Mittwoch, 28. März 2018

Wandelism – Künstlerische Zwischennutzung in einem Autohaus


Kostenlos und Kunst – diese zwei Wörter treiben mich fast immer aus dem Haus. Für das Urban- und Street-Art Projekt „Wandelism“ fahre ich sogar bis nach Wilmersdorf, einem Stadtteil, der mir ehrlicherweise bisher nahezu unbekannt ist. Der Besuch lohnt sich für alle, die kunstbegeistert sind und Freude an Street Art haben.
"Phoenix" von Base23 und Onur
An die 60 Künstler haben sich in den einzelnen Räumen, Hallen und im Keller ausgetobt. Abends kommen Musik und Performance hinzu. Der Grundgedanke ist es, den heiß diskutierten und nicht immer geliebten Wandel der Stadt durch künstlerische Zwischennutzung solcher Gebäude zu feiern. Mich hat es auf jeden Fall begeistert. Mein Geist erfreut sich besonders an Farben, weswegen der Keller in Neon und Schwarzlicht das erste Highlight war. Echter Hingucker ist dabei das Ritalin-Kind von Skalmo & Mr Sasa. Letztendlich gibt es überall kleine Details zu entdecken. Von Graffiti, Murals bis hin zu Installationen gibt es nahezu alle Varianten von Street-Art zu finden. Leider fallen die Erklärungen zu den einzelnen Künstlern und Werken manchmal recht knapp aus. Zumindest bleibt so mehr Freiheit sich seine eigenen Gedanken zu machen … Vorteil und Nachteil zugleich ist die Möglichkeit, Fotos zu machen. So hat man zwar Inspiration und tolle Bilder, allerdings verteilen sich im ganzen Gebäude auch viele Fotografen, denen das perfekte Bild wichtiger ist, als das, was vor der Linse passiert. Mein zweites Highlight war die Black & White Chamber von 75 Scon und Paindesignart. Der Name ist Programm und der Raum zeigt, wie beeindruckend Kalligrafie und Lettering sein können. Die Chamber liegt im ersten Stock und so lässt sich gleich noch ein Blick aus der Höhe auf die Werke im Erdgeschoss werfen.
"The Black & White Chamber" von 75 Scon & Paindesignart
Das Projekt kommt so gut an, dass es um eine Woche verlängert wurde und noch bis zum Ostersamstag offen ist. Die guten Besucherzahlen schlagen sich in der Schlange vor dem abzureißenden Autohaus nieder. Wer also noch hinwill, kommt entweder vor 12 Uhr oder bereitet sich auf etwas Wartezeit vor. Denn gleichzeitig kommen nur 199 Personen ins Gebäude. Das reicht aber auch, denn tatsächlich sind die einzelnen Zimmer voll und etwas Geduld, um in den einen oder anderen Raum erst reinzukommen, gehört dazu. Das Schöne an dem Projekt ist nicht nur die Kunst selbst, sondern auch die Familienfreundlichkeit. Familien mit Kindern sind gerne gesehen und kommen schneller in die Ausstellung. Etwa ein Drittel der Einnahmen fließt in ein Projekt bei dem Künstler und Kinder gemeinsam eine Kita gestalten. Es gibt keinen Eintritt, aber Spenden werden gerne genommen. Mit denen werden die Kosten gedeckt und der Rest geht dann an die Helfer und Künstler.
"Yard Planet mit Traingirl" von Alice Gruen / Fino'91


Freitag, 23. März 2018

Das sowjetische Ehrenmal in der Schönholzer Heide


Drei sowjetische Ehrenmale gibt es in Berlin. Gemessen an der Zahl der beerdigten Toten ist das in der Schönholzer Heide das größte. Gleichzeitig ist es aber auch das ruhigste und bescheidenste. Hierin verirren sich keine Touristen, um peinliche Fotos mit einem Panzer oder einem riesigen Soldaten zu schießen. Die Anlage ist um einiges kleiner als das im Treptower Park aber auf jeden Fall sehenswert.
Ruhig ist es an der Germanenstraße, an der der Eingang zum Ehrenmal liegt. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt der Volkspark Schönholzer Heide. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs gab es hier ein Zwangsarbeiterlager. Dass in der Sowjetunion Kriegsgefangene als Verräter verdächtigt wurden, ist bekannt. Umso mehr beeindruckt das Denkmal, denn hier gibt es eine Gedenkplatte für die bestatteten Kriegsgefangenen. Zugegeben, sie liegt leicht versteckt hinter dem über 30 Meter hohen Obelisken, aber dennoch … Das Ehrenmal widmet sich im Vergleich zu dem in Treptow auch mehr den einzelnen Menschen. Über 13.000 sind hier bestattet und die Bronzetafeln am Obelisken nennen die Namen der höherrangigen beigesetzten Toten. Eine Mauer umschließt die gesamte Anlage und ist mit weiteren Bronzetafeln mit Namen versehen. Nur ein Bruchteil konnte identifiziert werden. Zu den hier Begrabenen zählen auch über 100 Frauen, die im sowjetischen Militär tätig waren.
Die Anlage ist Soldatenfriedhof und Mahnmal zugleich. Das mahnende Element übernimmt dabei vor allem die Figur der „Mutter Heimat“, die sich vor dem Obelisken befindet. Eine Frau, die ihren toten Soldatensohn in den Armen hält. Die Inschrift unter der Figur ist pathetisch, aber endet mit dem wichtigen Satz, dass die Opfer zum Kampf für den dauernden Frieden unter den Völkern aufrufen. Tatsächlich lässt sich kritisieren, dass mit Ehrenmalen vor allem dem sinnlosen Soldatentod und Kampf fürs Vaterland gehuldigt wird und die Gräuel der sowjetischen Besatzungsmacht unterschlagen werden. Letztendlich handelt es sich jedoch um einen Friedhof und ein Mahnmal, das immer wieder vor Augen führt, welche Konsequenzen Kriegstreiberei hat. Solche Aspekte außen vorgelassen, ist das Ehrenmal ein beeindruckendes Beispiel für die Architektur und die künstlerischen Ausdrucksformen des sozialistischen Realismus und allemal einen kleinen Spaziergang wert.


Freitag, 16. März 2018

Mediathek-Tipp für Stubenhocker – Berlin mit der M10 entdecken


Eigentlich ist nächste Woche Frühlingsanfang, aber die Temperaturen locken nicht gerade nach draußen. Ausgezeichnete Bedingungen für einen Fernsehabend! Wie passend, dass der RBB diese Woche dafür die passende Doku liefert: Berlin mit der Straßenbahn erfahren.

Berlin hat bekanntermaßen weltweit das drittgrößte Straßenbahnnetz. Der RBB hat sich die Linie M10 ausgesucht, um an einzelnen Stationen zu stoppen und ein paar interessante Geschichten und Anekdoten zu erzählen. Da gibt es einiges Neues zu entdecken. Denn immerhin führt die M10 von der Lüneburger Straße bis zur Warschauer. Von der Bernauer Straße und dem Todesstreifen bis hin zu leckeren Brötchen am Arnswalder Platz und der Party-Touri-Zone an der Warschauer ist also alles dabei. Nun gut, wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen wird nicht jede einzelne Station näher behandelt und manchmal sind die Entdeckungen auch nicht direkt an der jeweiligen Haltestelle. Aber wer sich für Berlin interessiert, ist bei dieser Sendung genau richtig. Hier geht es zu der Sendung: mediathek.rbb-online.de

Übrigens hat Berlin 22 Straßenbahnlinien und die längste hat eine Strecke von mehr als 20 Kilometer. Perfektes Sommerprojekt, sich die mal alle näher anzusehen. Wer macht mit?

Freitag, 9. März 2018

Zu Besuch im Tränenpalast


Wenige Orte in Berlin erinnern noch authentisch an die Mauer. Dass Berlin geteilt war und diese Teilung friedlich überwunden wurde, gehört zu den spannenden Fakten der Stadtgeschichte, die immer mehr unterhaltend aufgearbeitet werden. Ein gutes Museum muss den Besucher bei seinen Emotionen packen, so lässt sich Wissen leichter vermitteln – gegen die Theorie habe ich grundsätzlich nichts. Aber wer am Checkpoint Charlie oder an der East Side Gallery entlanggeht, sieht, zu welchen Auswüchsen das führen kann. Der Tränenpalast bietet eine Alternative zu den Touristenmagneten und das zugleich mit Fakten und allerlei medialer Aufarbeitung, die den Museumsbesuch auflockern.
Der Tränenpalast liegt direkt am Bahnhof Friedrichstraße, eingezwängt zwischen dem Bahnhof und modernen Bürogebäuden. Die am Gebäude befindlichen Pfeile führen den Unwissenden zum Eingang. Dort warten überraschend motivierte Mitarbeiter darauf, das Prozedere zu erklären. Der Eintritt ist frei, es gibt Audioguides und eine kostenfreie Garderobe. Wer einen Rucksack hat, kann diesen gegen Pfand einschließen. Im Winter ist das Ablegen der Jacken aus meiner Sicht eindeutig ratsam, denn da drinnen ist wirklich gut geheizt. Das Wichtigste, das uns der Mitarbeiter eingangs erklärt, ist der Aufbau der Ausstellung – schließlich wollen wir ja nicht mit dem Mauerfall anfangen. Auf dem ersten Blick erscheint die Ausstellung überschaubar. Tatsächlich haben wir aber fast zwei Stunden damit zugebracht, Interviews zu hören, Berichte zu lesen, Videos zu sehen oder die Diskussionen der anderen Besucher auszuwerten.
Die Herkunft des Namens „Tränenpalast“ rührt aus der Funktion des Gebäudes: Es war eine ehemalige Abfertigungshalle und Ausreisehalle für den Grenzübergang zwischen Ost- und Westberlin. Hier trennten sich Familien, hier scheiterten Ausreisewünsche … Seit den 90er Jahren steht das Gebäude unter Denkmalschutz und seit 2011 beherbergt es die Ausstellung zum Alltag der deutschen Teilung. Schritt für Schritt wird der Besucher dabei durch die Geschichte der Mauer geführt – wie es zu ihrem Bau kam, wie Menschen versuchten, dennoch die DDR zu verlassen, wie das „normale“ Geschehen in der Halle ablief und wie letztendlich die Mauer fiel. Die Ausstellung lohnt sich vor allem für diejenigen, die keinerlei Vorstellung davon haben, welche Auswirkungen die Mauer auf das direkte Leben in Berlin hatte. Tatsächlich bleibt sie bei den wesentlichen Fakten eher oberflächlich. Aber, selbst wer in der Materie schon einiges Wissen angehäuft hat, sollte diese Ausstellung mitnehmen, denn hinsichtlich des direkten Grenzübergangs und individueller Berichte lässt sich einiges erfahren, das bei allgemeinen Darstellungen oft wegfällt. Meine persönlichen Highlights waren dementsprechend auch die Passkontrollkabine, die Berichte zum Thema Schmuggel und das Interview eines Grenzers, der seine Arbeit beschreibt. Interessant war auch die Perspektive von BRD-Schülern, die die DDR besuchten. Was meinem auf Abwechslung geeichten Geist besonders gefallen hat, ist die Mischung aus Sehen, Lesen, Hören und Anfassen, sodass die Ausstellung nicht zu trocken oder gar langweilig ist.


Freitag, 2. März 2018

Die Schönheit Berlins in Bildern


Um die Schönheit Berlins zu erkennen, muss man die Augen schon weit aufreißen oder fest zukneifen. Dem Thema Schönheit einer Großstadt widmet sich die neue Ausstellung im Ephraim-Palais, und da Bilder die mir liebste Kunstform sind, musste ich gleich mal vorbeischauen.
Auf drei Stockwerken verteilen sich Bilder, die alle, mal mehr, mal weniger erkennbar, Berlin thematisieren. Für echte Kunstkenner sind wahrscheinlich große Namen dabei, für mich nicht. Macht aber nichts, denn so betrachtet man die Bilder auch viel unvoreingenommener. Das Erste, was auffällt: Die Anordnung der Bilder ist nicht chronologisch. Das Ausstellungskonzept folgt vielmehr verschiedenen Thematiken. Die reichen vom allgegenwärtigen Thema Teilung der Stadt und Großbaustellen bis hin zu Berlin von oben oder bei Nacht. Die Themenfelder beruhen dabei auf der namensgebenden Schrift „Die Schönheit der großen Stadt“ des Architekten August Endell. Selbst er fand in Berlin trotz aller Hässlichkeit noch Wunder an Schönheit und Poesie. So ist dann auch die Ausstellung. Manche Bilder lasse ich links liegen, zu altbacken oder zu modern, andere hingegen machen aus etwas vermeintlich Normalen etwas Besonderes. Davon abgesehen macht es auch Spaß zu raten, welcher Ort gerade dargestellt wird. Denn wenn es nicht gerade der Dom oder Unter den Linden ist, fällt es manchmal doch recht schwer, die Plätze und Straßen voneinander zu unterscheiden. Meine persönlichen Highlights waren der Themenbereich Architektur und das Bild „Brücke“ von Helmut Middendorf. Grundsätzlich sollte fast jeder ein Bild finden, das ihn fasziniert oder begeistert. Die Entstehungszeit der Bilder reicht vom 19. bis ins 21. Jahrhundert und mehr als 100 Bilder warten darauf, beguckt zu werden. Die Ausstellung läuft noch bis August, also bleibt noch reichlich Zeit, mal vorbeizuschauen. Der Eintritt kostet 7 Euro und wem das zu viel ist, sollte mal am ersten Mittwoch des Monats hingehen, denn da ist der Eintritt frei und das Palais hat bis 20 Uhr offen.