Mittwoch, 26. Juli 2017

Lust auf Schmalzstulle, Bier und Berliner Charme?

Wer in Pankow sein Feierabendbier in netter Atmosphäre genießen will, sollte mal in Pankows ältester Kneipe, der Eiche, vorbeischauen. Dort gibt es neben klassischem Bier und Craft Beer auch urigen Berliner Charme.
In Pankow kann man gut essen gehen und Kinder groß ziehen. Die eine oder andere Kneipe, in der es sich entspannt trinken lässt, gibt es aber auch. Ein gutes Beispiel ist die Eiche in der Wollankstraße. Sie gilt als älteste Kneipe in Pankow und ist seit 1903 geöffnet. Seit 2013 hat sie neue Besitzer und bietet viel Bier aus der Region und Kornbrand-Drinks aus dem Einmachglas. Dazu gibt es kleine und große Snacks wie eine Berliner Platte voller Spezialitäten aus Mutters Küche oder Flammkuchen. Der Charme einer schnoddrigen Bedienung ist inklusive. Wenn es regnen sollte, bietet der Innenbereich mit viel Holz und alten Werbeplakaten ein rustikales Ambiente und bei schönem Wetter lässt es sich draußen sitzen. Warum das Ganze Eiche heißt, hat sich mir nicht erschlossen, steht doch die älteste Eiche Pankows in der Waldstraße und nicht mal in der Nähe des Lokals. Letztendlich lohnt es sich vor allem für Pankower oder Bierfans in der Bürgerstube, wie der Beiname der Eiche ist, mal vorbeizuschauen. Aber Vorsicht bei der Bestellung: Die herbe Art der Bedienung muss man sich erst mal warm trinken …

Mittwoch, 5. Juli 2017

Kirschschnaps und Entdecker in Lissabon

Lissabon, Portugals Hauptstadt, stand bisher nicht auf meiner Liste der sehenswürdigen europäischen Städte. Dementsprechend stellte ich bei meinem ersten Besuch auch keine großen Erwartungen an die Stadt und wurde dafür mit leckerem portugiesischem Essen und beeindruckenden Gebäuden und Ausblicken belohnt.
Um einen ersten Eindruck von Lissabon zu bekommen, reicht ein Wochenende aus, aber die Stadt bietet vieles, was einen erneuten Besuch lohnt. Als Berliner ist es ungewohnt, sich per Fuß durch die hügeligen und engen Gassen zu bewegen und eines meiner persönlichen Highlights war daher auch die Tuk Tuk-Tour, auf der uns der Fahrer die Sehenswürdigkeiten Lissabons zeigte. Den besten Ausblick hatten wir vom Castelo de Sao Jorge und dem fast entgegengesetzten Ende der Stadt liegenden Parque Eduardo. 
Aber selbst im Untergrund im Bahnhof Oriente erfreut sich das Auge an schönen Aussichten: Zwar ist an so ziemlich jedem Gebäude in Lissabon Kachelkunst zu finden, aber auf dem Bahnhof haben anlässlich der Weltausstellung 1998 viele Künstler einzelne Wände gestaltet. Also Grund genug mal mit der U-Bahn zu fahren.

Fisch und Ginjinha
Typisches Essen in Lissabon ist natürlich Fisch, vor allem der Stockfisch, in Portugiesisch bacalhau. Als Vegetarier haut mich toter Fisch oder eine aus unterschiedlichen Fleischsorten bestehende Wurst (Alheira de Mirandela) mit Pommes und Spiegelei nicht wirklich vom Hocker. Aber viele Restaurants haben sich schon auf Vegetarier und sogar Veganer eingestellt. Eine tolle Auswahl an typisch Lissaboner Gerichten wurde uns im am Fadomuseum angeschlossenen Restaurant geboten. Dazu gab es Fadogesänge gratis. Das hat Ambiente. 
In den wenigen Tagen habe ich jedoch auch festgestellt, dass es sich nicht lohnt, Pommes in Lissabon zu essen – keine Ahnung, woran es liegt, aber die Pommes waren immer halb roh und wurden mit merkwürdigen Soßenkombinationen serviert. Eine weitere Eigenart, die mir persönlich nicht unbedingt zugesagt hat, ist der Koriander: Überall war Koriander drin, abgesehen von den Desserts. Apropos Dessert: Pflichtprogramm in Lissabon sind die Pasteis. Das sind Puddingtörtchen. Zum Abschluss gibt es dann noch einen Ghinjinha. Diesen Kirschlikör gibt es an so ziemlich jeder Straßenecke und schmeckt immer wieder anders.

Erdbeben und Nelkenrevolution
Das große Erdbeben von Lissabon 1755 hinterließ in der Stadt eine unglaubliche Zerstörung. Davon ist heute natürlich nichts mehr zu sehen. Aber ein Mahnmal dieser Naturkatastrophe ist das Convento do Carmo. Das ehemalige Karmeliter-Kloster wurde beim Erdbeben zerstört und nur ein Flügel wurde wieder aufgebaut. Das Kirchenschiff blieb ohne Dach und beherbergt heute eine archäologische Ausstellung. Aber nicht nur die Ruine ist bedeutungsschwer, sondern auch der Platz davor. Denn auf dem Largo do Carmo endete die Nelkenrevolution friedlich. Der wieder aufgebaute Flügel des Klosters wurde nämlich das Hauptquartier der portugiesischen Nationalgarde, in das sich der damalige Ministerpräsident Marcelo Caetano vor der Revolution flüchtete. Vom Balkon dieses Gebäudes aus erklärte er seinen Rücktritt und der Weg war offen für ein freies Portugal. Der Platz und die Klosterruine liegen geradezu idyllisch etwas abseits der Touristenmassen und eignen sich gut für eine kleine Kaffeepause, um dieses historische Ambiente wirken zu lassen.

Die großen Entdecker
Was wäre Portugal ohne die Seefahrt? In Lissabon sind die unterschiedlichsten kulturellen Einflüsse in jedem Straßenzug zu erkennen und als Tourist gehört die Würdigung der portugiesischen Entdecker in Form eines Besuches des Entdeckerdenkmals einfach dazu. Das Padrao dos Descobrimentos ist über 50 Meter hoch und der Kalkstein blendet schon von Weitem. An den Seiten dieses, ich nenne es mal Turm, sind 16 wichtige Persönlichkeiten der Seefahrt stilisiert und oben auf der Plattform gibt es eine perfekte Sicht auf das Hieronymuskloster. Die Architektur dieses Klosters ist ein Paradebeispiel für den manuelistischen Stil: verschnörkelt, detailreich und oft mit nautischen Motiven. Von oben lässt sich auch erst richtig gut die Windrose auf dem Platz vor dem Denkmal erkennen. Wer noch Lust hat, sollte nach dem Aufstieg (es gibt auch einen Fahrstuhl) ins Kloster gehen und das Grabmal Vasco da Gamas einen Besuch abstatten.

Und sonst so?
Was ich auf jeden Fall noch empfehlen kann, ist ein Tagesausflug nach Sintra. Dieses Örtchen hat die Anerkennung als Naturerbe und Kulturerbe der UNESCO eindeutig verdient. Lauter verträumte Schlösser und Burgen und ein märchenhafter Park. In der Parkanlage Quinta da Regaleira gibt es Türmchen und Grotten und ganz viel Grün.
Übrigens wird Lissabon geradezu überflutet von Touristen. Ein Vorteil für die Wirtschaft und ein Nachteil für die echten Lissaboner, die sich kaum mehr ihre Wohnungen leisten können. Kommt einem als Berliner bekannt vor, nur dass es in Lissabon kaum einen Schutz der ursprünglichen Mieter vor Airbnb und anderen ähnlichen Plattformen gibt. Wer es sich also leisten kann, sollte ein Hotel zur Übernachtung buchen oder auf Couchsurfing zurückgreifen.