Mittwoch, 6. Juli 2016

Die deutsche Teilung in der Bernauer Straße - Gedenken ohne viel Chichi

Die Bernauer Straße gehört jetzt nicht unbedingt zu den Top-Straßen Berlins. Dabei befindet sich hier der zentrale Erinnerungsort an die deutsche Teilung. Die Gedenkstätte verdeutlicht auf knapp 1,5 Kilometern wie sich die Mauer quer ohne Rücksicht auf die Anwohner durch die Stadt zog.
Eine Open-Air-Ausstellung und dann noch kostenfrei – da bin ich dabei. Schon von Weitem sind die roten Stangen zu sehen, die den Verlauf der Mauer nachzeichnen. Wer einen schiefen Blickwinkel hat, denkt, dass die Stangen wie ein Zaun undurchdringlich sind, doch beim Näherkommen zeigt sich, dass sie so auseinander stehen, dass man an einzelnen Stellen durchlaufen kann. Die Gedenkstätte widmet sich dem Aufbau der Grenzanlagen, dem Alltag an der Mauer und den Opfern. 
Entgegen der bunten und durchgestylten East Side Gallery ist es hier viel leichter, einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich die Mauer wie eine Schneise durch die Stadt zog. Etwa 200 Meter der Mauer sind noch erhalten und verschiedene sogenannte archäologische Fenster geben einen Eindruck davon, wie die Grenzanlagen aufgebaut waren. Wer zusätzliche Informationen möchte, bekommt sie entweder im Besucherzentrum, im Dokumentationszentrum oder an den vielen Informationssäulen, die über die Gedenkstätte verteilt sind.
Schlicht aber dadurch beeindruckend ist das Fenster des Gedenkens. Es erinnert an die Mauertoten. Diese Wand enthält 138 Nischen für die Opfer, darunter auch 8 Grenzsoldaten. Viele enthalten Fotos. Aber es gibt auch weitere Nischen, die daran erinnern, dass vielleicht noch Opfer hinzukommen, da dieser Teil der Geschichte noch nicht vollständig aufgearbeitet ist. Umgeben von einem Kornfeld und allerlei Kunst zum Thema Einheit und Gedenken steht die Kapelle der Versöhnung, in der regelmäßig an die Opfer gedacht wird. 
Wer dem Weg weiter folgt, kommt dann in einen Bereich, wo vor allem der Alltag mit der Mauer im Zentrum steht. Die Häuser im Ostbereich zeigen Fotos aus verschiedenen Phasen des Mauerbaus, wie zum Beispiel das, des über den Stacheldraht springenden Grenzsoldaten. Auf dem Boden lassen sich Markierungen entdecken, die die verschiedenen Fluchttunnel zeigen. Wer mal in der Nähe des Nordbahnhofs ist, etwas Zeit und Interesse hat, bekommt mit diesem kleinen Spaziergang einen gut aufgearbeiteten Eindruck ohne viel Pomp und Klischee.

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