Sonntag, 30. August 2015

Der Louvre – viel mehr als die Mona Lisa

Wer in Paris ist und sich auch nur ansatzweise für Kunst, Bilder oder Skulpturen interessiert, darf den Louvre nicht verpassen. Es heißt, um alle Ausstellungsobjekte im drittgrößten Museum der Welt zu sehen, bräuchte man neun Monate. Aber es interessiert sich auch nicht jeder für etruskische Tonwaren…

Marly-Hof


15 Euro Eintritt kostet der Spaß sich bis zur Mona Lisa durchzukämpfen. Die Massen davor zu sehen und dann enttäuscht zu entdecken, wie klein das berühmteste Gemälde der Welt ist. Audioguides kosten extra, sind aber ratsam, da die Ausstellungsstücke mager ausgezeichnet sind. Wer nur gucken will, kann sich auch einen kostenlosen Lageplan holen. Der ist grundsätzlich zu empfehlen, denn auf drei Ebenen und drei Gebäudeflügeln verliert man schnell den Überblick. Die Lagepläne gibt es auch auf Deutsch und sie zeigen alle Räume farblich markiert nach Epochen und für Zielorientierte sind die bekanntesten Werke markiert. Der Audioguide ist mitunter unbeabsichtigt unterhaltsam: Wir standen mehrmals vor einem Bild und haben uns dessen Entstehungsgeschichte angehört und erst bei der Beschreibung fiel uns auf, dass das beschriebene Bild hinter uns, rechts oder links neben uns oder gar nicht da war. Die Highlights, die man gesehen haben muss, sind ganz klar die geheimnisvoll lächelnde Dame von DaVinci, die Venus ohne Arm (mit der offiziellen Bezeichnung Venus von Milo) und die Nike von Samothrake. Danach kann man sich treiben lassen oder seinen persönlichen Vorlieben nachgehen. 

Junge christliche Märtyrerin

Direkt gegenüber von der Mona Lisa ist die „Hochzeit zu Kanaan“, das größte Gemälde im Louvre. Es ist sehr detailreich und wir haben uns den Spaß gemacht, die Tiere zu finden, denn davon gibt es neben der Hochzeitsgesellschaft nicht wenige: Mäuse, Katzen, Hunde, Vögel… Immer wieder stolpert man über Gemälde, die einem in den Bann ziehen. Für mich war es die „Junge christliche Märtyrerin“ von Paul Delaroche. Das Gemälde zeigt eine christliche Märtyrerin im Tiber. Das moderne Deckengemälde von Cy Twombly begeisterte mich mehr als manch alter Schinken. Das strahlende Blau und die großen Planeten sind eine angenehm frische Abwechslung zu dem pompösen Deckenschmuck in den anderen Räumen. Kommt man in den Marly-Hof, sieht es aus als wäre man unter freiem Himmel, aber es ist nur künstliches Licht und es gibt eine Glasdecke. Zu sehen gibt es dort französische Skulpturen, die für den Außenbereich gedacht waren und durch den Aufbau des Hofes so wirken, als würden sie draußen stehen. Im „Keller“ gibt es Teile der ursprünglichen Louvremauer zu sehen – schließlich war der Louvre eigentlich eine Festung. 



Im Erdgeschoss etwas versteckt sind im Porte des Lions afrikanische, südamerikanische und ozeanische Kunstwerke zu sehen. Dort war es richtig leer, so dass ich ganz in Ruhe aussuchen konnte, welches Stück am besten in meinen zukünftigen Garten passen würde. Der Hauptteil des Louvre ist der europäischen Kunst gewidmet. Und es ist eigentlich immer voll. Wir waren sehr früh da und mussten wirklich nur zehn Minuten anstehen. Aber wer keine Lust auf Warten hat, kann sich die Karten auch online vorab kaufen. Wer zwischen Oktober und März in den Louvre will, sollte auf den ersten Sonntag des Monats warten, denn da ist der Eintritt frei. Dienstags ist geschlossen. 

Donnerstag, 27. August 2015

Urlaub in Paris – Erste Lektionen

Es geht ja hartnäckig das Gerücht um, dass es neben Berlin auch andere sehenswerte Städte gibt. Nun muss ich tatsächlich eingestehen, dass Paris dazu gehört. Das war mein erster und hoffentlich nicht letzter Besuch in der Hauptstadt der Weintrinker und Baguette-Esser.



Ganz abgesehen von den klassischen Sehenswürdigkeiten ist Urlaub in einem anderen Land schon deswegen spannend, weil manches ganz anders läuft als zu Hause. Beim französischen Nachbarn sind das natürlich nur Kleinigkeiten, aber einige könnte man in Berlin ruhig übernehmen.
Metropreise
Paris hat die viertälteste U-Bahn Europas. Die Metro fährt überall hin und hat 303 Stationen. Die Berliner hat nur 173… Beeindruckend ist aber vielmehr, wie günstig die Metro ist. Fast durch die ganze Stadt für 1,70 Euro. Unglaublich! In Berlin kriegt man dafür eine Kurzstrecke… Ansonsten hat die Metro diesen typischen Großstadtcharme, etwas verranzt und voll. Die Automaten und die Ansage sind bequemerweise in Deutsch.
August ist Ferienmonat und Montags ist Sonntags
Keine Ahnung wie die Schulferien in Frankreich sind, und ob im August wirklich Ferien in Paris sind. Fest steht, dass sehr viele kleine Läden und Restaurants zu hatten, um zu renovieren. Morgens um halb zehn hat man generell fast nur Touris gesehen. Wer also die Wahl hat, sollte nicht diesen Monat wählen, um Paris zu entdecken. Das volle Touriprogramm ist schon möglich, denn die Museen haben natürlich offen, aber so richtig voll hat sich die Stadt nicht angefühlt. Etwas verwirrend sind die Öffnungszeiten der kleinen Boutiquen und Läden. Übers Wochenende geschlossen, am Montag zu und dann am Dienstag alles plötzlich offen. Für Späti-gewöhnte Berliner ist das gewöhnungsbedürftig.
Getrennte Toiletten
Klar, das kennt jeder, der mal Deutschland verlassen hat: Dusche und WC getrennt. Eine super Idee. Aber warum gibt es in der Toilette kein Waschbecken? Waschen Pariser sich nicht die Hände nach einer Sitzung? Gibt’s deswegen immer nur Küsschen auf die Wange und kein Händeschütteln?
Pfui Chlorwasser
Der luxusverwöhnte Berliner trinkt sein Wasser aus dem Hahn. Rohrperle sozusagen. Das geht in Paris leider nicht, es sei denn man mag den salzigen Geschmack von Chlor. Auch das stille Wasser ist sehr salzig, da hilft bei sensiblen Geschmacksknospen nur der Griff zu Evian oder Volvic.
Freundliche Pariser
Das Klischee vom Franzosen, der unhöflich auf Französisch weiter schwadroniert, wenn man kein Wort versteht, haben wir nicht erlebt. Alle waren super freundlich und kommunizierten mit uns auf Englisch und manchmal sogar auf Deutsch. Etwas unheimlich war, dass die deutschen Brocken, die sie kannten „Frühstück“ und „Ausweis bitte“ waren. Allerdings waren gerade die Museen weit weniger globalisiert. Audioguides gab es in diversen Sprachen, aber ohne die wäre man auch aufgeschmissen. Alle Tafeln und Beschriftungen zu Ausstellungsobjekten waren durchweg nur auf Französisch, nicht mal Englisch als zweite Sprache…

Dienstag, 25. August 2015

Arabisch brunchen im Qadmous

Sonntags ist der ideale Tag, um auswärts zu frühstücken. Am besten mit Buffet, so dass man ganz viele unterschiedliche Sachen ausprobieren kann... Einen arabisch-libanesischen Brunch gibt es im Qadmous.



Das Restaurant liegt direkt gegenüber vom Volkspark Friedrichshain in Berlin Mitte. Ideal um nach der Schlemmerei einen kleinen oder großen Spaziergang zu machen. Direkt vor dem Außenbereich ist eine Haltestelle des 200er Busses, kann stören, ist mir aber während des Essens nicht negativ aufgefallen. Für die mit einem weiteren Anweg, ist die Haltestelle Am Friedrichshain gerade praktisch...  Und nun zum wichtigsten: Das Essen. Es gibt zum Brunch wirklich nur arabisches Essen. Lecker Falafel zum Frühstück. Wer Brot und Marmelade braucht, ist hier falsch. Wer arabische Küche ausprobieren will und herzhaft mag, wird hier glücklich. Es gibt eine große Auswahl an warmen und kalten Speisen, von denen ich meist gar nicht die Namen weiß. Teigtaschen gefüllt mit Fleisch, Käse oder Gemüse, Couscous natürlich, eingelegtes Gemüse und Salate, Hummus und viele andere Sachen. Die Schwierigkeit ist, dass keine Schildchen dem Unerfahrenen erklären, was was ist. Es stehen zwar immer hilfsbereite Kellner bereit, aber es ist trotzdem lästig, erst nachfragen zu müssen. Bei den Teigtaschen haben wir uns letztendlich den Spaß gemacht, die unterschiedliche Beschaffenheit der Ränder zu merken. Mit Gabel gequetscht war Fleisch, welliger Rand war Käse und dann gab es noch eine andere Form. Geht wirklich einfacher... 



Ein weiterer Kritikpunkt ist der Aufbau des Buffets, es ist sehr hoch und tief. Kinder werden wohl ihre Probleme haben an alles ranzukommen. Selbst ich hatte mit meinen gierigen Armen Probleme an die letzten Reihen heranzukommen. Eine weitere Enttäuschung war das Dessert. Es gab zwei Cremespeisen, die sich als Milchreis und Schokopudding entpuppten. Etwas einfallslos. Das einzig arabische daran, war das Rosenwasser, dass so schmeckt wie Seife riecht. Für das Essen haben wir je 15 Euro bezahlt. Ein wahrhaft stolzer Preis. Getränke kamen noch hinzu. Also sehr preisintensiv. Man muss abwägen, ob das gerechtfertigt ist. Einen guten Brunch findet man in Berlin schließlich schon für 8 Euro. Wenn ich mal zu viel Geld habe, gehe ich da gerne wieder hin, auch weil das Personal sehr freundlich und hilfsbereit war.


Sonntag, 23. August 2015

Günstig und gut essen – Das Steakhouse Las Malvinas

Das ist jetzt kein Tipp für Feinschmecker und Liebhaber fremdländischer Küche… Aber wer einen günstigen Happen Fleisch essen will oder in der Nähe des Alex ist, kann mit dem Las Malvinas fast nichts falsch machen.



Das Restaurant liegt in der Barnimer Straße. Die ist eine Querstraße von der Otto-Braun-Straße und zehn Minuten Fußweg vom Alex entfernt. Mit den Öffis geht es noch schneller. Die Küche läuft unter dem Motto argentinisch.  Fajitas, argentinische Würze und ganz viele Beilagen zum Rindersteak stehen auf der Speisekarte. Wer typische argentinische Küche ausprobieren will, kann hier einen ersten Versuch wagen. Aber das Hauptaugenmerk liegt eher auf den Steaks, der Großteil der Speisekarte entspricht klassischen Gerichten wie sie in jedem anderen Restaurant zu finden sind. Die Desserts sind dann auch eher italienisch. Wie die Steaks nun sind, kann ich ehrlicherweise nicht beurteilen. Die meisten meiner fleischfressenden Begleiter waren jedoch immer zufrieden. Wer nicht nur Rind mag, kriegt aber auch allerlei anderes Fleisch geboten von Känguru bis Lamm. Und für die, die sich nicht festlegen können, gibt es eine Grillplatte mit Häppchen von jeder Fleischsorte, die angeboten wird. 



Vor allem aber ist das Essen günstig. Mein persönlicher Favorit ist als Vorspeise der Camembert. Also echter und selbst paniert. Mehr braucht es nicht, mich glücklich zu machen… Für alle, die auf das Geld gucken müssen, lohnt sich auch das Mittagsangebot. Und es gibt auch immer eine Saisonkarte, obwohl mich Spargel im Frühsommer oder Pfifferlinge im Spätsommer nicht unbedingt vom Hocker reißen. Das Essen kommt immer ruckzuck und die Kellner sind selbst bei großem Andrang freundlich und gutgelaunt. (Ist in Berlin immerhin nicht überall selbstverständlich) Die Desserts sind superlecker, am besten mal das Tiramisu oder das warme Schokoküchlein probieren…


Freitag, 21. August 2015

Riesig und Rot: Der Stierbrunnen im Bötzowviertel

Bötzowkiez, kinderfreundlich, kleine Läden, viele Bäume, mehr Dorf als Stadt - perfekt für einen kleinen Bummel am Wochenende. In der Bötzowstraße und an der Danziger Straße öffnet sich ein Platz mit Bäumen eingerahmt und einem ziemlich imposanten Brunnen mit Stieren.




Dieser überschaubare Platz nennt sich Arnswalder Platz. Auf den ersten Blick nicht besonders angelegt: Bäume, Bänke, leere Fläche, Rasen – ein Platz halt. Für Interessierte an Stadtentwicklung oder Gartenarchitektur ist es wohl spannend zu hören, dass der Aufbau des Platzes als exemplarisch für die 30er Jahre angesehen wird. Er steht sogar unter Denkmalschutz und es gibt eine Bürgerinitiative, die sich um die Pflege kümmert. Für mich war das wirklich Beeindruckende der Riesenbrunnen mitten drin. Ein dicker Stier thront obendrauf, wenn man von der Seite aus den Platz betritt. 



Eigentlich sind es zwei, auf jeder Seite einer. Sie rahmen eine große Brunnenschale mit Wasser ein. Der Brunnen heißt offiziell nicht Stierbrunnen, sondern Fruchtbarkeitsbrunnen oder Brunnen der Fruchtbarkeit. Nicht nur die Stiere stehen für Fruchtbarkeit, auch die anderen Figuren, die die Schale umgeben. Wer genau hinguckt, kann eine Frau mit Kind erkennen, einen Schäfer mit Widder, einen Fischer mit seiner Beute und eine Bäuerin mit Ähren. Der Brunnen wurde vom zumindest in der Weimarer Republik sehr bekannten Bildhauer Hugo Lederer entworfen. Am Samstag ist am Platz in der Pasteurstraße immer Wochenmarkt mit frischem Biobrot und regionalen Produkten. Also super, um sich eine Streuselschnecke und Bionade zu holen und dann vor den Brunnen zu setzen und Gott und die Welt zu beobachten.

Mittwoch, 19. August 2015

Mein liebster Berliner Schildbürgerstreich: Die Wippen am Potsdamer Platz

Am Potsdamer Platz stehen die längsten Wippen Europas. Sie befinden sich im Tilla-Durieux-Park hinter den Potsdamer Platz Arkaden.



Ich habe sogar schon einmal auf ihnen gewippt. Da hatte ich Glück: Mittlerweile sind die Wippen stillgelegt, denn sie sind nicht für mehr als zwei Personen gedacht. Und das, obwohl die fünf Wippen 21 Meter lang sind und mehr als drei Tonnen wiegen. Es muss aber auch wirklich schwer für einen Konstrukteur sein, zu bedenken, dass auf solch langen Wippen tatsächlich mehr als zwei Personen sitzen wollen. Seit einigen Jahren sind sie festgemacht, damit sie nicht wegen Überbelastung aus der Verankerung brechen. Aber immerhin kann man auf ihnen sitzen oder balancieren. Sie sind im Tilla-Durieux-Park. Aber ganz ehrlich: Dass diese Rasenfläche als Park bezeichnet wird, war mir neu. Eigentlich ist er ein langgezogener Hügel mit Rasen und wenig Bäumen. Das wird dann von der Stadtverwaltung als angeschrägte Rasenfläche zum Erholen und Entspannen beworben. Aber nicht toben, denn der Rasen muss regelmäßig erneuert werden, anscheinend ist er der Belastung von spielenden Kindern und rennenden Menschen nicht gewachsen. Tilla Durieux habe ich vorher auch noch nie gehört, das war wohl eine sehr bekannte Schauspielerin, die in Berlin gelebt hat. Die Anlage soll sogar eine symbolische Aussage haben, da sich der Park durch die Rasenflächen von Osten nach Westen bewegt. Einheit und so… Außerdem gilt er als grünes Bindeglied zwischen Tiergarten und dem Park am Gleisdreieck und gehört zum Nord-Süd-Weg, der 40 Kilometer durch das grüne Berlin führt. Am besten ist es, sich ein leckeres Eis zu holen, sich auf die riesigen Wippen zu hieven, die stehen genau zwischen den Grünflächen und das Ganze auf sich wirken zu lassen. 

Montag, 17. August 2015

Streifzug durch den Tiergarten (4) – Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus

Nicht mehr direkt im Tiergarten, aber nur durch eine Straße vom Park getrennt, ist der Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde. Eine blaue Glaswand und eine lange Informationstafel erinnern an die Opfer der Aktion T4.


Schon auf dem Weg durch den Tiergarten sehe ich neben der Philharmonie einen großen blauen Fleck. Das ist auch die erste Frage, die ich mir stelle, als ich vor dem Denkmal stehe: Warum ist die Glaswand blau? Keine Erklärung auf der langen Informationstafel. Aber dieses dunkle Pult hat viele andere Fakten zu bieten. Ganz allgemeine über die sogenannte Aktion T4 und individuelle Geschichten von 13 Personen, die exemplarisch für die Opfer stehen. Visualisiert werden die Geschichten durch Bilder und Audio- bzw. Videostationen. Das ganze Denkmal ist wirklich informativ. Für mich stecken da viele neue Informationen drin. Ich wusste nicht mal, dass der Name T4 von der Tiergartenstraße Nummer 4 kommt, wo das Gebäude stand, in dem nationalsozialistische Bürokraten beschlossen, Personen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Behinderung zu vergasen.  



Aber das mit der blauen Wand, die etwa 30 Meter lang und drei Meter hoch ist, bekomme ich erst später raus. In der Kombination mit der dunklen Farbe des Pults steht das Blau für die Richtung zum Himmel. Doktor Google verrät mir auch, dass die Stadt Berlin es eigentlich bei den zwei gebogenen Stahlplatten an der Philharmonie mit einer eingelassenen Gedenktafel belassen wollte. Das war besonders für die Betroffenen enttäuschend, denn diese Stahlplatten wurden nicht speziell als Denkmal für die Euthanasie-Opfer entworfen und zudem war  auf den ersten flüchtigen Blick nicht mal zu erkennen, dass es mehr als nur ein Kunstwerk am Wegesrand war. Erst 2011 beschloss der Bundestag ein größeres Denkmal und mit der leuchtenden blauen Wand kann man das nun wirklich nicht mehr übersehen.

Sonntag, 9. August 2015

Streifzug durch den Tiergarten (3) – Das Global Stone Projekt

Obelix‘ Hinkelstein und Stonehenge in Berlin? In Sichtweite zum Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen befindet sich eine auffällige Steinanordnung, die sich als das Global Stone Projekt herausstellt.




Am Wegesrand auf einer grünen Wiese liegen im Tiergarten verschiedenste Steine. Der eine sieht aus wie ein Hinkelstein, dann gibt es einen Steinkreis, einen roten, einen weißen Felsen und eine weitere Ansammlung von kleineren Steinen. Als ich näher komme, sehe ich, dass alle in irgendeiner Form bearbeitet sind und Schriftzeichen aufweisen. Als erstes finde ich heraus, dass die Steine von fünf Kontinenten kommen. Es beginnt ein lustiges Herkunftsraten, bei dem ich mit Bravour daneben liege. Eine Tafel gibt Auskunft über den Sinn des Projekts und erklärt, dass besonders typische Steine aus dem jeweiligen Land genutzt wurden. Zugegeben ich war in keinem der Länder, aber der Stein aus Venezuela erinnert mich an Australien und der Kreis mit Steinen aus Bhutan an Groß Britannien… 


Bei dem ganzen handelt es sich um ein Kunstprojekt von Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld. Die Steine kommen jeweils aus Russland, Venezuela, Australien, Südafrika und Bhutan. Dabei sollen sie die Verbundenheit der Kontinente verdeutlichen und die jeweiligen eingravierten Buchstaben Erwachen, Liebe, Frieden, Hoffnung und Vergebung stehen für die wichtigsten Schritte zum weltweiten Frieden. Der Künstler hat in den Herkunftsländern einen Gegenpart bearbeitet und platzieren lassen. Seine Erfahrungen in den Ländern und die Schwierigkeiten mit bürokratischen Hürden beschreibt er auf seiner Homepage. So gibt es in Australien und Venezuela aus verschiedenen Gründen kein Gegenstück mehr. 



Die Bearbeitung und die Ausrichtung der Steine sollen dazu führen, dass die reflektierten Sonnenstrahlen die Steine zur Sommersonnenwende verbinden. Klingt für mich kompliziert. Vielleicht sollte ich nächstes Jahr zur Sommersonnenwende am 21. Juni mal die kostenlose Führung des Künstlers direkt vor Ort besuchen…

Freitag, 7. August 2015

Streifzug durch den Tiergarten (2) – Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus

Direkt gegenüber vom Holocaust-Mahnmal steht im Tiergarten das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Mit wenigen Schritten über die Ebertstraße ist die Betonstele erreicht.




Für mich ist das Denkmal eine kleine Enttäuschung. Im Vergleich zu der bedrückenden Anordnung der Stelen beim Holocaust-Mahnmal oder dem bis hin zum Boden durchdachten Konzept des Denkmals für die Sinti und Roma, steht hier wirklich nur ein großer schwarzer Betonklotz. Mit Absicht ist vom Architekten diese Form gewählt worden, um an die 2711 Stelen anzuknüpfen, die an die jüdischen Opfer erinnern. An sich steht aber eben nur ein Betonquader am Wegesrand. Von der Gedenktafel, die nach Angaben der betreuenden Organisation vorhanden ist, kann ich samt Begleiterin nichts entdecken. Wer also nicht weiß, dass es sich hier um ein Denkmal handelt, kann den angrenzenden Weg entlang gehen und sieht nur einen Stein. An der Stele befindet sich ein kleines Fenster. Durch dieses Fenster kann man ein Video sehen. Ich sehe erstmal nichts, da das Glas von innen beschlagen ist… Dann mit einer etwas schiefen Kopfhaltung sehe ich eine kurze Filmsequenz von zwei sich küssenden Männern. Irgendwie schade, dass es keine Informationen gibt. Wer wissen will, wie das genau war, mit der Homosexualität im Nationalsozialismus muss halt selber mal ein Buch zur Hand nehmen oder Google fragen.  Aber auf der Gedenktafel steht ja auch (zumindest das habe ich nachgeguckt), dass das Denkmal die Opfer ehren soll und ein Zeichen gegen Intoleranz und Ausgrenzung sei. Vielleicht ist bei diesem Anliegen Schlichtheit Trumpf und ich nur verwöhnt von pompösen mit dem Zaunpfahl arbeitenden Mahnmalen?

Mittwoch, 5. August 2015

Streifzug durch den Tiergarten (1) – Denkmäler für die Opfer des Nationalsozialismus

Die überall zu entdeckenden Stolpersteine und das Holocaust-Denkmal kennt jeder Berliner. Rund um den Tiergarten gibt es aber auch verschiedene Erinnerungsorte im Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus, die im klassischen Schulunterricht oft untergehen. Am Simsonweg liegt das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas.




Der Simsonweg ist kleiner Pfad der vom Platz der Republik durch den Tiergarten zur Ebertstraße führt, also gewissermaßen vor das Brandenburger Tor. Auf dem Weg gibt es nichts Besonderes zu entdecken, es sei denn man findet Bäume oder auf Bänken sitzende Menschen herausragend. Das Denkmal ist umgeben von einer gläsernen Wand und ist schnell ausgemacht. Auf der Außenseite dieser gläsernen Zaunvariante sind Informationen in englischer Sprache zum Porajmos zu finden. Der Begriff bezeichnet in der Sprache der Roma den Völkermord an den europäischen Roma. Auf der Innenseite der gläsernen Wand gibt es die Chronik dann in deutscher Sprache. Zentrum des Denkmals ist der Brunnen mit einem dreieckigen Stein in der Mitte. In diesem kleinen runden Wasserbecken steckt viel Symbolik: Die dreieckige Form erinnert an die Stoff-Dreiecke, die KZ-Insassen tragen mussten. Auf dem Stein liegt eine Blume, die für Leben und Trauer zugleich stehen soll. Wenn die Blume verwelkt, wird der Stein in einen nicht sichtbaren Raum versenkt und gegen eine frische ausgetauscht. Das soll immer um die Mittagszeit passieren. Ich habe es nicht gesehen, stelle es mir aber schon beeindruckend vor. Am Rand des Brunnens ist etwas, was ich simpel als Rille bezeichnen würde. In dieser „Rille“ ist um den Brunnen herum das Gedicht „Auschwitz“ von Santiano Spinelli eingraviert. 



Neben dem Brunnen haben mich die im Boden eingelassenen Steine beeindruckt. Auf einigen von ihnen sind Namen eingraviert. Wer genau hinguckt, wird die Namen der Orte lesen, in denen KZs waren. Und während ich die Informationstafel lese, wird es mir schon unheimlich, wie wenig ich darüber weiß. Eine halbe Million Roma sollen Schätzungen nach getötet worden sein. Dabei ist Roma und Sinti nur ein Oberbegriff für viele verschiedene Gruppen, die auch heute noch teilweise Verfolgungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind. Und während ich so lese, ist leise eine Geige zu hören. Lautsprecher in den umliegenden Büschen und Bäumen spielen mal leiser und lauter eine Komposition von Romeo Franz…



Montag, 3. August 2015

Stille im Brandenburger Tor – Der Raum der Stille

Am Brandenburger Tor ist es eigentlich nur in der tiefsten Nacht ruhig. Das Standardfotomotiv für jeden Berlinbesucher ist hart umkämpft von Touristen, Aktionskünstlern und Passanten. Da ist der kleine Raum der Stille eine angenehme Abwechslung.

„Treten Sie ein, hier dürfen Sie schweigen…“ steht auf einem Schild an der Eingangstür – das habe ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen. Also rein und gucken, was dahinter steckt. Ein schlichter Eingangsbereich, ein Tisch mit Broschüren, hilfsbereiter Person und ein Gästebuch. Fotos sind nicht erlaubt, um die Ruhe nicht zu stören. Eine weitere Tür führt in den Raum der Stille. Bequem und gemütlich mit einer überschaubaren Anzahl an weichen Stühlen lädt er zumindest kurz zum Sitzen ein. Denn die Farben des Raumes sind bedrückend: grau-braun. Hilft vielleicht bei der Besinnung? Mich vertreibt die bedrückende Stimmung. Aber beim Verlassen schnappe ich mir noch einen Flyer.
Toleranz und Frieden
Das kleine Faltblatt informiert über die Idee, die hinter diesen Rückzugsort steckt. Und die ist durchweg positiv. Ein Raum für alle, unabhängig von Religion oder Herkunft als Aufforderung zu Toleranz und Innehalten. Frieden für alle. Der Raum ist mit Bedacht so schlicht eingerichtet und der Wandteppich, den ich als ollen Staubfänger betrachtet habe, steht symbolhaft für Licht, das die Finsternis durchdringt. Selbst die Lage des Raumes, direkt im Brandenburger Tor soll den friedensfördernden Charakter unterstreichen.  Wie so oft steckt also doch mehr dahinter als gedacht. Für mich wird es aber trotzdem bei dem einen Besuch bleiben. 

Samstag, 1. August 2015

Für Schokifans – Die Bunte Schokowelt

Direkt am Gendarmenmarkt mit dem Deutschen Dom, dem Französischen Dom und dem Konzerthaus liegt eines meiner Lieblingsausflugziele: Die Bunte Schokowelt. Sie liegt in der Französischen Straße gleich nebenan und ist ein wahrer Schatz, vor allem für Liebhaber der Kakaobohne.



Auf drei Etagen gibt es dort alles rund um Ritter Sport Schokolade. Ritter Sport gilt nach einigen Umfragen als zweitbeliebteste Schokoladensorte in Deutschland nach Milka. Bei mir läuft Milka mit der merkwürdigen Werbekuh und dem doch sehr süßen und sahnigen Geschmack unter ferner liefen. Wenn es schon eine bekannte Marke sein darf, greife ich zu Ritter Sport. Besonders gern zu Marzipan…  Aber der Shop bietet alle 24 klassischen Sorten an. Da sollte jeder fündig werden. Zusätzlich gibt es die jeweiligen Saisonsorten und auch Bio-Sorten. Bei den klassischen Tafeln lohnt es sich, nur die Sorten zu kaufen, die im eigenen Supermarkt nicht angeboten werden, da sie tatsächlich teurer sein können. Das Tolle an der Schokowelt ist aber diese geballte Ansammlung von Schokolade in bunten Farben ansprechend verpackt. Hier lassen sich tolle Aktionspakete und schön verpackte Geschenke für Fans von Schokolade finden.




Der Laden ist natürlich immer voll und wer empfindlich auf Menschenansammlungen reagiert, wird drinnen nicht glücklich. Vielleicht ist da das Café im ersten Stock besser? Bis dahin bin ich noch nie gekommen, da ich immer schon irgendwas Essbares in der Hand hatte und an der Schlange zur Kasse anstand. Im ersten Stock gibt es auch eine kleine Ausstellung rund um Ritter Sport und Schokoladenherstellung. Im Untergeschoss gibt es eine Schokowerkstatt. Die bietet Kurse an, aber nur für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren. Wer Zeit und Geduld hat, sollte sich auf jeden Fall eine eigene Schokolade machen lassen. Ganz nach Geschmack kann jeder die Schokoladenart - Vollmilch, Zartbitter oder (pfuideibel) Weiße Schokolade -  und die Zutaten selber wählen und dann zugucken, wie die eigene Tafel gemacht wird. Das ganze dauert aber mit Wartezeit in der Schlange und Abkühlzeit mindestens eine halbe Stunde.