich dann noch für Architektur interessiert, kann noch vieles mehr entdecken oder nach einer kurzen Pause weiterziehen …

Donnerstag, 28. Januar 2016

Wünsch dir was auf der Gertraudenbrücke

Die Gertraudenbrücke am Spittelmarkt ist nicht unbedingt ein Hotspot für Berlintouristen. Dabei gibt es dort einen drei Meter hohen Glücksbringer: Die Bronzeplastik der Heiligen Gertraude.
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert steht die Figur der Heiligen Gertraude oder auch Gertrud genannt auf der Brücke. Die Gertraudenbrücke hat ihren Namen von einem im 15. Jahrhundert gegründeten Gertraudenhospital, das sich in der Nähe befand. Da ist es nur naheliegend gewesen, auf dieser Brücke eine Statue der Schutzpatronin der Wanderer und Armenspitäler zu positionieren. Die Heilige reicht einem Reisenden ein Getränk und die Inschrift erinnert daran, dass sie den Armen im Land eine Hand reiche. Die Figur überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet im Märkischen Museum und steht seit den 50ern wieder an ihrem Platz. Ein echter Hingucker sind die Ratten und Mäuse um den Sockel der Figur herum. Sie sind sehr fein gearbeitet und genau in Augenhöhe. Da die heilige Gertraude auch als Schutzpatronin der Saat gilt, fliehen die felligen Nager von der Figur weg und symbolisieren so ihren Schutz der Ernte. Eine der Mäuse ist golden blank poliert. Das ist kein Kunstgriff des Bildhauers Rudolf Siemerings, sondern darin begründet, dass es Glück bringen soll, wenn man den Kopf der Maus berührt. Andere Legenden besagen, dass das Berühren der Maus dazu führt, dass einem das Geld nicht ausgeht oder dass einem ein Wunsch erfüllt wird. Also für alle, die keine Angst vor Grippe und Co haben, auf geht’s zum Mäuserubbeln …

Dienstag, 19. Januar 2016

Schein und Sein - Das Axel Springer Haus

Zentrum der deutschen Zeitungsgeschichte war Berlin nie. Hamburg oder andere Städte hatten da weitaus fleißigere Leser und Verleger. Aber auch in Berlin wurde allerhand Wichtiges publiziert. Als Berliner Zeitungsviertel schon seit den Anfängen des Zeitungswesens gilt der Bereich um die heutige Rudi-Dutschke-Straße. Dort steht, schwer zu übersehen, auch das Axel Springer Haus, Heimstatt der Bild- und Welt-Redaktionen.
Das Gebäude wurde 1966 nur einen Steinwurf von der Mauer entfernt eröffnet. Mit einer Höhe von 78 Metern war es bis zum Bau des Fernsehturms das höchste Gebäude in Berlin Mitte. Heute ist es nur eines der vielen anderen Hochhäuser … Zwei Skulpturen um das Haus herum erinnern an die deutsche Einheit: der „Balanceakt“ von Stephan Balkenhol und die „Väter der Einheit“ vom Künstler Serge Mangin. Der Balanceakt an der Axel-Springer-Straße zeigt einen Mann auf einer Mauer balancierend. Anlässlich des 50. Jahrestags der Grundsteinlegung des Hochhauses soll die Skulptur an das Eintreten Axel Springers für die Deutsche Einheit und die Nähe des Baus zur Mauer erinnern … Um diese Figur herum stehen elf originale Mauerstücke. Die „Väter der Einheit“ befinden sich an der Rudi-Dutschke-Seite und zeigen die Köpfe von Kohl, Bush und Gorbatschow, gewissermaßen als wesentliche Akteure der Wiedervereinigung. Fast unauffällig hingegen sind die roten Pflastersteinreihen auf der Rudi-Dutschke-Straße. Sie zeichnen den Grundriss der Jerusalemkirche nach, die im Zweiten Weltkrieg zerstört und für den Bau des Hochhauses endgültig abgerissen wurde. Man kann zu den Produkten des Axel Springer Verlages sagen, was man will, aber zumindest gibt es auf dem Gelände rund um das Hochhaus einiges zu entdecken.