Mittwoch, 30. Dezember 2015

Für Fans der bayerischen Küche - Zum Bayernmichel

Wer schon mal im Hofbräuhaus am Alexanderplatz war, kann sich kaum vorstellen, dass es bayerisches Essen und Bier auch in ruhiger Atmosphäre geben kann. Wem es dann nach Haxe, Weißwurst oder Obazda gelüstet, dem sei der Bayernmichel empfohlen.
In der Bornholmer Straße in Laufnähe zur Schönhauser liegt das Restaurant „Zum Bayernmichel“. Im Sommer gibt es einen gemütlichen Biergarten und jetzt im Winter sitzt es sich auch drinnen gut. Dudelmusik in unaufdringlicher Lautstärke gibt es inklusive. Die Inneneinrichtung wurde einem engagierten Dekorateur überlassen, denn es gibt allerlei Details zu sehen. Das Essen ist natürlich bayerisch. Fans von Haxe und allerlei anderen Schweinsgerichten kommen hier voll auf ihre Kosten zu einem annehmbaren Preis. 
Selbst die Weißwurst bekommt man noch nach 12 Uhr. Wer sich nicht festlegen kann, hält sich einfach an die Schlachter- oder Käseplatte. Vegetarier können hier auch glücklich werden mit den klassischen Käsespätzle oder Spinatknödel. Die Spätzle sind vielleicht nicht selbst gemacht, aber so kann auch nichts falsch gemacht werden. Veganern bleibt nur eine Brezel oder Salat. Aber als jemand, der Salat eher nur als Dekoration ansieht, sei von mir gesagt: Bei unserem letztem Besuch war der Salat mit Frische, Zusammenstellung und Dressing tatsächlich ein kleines Highlight.

Superlecker und dennoch so einfach war auch der Gruß aus der Küche: einfache Schnittchen mit frischem Kräuterquark. Auch wenn manch Begleiter es bedauert hat, fehlten hier die drallen Dirndl-Dekolleté-Kellnerinnen. Der Service war dennoch freundlich und fix. Noch ein kleiner Tipp für große Mägen: Nicht von der Speisekarte abschrecken lassen, es gibt Desserts!

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Symbol der Beständigkeit am Alex - Das Haus des Lehrers

Seit mehr als zehn Jahren wohne ich in Berlin. Fast täglich komme ich am Alexanderplatz vorbei. Innerhalb der letzten Jahre habe ich ihn nie ohne Baustelle gesehen und jedes Jahr kommt was Neues hinzu. Das Haus des Lehrers mit seinem Mosaik gehört neben dem Fernsehturm zu den wohl auffälligsten Gebäuden am Alex.

Dort, wo heute das Haus des Lehrers steht, stand schon Anfang des 20. Jahrhunderts das Lehrervereinshaus. Als das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, war es nur folgerichtig dort eine Begegnungsstätte für Pädagogen alias Haus des Lehrers zu errichten. In den 60er Jahren entstand das Haus des Lehrers als erstes Hochhaus am Alexanderplatz. Ganz im Sinne der sozialistischen Vorgaben gestaltete der Künstler Womacka das umlaufende Mosaik „Unser Leben“. Der sieben Meter breite Fries besteht aus 800.000 Mosaiksteinen und besteht aus Glasemaille, Keramik und Blei. Man mag vom sozialistischen Realismus halten, was man will, aber an grauen Dezembertagen sind die Bilder ein kleiner Farbtupfer. Sie schildern naiv-optimistisch das Leben im sozialistischen Staat mit Motiven der Völkerfreundschaft, der Kunst und der Arbeit. 

Jede Hausseite thematisiert dabei einen eigenen Schwerpunkt. Die Bilder sind mittlerweile so bekannt, dass es sogar eine gute Parodie von Michael Wäser darauf gibt, die zeigt, wie das Mosaik der heutigen Gesellschaft aussehen würde. Fans des internationalen Stils finden im Haus des Lehrers ein Paradebeispiel dieser Architektur. Nach der Wende wurde das Haus unter Denkmalschutz gestellt. Mittlerweile sind die verschiedensten Firmen und Unternehmen hier ansässig. Aber im Gegensatz zu anderen Häusern am Alexanderplatz wird das Haus wohl hoffentlich nie einem Einkaufszentrum weichen.

Freitag, 18. Dezember 2015

Dezentrales Gedenken - Stolpersteine

Zugegeben Berlin und auch ganz Deutschland sind geradezu überladen vom Gedenken an das Grauen des Nationalsozialismus. Aber die Stolpersteine sind für mich eine besonders gelungene Art, daran zu mahnen. Denn sie lassen sich überall entdecken, geben den Opfern ihre Namen zurück und erinnern daran, dass direkt vor der eigenen Haustür jemand gelebt hat, der aufgrund seiner Religion, politischen oder persönlichen Einstellung sterben musste.
An die 6000 Stolpersteine gibt es in Berlin. Die kleinen Steine sind in den Gehweg eingelassen und manchmal geht man achtlos über sie hinweg, weil die goldene Farbe schon verblichen oder man selbst in Eile ist. Seit den 90er Jahren werden sie vom Künstler Gunter Demnig und seinem Team verlegt. Die Oberfläche der würfelförmigen Betonsteine besteht aus einer Messingplatte, in der die Informationen der Opfer in Handarbeit eingraviert sind. Wer darauf achtet, findet sie nahezu in jeder Wohngegend und in vielen Straßen Berlins und kommt ins Grübeln, wie das Verschwinden dieser vielen Menschen nicht bemerkt oder gekonnt ignoriert werden konnte. In den meisten Fällen befinden sie sich vor dem letzten frei gewählten Wohnort. Sie finden ihren Weg dahin durch Initiativen oder Nachkommen, die das Herstellen und Einsetzen des Steins bezahlen. Wer die Namen lesen will, braucht sehr gute Augen oder muss sich bücken. Für den Künstler ist das eine Verbeugung und ein kurzes Stolpern im Herzen, für andere sind die Stolpersteine geschmacklos. In München gibt es nur Stolpersteine auf privaten Grundstücken, da die Stadt sie ablehnt. Die jüdische Gemeinde Münchens möchte nicht, dass die Namen der jüdischen Opfer mit den Füßen getreten werden. Andere Vereine, die sich zum Beispiel für das Gedenken an die homosexuellen Opfer einsetzen, sehen es so wie der Künstler. Neben München gibt es noch andere deutsche Städte, in denen keine Stolpersteine verlegt werden. Insgesamt gibt es aber europaweit mittlerweile etwa 50.000 Steine in 18 Ländern. Ich persönlich mag dieses leise, unaufdringliche Gedenken an den Einzelnen, das sich abhebt von den Museen und Gedenkstätten, die auf die unvorstellbaren Opferzahlen setzen.




Mittwoch, 16. Dezember 2015

Glögg und Elchbratwurst auf dem Lucia Weihnachtsmarkt

Uneingeschränkt empfehlen kann ich den Lucia Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei. Selbst wenn er total überfüllt ist, herrscht dort immer noch eine angenehme Stimmung. Und wer Lust auf etwas andere Spezialitäten hat, sollte mal vorbeischauen.
Eigentlich ist das Luciafest nur am 13. Dezember. Gefeiert wird es vor allem in Schweden mit vielen Kerzen und weiß gekleideten Kindern. Namensgeber für den Weihnachtsmarkt ist Lucia wegen der skandinavischen Ausrichtung der rund 60 Stände. Natürlich gibt es das klassische Angebot wie Bratwurst, gebrannten Mandeln und Wollmützen. Aber zwischendurch stehen dann immer wieder Stände, die Produkte anbieten, die für Schweden, Dänemark, Finnland, Norwegen und Island typisch sind. Neben den ach so wichtigen Versorgungsständen gibt es auch Angebote für Kinder, wobei das Kettenkarussell zu den Attraktionen gehört, von denen auch die Väter begeistert scheinen. Ganz in der Nähe der Jurte, in der man am Feuerchen sein Becherchen trinken kann, ist die Open-Air-Mantel-Heizung, die so in ihrer Art auf den Berliner Weihnachtsmärkten einzigartig ist. Hier können sich Frostbeulen angewärmte Pelzmäntel überziehen. Am schönsten ist der Markt natürlich im Dunkeln, wenn die ganzen Lichter angehen. Tipp aus persönlicher Erfahrung heraus: vorsichtig mit dem Lumumba, der kann ordentlich drehen und wer sich politisch korrekt verhalten will, sollte mal versuchen, eine Tote Tante (so wird die Kakao-Rum-Mischung in Nordfriesland genannt) zu bestellen. Denn der Lumumba wurde angeblich nach dem ersten kongolesischen Präsidenten benannt. 

Montag, 14. Dezember 2015

Theater für Krimifans im Umspannwerk

Das Kriminaltheater im Umspannwerk Ost in der Palisadenstraße bietet Theater der besonderen Art. Denn im Vergleich zu anderen gibt es hier nur Krimis. Hier werden klassische Geschichten von Christie und Doyle oder aktuelle Romane wie die von Fitzek für die Bühne interpretiert.
Das Besondere am Kriminaltheater ist nicht nur die Spezialisierung auf ein Genre, sondern auch die Räumlichkeiten. Das Gebäude ist denkmalgeschützt und beherbergte bis zum Zweiten Weltkrieg das älteste Umspannwerk Berlins. Die Vorräume zum Theater sind klein aber sehr hoch und die Stahl-Glas-Türen entsprechen auch nicht unbedingt dem üblichen Inventar eines Theaterhauses. Es gibt also durchaus was zu gucken, während man wartet. Denn die kleinen zwei Räume vor dem eigentlichen Theaterraum führen dazu, dass das Publikum sich kaum verteilt und man zwangsläufig warten muss. Dass dann auch noch Garderobenpflicht besteht, trägt nicht unbedingt zur Stimmung bei. Während die einen versuchen, zu ihrem Platz zu kommen, stehen die anderen noch an der Bar und verstopfen damit aber den Weg zu den Plätzen. Zusätzlich kommen dann weitere, die vom Personal am Eingang zurückgeschickt werden, da sie ihre Jacken mitnehmen wollten. Eine kleine Unannehmlichkeit, die Cholerikern aber durchaus die Stimmung verderben kann … Wir haben „Außer Kontrolle“ gesehen. Ich mag Theater mit einer verständlichen Story, mit modernen Interpretationen kann ich nichts anfangen. Ein wenig Witz kann auch nicht schaden. Von daher war das Stück genau richtig. Zu Beginn war ich zugegebenermaßen etwas enttäuscht, denn ein wesentlicher Bestandteil des Stücks sind zahlreiche Slapstick-Einlagen, die das Publikum begeisterten, aber nicht unbedingt meinem Humor entsprechen. Wer Slapstick nicht mag, muss also warten, bis das Lachen der anderen ansteckt oder ein anderes Stück sehen. Es geht um den Fund einer Leiche in einer Hotelsuite. Da der Tote von zwei Ehebrechern gefunden wird, entwickeln sie immer irrwitzigere Pläne, um die Situation so zu klären, dass ihr Tun nicht öffentlich wird. 1990 zum ersten Mal in London aufgeführt, wurde es dort zur besten Komödie des Jahres gekürt. Grundsätzlich ist das Kriminaltheater also durchaus zu empfehlen. Am besten ist es wohl, es im Sommer zu besuchen, sodass man den Innenhof genießen kann.

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Schmalzgebäck, Rummel oder Holzspielzeug - Die Qual der Wahl auf den Berliner Weihnachtsmärkten

Mehr als 500 Weihnachtsmärkte soll es in Berlin geben. Jeder Stadtteil hat seinen eigenen und jeder Weihnachtsmarkt hat was Besonderes zu bieten.  Rummel am Alex oder Wohltätigkeit auf dem Alt-Rixdorfer – ganz so, wie es euch gefällt…
Letztes Wochenende fand der Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt auf dem Richardplatz statt. Im Gegensatz zu den üblichen Weihnachtsmärkten in Berlin findet er nur an einem Wochenende statt. Also fürs nächste Jahr merken? Kommt darauf an, was man möchte. Schön fand ich, dass fast alle Stände von Vereinen oder Organisationen betrieben wurden. Wer etwas kauft, unterstützt so gleichzeitig Schulen oder wohltätige Vereine. Also durchaus mal etwas anderes … Die Auswahl geht in Richtung Kunsthandwerk und viel Spielzeug und natürlich gibt es viel zu trinken und zu essen. Schade fand ich, dass die Essensstände so stark besucht waren, dass mir der Appetit verging. Generell ist der Markt sehr voll und wir waren schon nachmittags da. Eine schöne weihnachtliche Atmosphäre soll der Weihnachtsmarkt entwickeln, wenn es dunkelt, aber die Besucherströme werden dann noch größer sein. Der Markt hat eine karitative Ausrichtung und ursprünglich die Nachbarschaft als Zielgruppe. Wie er früher war, kann ich natürlich nicht beurteilen, aber das sogar Zuckerwatte als vegan angepriesen wird, erscheint mir dann doch etwas zu arg angepasst, während ich meine Pfandplastikbecher festhalte, den mir geschäftstüchtige Kinder am liebsten aus der Hand reißen würden.
Da lob ich mir die Authentizität des Weihnachtsmarkts am Alex. Hier herrschen Kommerz und Krimskrams. Nur Touristen oder völlig in Weihnachtsstimmung Versunkene können es hier länger aushalten mit den blinkenden Mützen, importiertem Schmuck und anderen importiertem Kram. Wer es besinnlicher mag, geht ein paar Schritte weiter zum Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus. Nicht, dass es hier weniger kommerziell zugehen würde, aber die Stände bieten mehr Kunsthandwerk und Spezialitäten. Und hier gibt es auch die Schlittschuhbahn um den Neptunbrunnen herum. Die ist natürlich nicht riesig, aber die Anfänger, meistens kleine Kinder, festgekrallt an Pinguinen, die dort ihre Runden drehen, sind ein sehr entspannender Anblick. Hinter dem Einkaufsmonstrum Alexa gibt es dann noch den Weihnachtsmarkt für Rummelfans. Das Ganze nennt sich Wintertraum ums Alexa. Hier gibt es vor allem Essen, Trinken und Adrenalin mit allerlei Fahrgeschäften, die den Magen durchwirbeln. Prinzipiell kann man sich am Alex also seine volle Dosis Weihnachtsmarkt holen und behaupten, alles gesehen zu haben …

Montag, 7. Dezember 2015

Italienisch essen am Marheinekeplatz im Antillo

Italiener geht ja eigentlich fast immer. Am Marheinekeplatz kann man das Antillo durchaus weiterempfehlen.
Wer nicht unbedingt ein festes Monatsbudget hat und gerne italienisch ist, kann ruhig im Antillo vorbeischauen. Die Einrichtung ist stilvoll und es gibt viele schöne Details zu entdecken, die einen engagierten Dekorateur vermuten lassen. Die Speisekarte deckt die Standardgerichte wie Pizza und Nudeln ab. Die Pizzen sind typisch italienisch mit dünnem Boden und gut belegt. Wer darauf keine Lust hat, sollte sich an die Tageskarte halten, die spezielle Saisonangebote hat. Für Fleisch- oder Fischgerichte und feine Gerichte muss man etwas tiefer in die Tasche greifen, die Preise sind aber moderat. Meine Lieblingsspaghetti Aglio e Olio gibt es für fast acht Euro. Das ist nicht unbedingt günstig, aber angemessen. Geschmeckt hat es auf jeden Fall. Sehr lecker und nicht bei jedem Italiener üblich, ist das Brot mit Olivenöl vorneweg. Und nachdem mir der Kellner Parmesan so viel wie ich wollte über meine Spaghetti gehobelt hatte, hatte das Restaurant eh schon gewonnen.  Der Service war Berliner Niveau, leichtes Grunzen des Kellners bei Fragen und ab und an ein Lächeln. Wer mal Lust hat, das Essen dort auszuprobieren, kann es sich auch liefern lassen.

Freitag, 4. Dezember 2015

Altes neu belebt - Die Berliner Markthallen

Im Ausgang des 19. Jahrhunderts beschloss die Berliner Verwaltung 14 Markthallen anzulegen, um die wachsende Bevölkerung besser und hygienischer zu versorgen.  Einige davon sind auch heute noch erhalten und bieten einen Ausgleich zu dem Standard-Supermarktangebot oder den riesigen Shoppingcentern.  Die Arminiusmarkthalle und die Marheinekehalle sind zwei davon.
Die Arminiusmarkthalle ist auch als Moabiter Markthalle bekannt und eher etwas für Anwohner oder Suchende, die in einem besonderen Ambiente essen wollen. Sie wurde 1891 erbaut und während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt. In den 90er Jahren wurden die Fassade und der Innenbereich restauriert und unter Denkmalschutz gestellt. Wer sich also für Architektur interessiert, kann sich hier vielleicht begeistern. Von außen riesig, ist sie dann innen doch recht übersichtlich, was vielleicht auch daran liegt, dass ein Norma-Supermarkt ziemlich viel Platz wegnimmt. 
Ansonsten ist das Angebot bunt gefächert, es gibt alles was das Frische-Herz begehrt: Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse und Backwaren. Etwas versteckt liegen auch Stände, an denen selbst hergestellte Mode oder Kunsthandwerk angeboten wird. Für Fans von Fascinators sehr empfehlenswert. Neben den verschiedenen Ständen gibt es auch viele kleine feine Gastronomieangebote. Wer Hunger hat, kann hier schön essen und Leute beobachten.
Zugegebenermaßen hat es mir die Marheinekemarkthalle aber mehr angetan. Im Vergleich zur Arminiushalle ist sie viel heller. Zu finden ist sie in Kreuzberg am Marheinekeplatz. Ursprünglich auch 1891 erbaut, ist kaum noch etwas von der historischen Halle erhalten. Zweigeschossig und lichtdurchflutet wirkt sie auf mich wesentlich größer als die Arminiushalle. Die Aufteilung hat mir gefallen: Durch einen großen Mittelgang kommt man an allen Ständen vorbei. Hier gibt es wieder alles, was man für einen gelungenen Wocheneinkauf braucht und viel mehr. Besonders lecker anzuschauen sind die arabischen und griechischen Spezialitäten. Wer dann Lust hat, gleich vor Ort zu essen, kann sich hinter den Ständen am Fenster niederlassen und essen. Von deutscher Küche bis französische Snacks ist alles da. Im zweiten Geschoss gibt es einen veganen Supermarkt und einige kulturelle Angebote. Wer am Wochenende vorbeikommt, kann auf dem Marheinekeplatz auf dem Flohmarkt gleich weitershoppen. 

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Kleiner Ausflug in die Geschichte des Nordbahnhofs

An einigen Bahnhöfen Berlins ist es gar nicht so schlimm, wenn man mal die Bahn verpasst. Letztens war ich am Nordbahnhof und konnte meiner Bahn noch hinterherwinken …  Also mehr Zeit, sich den Bahnhof mal genauer anzusehen.
Für viele Berlinbesucher und Zugezogene immer noch verwirrend, liegen viele S-Bahnhöfe unterirdisch und einige U-Bahnhöfe oberirdisch. Beim Nordbahnhof fahren verschiedene S-Bahn-Linien und alle unterirdisch. Die Architektur ist jetzt nicht unbedingt beeindruckend, gipsfarbene Kacheln, wie ein Bahnhof halt aussieht. Allerdings kann man das Ganze architekturtechnisch in die Moderne einordnen und die Kacheln als elfenbeinfarben bezeichnen und schon klingt es besser. Beeindruckend ist aber tatsächlich, dass der Eingangsbereich des Bahnhofs von außen fast immer noch so aussieht wie auf Fotos aus den 30er Jahren. Direkt am Bahnsteig gibt es neben Werbung an den Wänden alte Fotos des Bahnhofs zu sehen. In seinen frühesten Zeiten war der Nordbahnhof wesentlich größer und diente als Fernbahnhof. Seit 1842 fuhren hier Züge nach Stettin. Daher auch der Name Stettiner Bahnhof, denn so hieß er bis 1950. Rund um den heutigen S-Bahnhof-Eingang sind in den Boden Gleise eingelassen, die zeigen, welche Ziele früher angesteuert wurden. 

1950 folgte dann die Umbenennung und zwei Jahre später wurde der Fernbahnhof stillgelegt. Der in den 30er Jahren erbaute unterirdische Bahnhof blieb bestehen, wurde aber ab dem Bau der Mauer zum Geisterbahnhof. Hier stoppten keine Passagierzüge mehr, sondern rollten nur langsam durch. Wer den Ausgang Gartenstraße nimmt, entdeckt die kleine Ausstellung zu den Geisterbahnhöfen Berlins. Fotos und Informationstafeln erklären, was Geisterbahnhöfe waren und was die deutsche Teilung für den Nahverkehr Berlins bedeutete. Und schon sind die zehn Minuten bis zur nächsten Bahn vorbei … Direkt in der Nähe des heutigen Bahnhofs liegt auf dem alten Gelände des Fernbahnhofs, auf dem zu DDR-Zeiten Grenzanlagen waren, der Park am Nordbahnhof. Den könnte man sich ja bei gutem Wetter mal genauer ansehen …