Freitag, 23. Februar 2018

Wo Wanderer und Skifahrer sich gute Nacht sagen – Urlaub in Grainau


Im tiefsten Oberbayern wartete ein kleines Dorf darauf, von mir entdeckt zu werden: Grainau. Na gut, der Ort ist jetzt wirklich kein Geheimtipp. Denn er liegt direkt an der Zugspitze und ist ein ideales Ziel für Skifahrer im Winter und Wanderer zu allen Jahreszeiten. Aber, da meine Knie beim Skifahren schmerzen und ich keine passenden Wanderstiefel habe, ist das die Gelegenheit gewesen, die Region mal abseits der Pisten und Wanderwege zu entdecken.

Pflichtprogramm: die Zugspitze
Wer schon in der Nähe ist, darf sich die Fahrt auf die Zugspitze nicht entgehen lassen. Mit der neuen Seilbahn dauert die Fahrt nur zehn Minuten. Das Anstehen für die Gondeln dauert länger als das Hinauffahren. Schmerzhaft ist vor allem der Preis für eine Fahrt hoch und hinunter. Die kostet 45 Euro. Dafür gibt es dann oben, sofern das Wetter mitmacht, einen Blick auf Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und allerhand Berge. Momentan bauen die Betreiber auf der deutschen Seite ihr gastronomisches Angebot aus. Das bedeutet, dass der Rundumblick eingeschränkt ist. Aber auf der österreichischen Seite lässt es sich genauso gut gucken. Warum auch immer, sind dort auch weniger Leute und so hatten wir ausgiebig Platz und Ruhe, um die ameisengroßen Skifahrer zu beobachten und die frische Luft zu genießen.

Ausflug nach Hohenschwangau
Nur eine Stunde Fahrtzeit von Grainau entfernt liegt das Schloss Neuschwanstein. Von weiten ist es schon zu sehen und – wie drücke ich es höflich aus – aus der Ferne sieht es auch am schönsten aus. Der Besuch an sich ist durchgetaktet, denn wenn ich schon einmal da bin, möchte ich auch eine Führung mitmachen. Nur durch eine Führung kommt man auch in das Schlossinnere. Wer lediglich die Außenfassade und die Natur drum herum bestaunen will, braucht keinen Eintritt zu bezahlen. Tatsächlich begeistert mich am meisten der Weg hinauf, ein kleiner Wasserfall am Wegesrand, der Ausblick über das unter einem liegende Dörfchen und über allem ragt das weiße Schloss. Aber die Idylle ist durchbrochen von den Touristenströmen, die sich selbst im Winter den Weg hinaufmachen, um dann vor dem Schloss auf das für ihre Führung zugedachte Zeitfenster zu warten. Die Führung ist zackig. In dreißig Minuten bekommen wir die technischen Errungenschaften und den ausufernden Dekorationsstil gezeigt und erklärt. Fotos sind nicht erlaubt. Meine persönlichen Highlights waren der Thronsaal mit einer blauen Kuppel und einem aufwendigen Mosaik und die Tropfsteinhöhle. Für Fans der religiösen Einrichtung und der Symbolik ist die Führung auf jeden Fall empfehlenswert.

Direkt nebenan: Garmisch-Partenkirchen
In Garmisch-Partenkirchen lohnt es sich selbst für Uninteressierte, einen Blick auf die Skisprungschanze zu werfen (nicht nur wegen des Cafés direkt am Gelände, das üppige und zufriedenstellende Kuchenstücke nebst wirscher Bedienung serviert). 1936 für die Olympischen Winterspiele gebaut, findet hier alljährlich das Neujahrspringen der Vierschanzentournee statt. Wir hatten das Glück den Nachwuchs beim Üben zusehen zu können: verrückte, kleine Kinder, die sich freiwillig von der Schanze stürzen … Für mich sah das schon sehr professionell aus und selbst meine sporterfahrenen Begleiter haben wohlwollend genickt. Die Tribünen rund um die Schanzen spiegeln mit ihren Figuren das Pathetische des Olympiade-Gedankens wider und wer Lust hat, kann eine Ausstellung zum Stadion direkt vor Ort besuchen. Sowohl in Grainau als auch in Garmisch-Partenkirchen gibt es Klammen. Enge Schluchten, durch die sich ein Bach windet. Die Partnachklamm ist nur wenige Gehminuten vom Stadion entfernt, aber meine fehlenden Wanderstiefel verhinderten leider einen Besuch.
Aber mein Schuhwerk und meine Motivation reichten für den Besuch des Michael-Ende-Kurparks. Michael Ende wurde in Garmisch-Partenkirchen geboren und seine bekanntesten Werke sind die Unendliche Geschichte und Momo. Wer die Unendliche Geschichte mag, trifft im Park auf bekannte Gestalten. Eine von Schnee bedeckte Morla oder ein Snack des Steinbeißers lassen sich entdecken, aber auch andere Figuren aus Endes Werken sind vorhanden. Im Winter ist der Park etwas trüb, der Frühling und der Sommer sind wohl die besten Zeiten, um ihn zu besuchen.

Kunst in Murnau
Urlaub ohne Museum geht bei mir nicht. Die Region ist bekannt dafür, die Künstler des Blauen Reiter zu verschiedenen Werken inspiriert zu haben. Auf zu den Blauen Reitern, den deutschen Expressionisten! In Murnau widmet sich das Schlossmuseum dieser Künstlergruppe und speziell den Werken Gabriele Münters. Für das gesamte Ausstellungsprogramm samt Sonderausstellung kostet der Eintritt 9,50 €. Es gibt sogar Audioguides, wie ich leider erst beim Verlassen herausfand. Die lohnen sich vor allem für diejenigen, die mehr über die einzelnen Kunstwerke wissen wollen. An den Bildern direkt gibt es keine Erklärungen. Neben Kunst widmet sich das Museum auch der Geschichte Murnaus und der Region. Hier sind reichlich Erklärungstafeln, aber das Einzige, was bei mir hängen geblieben ist, ist die einzigartige Moorlandschaft. Das Gebäude in seiner Architektur geht zurück bis in das 13. Jahrhundert und in einzelnen Räumen sind Steinwände und Streben und verleihen der Ausstellung ein besonderes Ambiente.

Käsespätzle und Germknödel
Es lässt sich nicht leugnen, bayerisches Essen ist lecker. An jeder Ecke gibt es was Feines zu futtern. Aber abgesehen von den Klassikern hat ein Restaurant in Garmisch mit seiner Cross-over-Küche einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Im Maroni am Mohrenplatz gibt es regionale und asiatische Küche nach dem Motto Steiermark berührt Asien. Während die Fleischesser unter uns sich an Schnitzel und Tatar ergötzten, freute ich mich über Käferbohnen und Kürbiskernpesto. Allerdings sind die Preise etwas gehobener, was aber durch die Qualität und dem wirklich freundlichen Personal gerechtfertigt ist.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Craft Beer Entdeckungstour durch Friedrichshain


Untergärig, obergärig, IBU oder Einmaischen sind in meiner Welt Begriffe, die irgendwas mit Bier zu tun haben. Wer jetzt über mein Unwissen mitleidig den Kopf schüttelt, der ist bei der Berlin Craft Beer Experience genau richtig. Auf dieser Tour führen motivierte Craft Beer-Kenner durch die Craft Beer Szene Friedrichshain.
Der Einstieg in die Craft Beer Tour war gelungen, denn die weiteren angemeldeten Personen tauchten nicht auf und so hatten wir unsere Tour-Leiterin ganz für uns. Ein Manko für mich war, dass die Tour auf Englisch war. Selbst die deutschen Begriffe rund um das Bierbrauen und Biertrinken sind für mich schwer verständlich, im Englischen gestaltete sich das Ganze als lustige Ratepartie, was sie meinen könnte. Macht nichts, meine Begleiter verstanden unseren Guide super und vermittelten mir die Fachbegriffe, auch wenn davon ehrlicherweise kaum etwas hängen geblieben ist. Aber jetzt zur eigentlichen Tour: Auf dem Plan stehen je nachdem, wie voll die Craft Beer Bars und Pubs sind, drei bis vier Locations. Los ging es im „Straßenbräu“ in der Neuen Bahnhofsstraße mit sechs verschiedenen Craft Beers. Von mildem an Pils erinnernden bis hin zu nach Weihnachten schmeckendem Bier gab es für mich die erste Laien-Erkenntnis: Bier ist nicht gleich Bier. Die Erläuterungen unserer Bier-Sommelière taten ihr Übriges. Es geht nicht nur ums Schmecken, nein genauso wichtig sind das Aussehen und der Geruch. Wahre Meister können wohl anhand des Geruchs sagen, aus welcher Region der Hopfen kommt. Ich bin froh, wenn ich den Hopfen riechen kann … Im Straßenbräu gibt es diverse Craft Beer Sorten, selbst gebraute Biere und Gastbiere, die je nach Saison auch wechseln. Hier steht das Bier im Mittelpunkt und die Brauanlage ist in den Gastraum integriert, wie auch unterschiedliche Grafiken und Bilder, die sich um das Thema Bier drehen. Zu den Kostproben gibt es Salzstangen und eine wichtige hilfreiche Erkenntnis der ersten Stunde ist, dass es durchaus sinnvoll ist, vor einer Craft Beer Tour noch einmal kräftig zu essen. 
Unser zweiter Stopp ist überlaufen, also geht es weiter zum Salami Social Club in der Frankfurter Allee. Wie es dort drinnen aussieht, kann ich nicht beurteilen, denn es war einfach zu voll. Es gibt Pizza und Craft Beer vom Fass oder aus der Flasche. Wer sich für Pizza begeistert, sollte hier unbedingt mal vorbeischauen. Auf der Karte stehen nicht die üblichen Verdächtigen, sondern allerlei interessante Kombinationen mit Kürbis, Kartoffeln und Co. Die Pizza schmeckt so gut, dass eine weitere gekauft wird. Dazu passt das angebotene Craft Beer tatsächlich. Unser letzter Stopp ist dann das Tentación in der Scharnweberstraße. Ein gelungener Ausklang, denn jetzt werden die klassischen Craft Beer Spielereien mit verschiedenen Hopfensorten, Kräutern und Früchten um internationale Zutaten erweitert. Im Tentación braut die Hausherrin selbst und das Bier hat einen mexikanischen Einschlag wie beispielsweise Agave. Auch hier gibt es einen kleinen Snack zu den Anekdoten über die deutsche Brauereiszene und Sauerbier, aber leider ohne Sirup.
Mein Fazit: Diese Tour lohnt sich für alle Bierfans. Für 40 Euro gibt es drei Stunden lang einen Einblick in die Bierszene Friedrichshains, viel Wissen rund ums Bier, viel Bier und ein wenig zu essen.