Donnerstag, 14. Dezember 2017

Kunst und Kommerz zu Weihnachten

Jedes Jahr begebe ich mich auf die Suche nach dem perfekten Berliner Weihnachtsmarkt. Den gibt es natürlich gar nicht. Aber je nachdem, was man sucht, finden sich auch in Berlin schöne Weihnachtsmärkte. Ich mag Weihnachtsmärkte, die ein gewisses Ambiente vorweisen können und nicht nur aus Verkaufsständen bestehen. Der Weihnachtsmarkt rund um die St. Hedwigs-Kathedrale passt daher genau in mein Schema.
Verglichen mit dem Berliner Dom ist die Hedwigs Kathedrale „klein“. Dementsprechend ist auch der Weihnachtsmarkt übersichtlich. Er führt Besucher rund um die Kathedrale und wer nichts trinkt oder keinen Blick für Stände hat, ist in zehn Minuten über den kompletten Markt gewandert. Der Schwerpunkt der Stände liegt hier auf Kunsthandwerk und erfreut die Herzen der Dekorationswütigen. Obwohl die Hedwigs Kathedrale zentral zwischen Alexanderplatz und Gendarmenmarkt liegt, ist der Markt dennoch nicht heillos überlaufen. Nach einer nur kleinen Wartezeit hatte ich meinen heißen Apfelsaft mit Calvados und konnte weiterschlendern. Das Besondere am Weihnachtsmarkt rund um die Kathedrale ist die Kirche selbst: Sie ist angestrahlt, die Bäume sind mit Lichtketten behangen, es gibt Livemusik und selbst die Krippe fehlt nicht. In der Krippe lag dann schon das Christuskind. So was geht gar nicht, hat mir meine katholische Begleitung erklärt. Welch ein Fauxpas direkt neben der Kirche! Also doch nur Kommerz, aber innerhalb einer schönen Gegend. Wem der christliche Sinn von Weihnachten wichtig ist, kann zumindest gleich an dem täglich um 18 Uhr stattfindenden Gottesdienst in der Kathedrale teilnehmen.

Wer auf dem Weg zur Hedwigs Kirche am Schinkelplatz vorbeikommt, sieht vielleicht noch die Trash People. Sie sind eine Kunstaktion von HA Schult und mahnen uns Konsumenten an die Auswirkungen des Mülls auf die Umwelt und die Menschen. Seit 1996 ziehen 1000 menschengroße Figuren aus Müll um die Welt und waren schon in Moskau, auf der Chinesischen Mauer, vor den Pyramiden von Gizeh und in der Arktis. Eine kleinere Truppe von ihnen steht jetzt an den Baugeländern des Neubaus am Schinkelplatz. Ihr Anblick gerade im Dunkeln ist etwas einschüchternd. Vielleicht sollte ich dieses Jahr zumindest auf Geschenkpapier verzichten, um etwas weniger Müll zu produzieren …

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Mohrenstraße - Wenn ein Straßenname mehr ist, als nur eine Adresszeile

Man kann nicht gerade behaupten, dass Berlin sich nicht seiner Geschichte bewusst ist. Tatsächlich liegt der Fokus des Erinnerns aber vor allem auf dem 20. Jahrhundert. Dass bestimmte Epochen fast ausgeblendet werden, zeigt die Diskussion um die Mohrenstraße.
Die Mohrenstraße liegt nahe des Potsdamer Platzes und ist für mich persönlich nicht sonderlich auffällig. Abgesehen davon, dass sich hier im 19. Jahrhundert ein Ladenlokal der Marke Sarotti befand. Schokolade! Im 20. Jahrhundert wählte Sarotti dann den Mohren als Emblem, wahrscheinlich in Anlehnung an ebenjene Straße. So wie Sarotti wegen seines Logos in die Kritik geriet, steht auch die Mohrenstraße zur Diskussion. Kritiker verweisen darauf, dass die Bezeichnung „Mohr“ rassistisch ist und die koloniale Geschichte Deutschlands in Vergessenheit gerate. Diese ist zwar mit der Handelskolonie Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana kurz, aber dennoch nicht weniger mit Sklavenhandel und Rassismus verknüpft. Tatsächlich gibt es verschiedene Thesen zur Namensherkunft der Mohrenstraße. Die eine besagt, dass der Name von einem Gasthof stammt und eine andere beruft sich auf eine Delegation mit afrikanischen Gesandten. Eine weitere leitet den Namen daraus ab, dass in der Straße im 18. Jahrhundert, die „Mohren“ des Königs Friedrich Wilhelm untergebracht waren. Dabei waren das keine freiwilligen Arbeiter oder Angestellte, sondern vielmehr als Sklaven verschleppte Männer aus Westafrika. Letztendlich ist die Herkunft des Straßennamens nicht entscheidend, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob die Bezeichnung rassistisch ist. Das können nur Personen, die sich von solchen Begriffen direkt betroffen fühlen. Zugegebenermaßen war für mich ein Mohr immer nur ein Symbol für Schokolade. Vielleicht schadet es daher nicht, mit einem Hinweisschild gerade in der Mohrenstraße die Passanten für die koloniale Vergangenheit und die Bedeutung der Wortwahl zu sensibilisieren. Denn es gibt zwar verschiedene Initiativen, um die Straße umzubenennen, diese hatten bisher jedoch keinen Erfolg.